Fidschi-Tagebuch, Teil 8: Freunde finden, das ist schwer

Luisa findet es nicht einfach, echte Freunde auf Fidschi zu finden. Die Jungen sind rugbyspielende Angeber und bei den Mädchen herrscht oft Zickenalarm. Hier erzählt euch die 13-Jährige von ihren Freunden und Lieblingsfeinden
In diesem Artikel
Die Mädchen
Leone

Die Mädchen

Viele Kinder aus Deutschland haben mich gefragt, ob ich schon neue Freunde gefunden habe. Das ist nicht so leicht zu beantworten. So richtige Freundschaften, wie bei uns, gibt es hier nicht. Ich verstehe mich mit den meisten aus der Klasse gut. Am Anfang fand ich alle sehr nett, aber hier gibt es viel Konkurrenz und Eifersucht untereinander. Manche von den armen Fidschianern behandeln die Inder schlecht. Sie denken, dass sie etwas Besseres sind. Die Inder sind nämlich erst vor 100 Jahren durch die englische Kolonialregierung, als Arbeiter für die Zuckerrohrplantagen, nach Fidschi geholt worden. Ich mache da keine Unterschiede.

Die Jungen sind hier viel blöder als in Deutschland. Viele sind Machos und Angeber und ärgern uns Mädchen. Sie hauen uns auch. Mädchen wird hier nicht so viel zugetraut wie in Deutschland. Jungs werden in den Familien bevorzugt, dabei sind wir Mädchen meistens besser in der Schule. Ich habe mal ein Foto von den Kindern aus der Klasse gemacht, mit denen ich am meisten zu tun habe. Von denen werdet ihr bestimmt immer wieder etwas hören. Deshalb stelle ich euch die Wichtigsten mal vor:

Siteri

Als ich zum ersten Mal in die Klasse gekommen bin, war sie total nett zu mir. Sie hat mir die Schule gezeigt und wie alles funktioniert. Siteri kommt aus dem Dorf Nacekoro und ich habe schon mit ihr gespielt, als ich früher in Fidschi war. Das hat mir meine Mutter erzählt. Doch daran kann ich mich nicht mehr erinnern, weil ich auch erst zwei Jahre alt war.

Am Anfang haben wir uns sehr gut verstanden - doch dann ist etwas passiert. Als Siteri für zwei Wochen nach Suva, in die Hauptstadt, gefahren ist, habe ich mich gewundert, wo denn meine Stifte sind. Schließlich habe ich alle meine Stifte unter ihrem Tisch in der Ablage gefunden - ohne Kappen. Darüber habe ich mich total geärgert und war sehr enttäuscht. Seitdem hat sich ihr Verhalten mir gegenüber total verändert. Ich habe ihr nämlich gesagt, was ich davon halte. Siteri spielt gerne Netball und bevor ich kam, war sie Prefect der Klasse. Und deswegen ist sie jetzt auch neidisch, denn ich habe ihr so zusagen den Job geklaut.

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Siteri ist das Mädchen links vorne, mit dem strengen Mittelscheitel; Senimili steht ganz links und hat ihre Hände um Leos Kopf; Matelita steht in der hintersten Reihe und ist die fünfte von links; Sonal ist leider kaum zu sehen, sie steht ganz rechts, direkt hinter Dick (gelbes T-Shirt)

Senimili

Senimili war zu Beginn meine wichtigste Freundin, denn wir haben bei ihrer Tante gewohnt, und sie konnte mir vieles zeigen. Wir sind zusammen zur Schule gegangen und haben gemeinsam Hausaufgaben gemacht. Ihretwegen bin ich auch in die 7. Klasse gegangen, damit ich schon jemanden kenne und nicht alles so neu ist. Wir haben uns alles geteilt, und ich habe ihr in der Schule geholfen. Doch nach einer Weile wurde sie ganz zickig zu mir. Warum, weiß ich auch nicht. Wir haben uns total gestritten.

Jetzt nachdem wir in unser eigenes Haus gezogen sind, ist sie wieder freundlich und normal zu mir. Sie kommt ganz oft gar nicht zur Schule, weil ihr Vater sagt, sie soll zu Hause bleiben und auf die kleinen Geschwister aufpassen. Oder wenn sie zu spät ist, kommt sie einfach gar nicht. Hier kommen viele oft gar nicht zur Schule. Das ist ein großes Problem.

Matelita

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In unserem Klassenraum: vorne links Senimili, hinten, von links nach rechts: Leo, Tima, Litia, Matelita

Matelita ist "Deputy Headgirl", das heißt nächstes Jahr wird sie "Headgirl" sein. In der Schule ist sie recht gut. Aber sie nimmt es nicht so ernst. Am Anfang des Schuljahres hat sie sich noch total angestrengt. Sie spielt gerne Netball. Ihre besten Freunde sind Litia und Tima. Sie fährt immer mit dem gleichen Bus wie ich zur Schule. Wir sitzen in der Schule auch nebeneinander.

Sonal

Sonal ist die einzige Inderin in der Klasse. Sie ist auch etwas dicker. Und sie isst auch ständig diese ganzen indischen Süßigkeiten. Als ich neu war, hat sie mich immer geärgert. Da war sie meine Erzfeindin, inzwischen sind wir gute Freunde. Sie hatte mich immer aufgezogen, um beliebter zu sein. Denn keiner mag sie so richtig. Das finde ich auch gemein. In der Klasse nennen alle sie "indian idiot" (indischer Idiot.) Aber sie ist auch etwas komisch, sie verrät immer alle Geheimnisse und ist manchmal zu geschwätzig.

Leone

Leone, der ist total nett zu mir. Er ist wirklich witzig. Er hat immer ein Lächeln im Gesicht. Er ist so mittelmäßig in der Schule und er spielt nicht Rugby. Irgendwie besteht da ein Zusammenhang. Die schrecklichen Jungs spielen auch immer Rugby.

Jerry Yavala

Jerry spielt für sein Leben gerne Rugby. Er ist total frech in der Schule und bekommt deshalb ständig Ärger. Im Unterricht ist er einer der schlechtesten. Er kaut ganz oft Kaugummi. Vielleicht findet er das cool. Wenn er das bei Madam im Unterricht tut, muss er das Kaugummi auf seine Stirn kleben. Das ist die Regel in der Schule, wenn man Kaugummi kaut. Zu mir ist der blöd. Er macht immer dumme Witze, über die ich überhaupt nicht lachen kann.

Dick

Dick ist ziemlich klein Ich weiß nicht viel über ihn, nicht mal, wo er wohnt. Nur dass er sehr gerne Rugby spielt. Da ist er der Beste. Dafür ist er der Dümmste in unserer Klasse. Er ist auch ein totaler Angeber. Deshalb fände ich es auch nicht weiter schlimm, wenn er die Klasse wiederholen muss. Danach sieht es nämlich gerade aus.

Leo

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Die Jungs: Dick (im gelben T-Shirt), Leone (weißes T-Shirt) und Leo hat gerade die Hände von Senimili auf dem Kopf, deswegen kann man ihn nicht so gut sehen

Dann gibt es noch Leo. Das ist unser Japaner. Der faltet immer Origami im Unterricht. Der bekommt auch immer Ärger, weil er nicht den exakten Schulkurzhaarschnitt hat. Aber seine Haare scheinen auch viel schneller zu wachsen als die der anderen. Sein Vater hatte ein Sushi Restaurant in der Stadt aber bald schickt ihn seine Familie warscheinlich nach Australien zur Schule. Er kann ganz schön frech sein. Deshalb wird er auch häufig geschlagen. Manchmal macht er Karate in der Schule, da gibt’s dann auch wieder Ärger. Wir verstehen uns gut. Und er ist fast so etwas wie ein Freund. Ich mache ja auch Karate.

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Luisa und Finn sind Anfang des Jahres mit ihren Eltern nach Fidschi ausgewandert. Bei GEOlino.de berichten sie regelmäßig über ihre Erlebnisse. Hier im Forum könnt ihr ihnen auch selber Fragen stellen
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