Fidschi-Tagebuch, Teil 12: Das Meer als Spielplatz

Bei Südseeinsel denken immer alle an einen tollen Sandstrand. Stimmt aber nicht immer. Der Hausstrand von Finn und Luisa hat dafür aber andere tolle Sachen zu bieten

Die Touristen denken immer, hier gibt es einen tollen weißen Strand. In allen Reiseprospekten und Postkarten sieht es immer so aus, aber ganz häufig sind die Strände in der Südsee entweder aus schwarzem Sand oder bestehen aus winzigen Steinen. Auch bei uns vor der Haustür ist der Strand eher steinig und voller Korallen.

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Vom Haus sieht man verheißungsvoll das blaue Meer glitzern

Man könnte denken, wir gehen jeden Tag baden, wenn wir aus der Schule kommen, aber das geht gar nicht. Ganz oft ist zwar schönes Wetter und wir freuen uns auf das Meer, das verführerisch blau leuchtet, wenn wir dann aber unten am Strand angekommen sind, dann sehen wir: Es ist "Low Tide", also Ebbe.

Fast das ganze Wasser ist weit draußen. Nur da, wo das Riff endet und das tiefe Meer beginnt, da könnten wir baden. Aber das ist viel zu gefährlich. Die Wellen schlagen mit enormer Kraft gegen die Riffkante. Man würde gar nicht mehr zurückkommen. Alle zwölf Stunden wechseln die Gezeiten. Die Wasserstände und die Uhrzeiten stehen jeden Tag in der Zeitung. Denn die Gezeiten verändern sich täglich.

Das hängt mit dem Mond zusammen. Nachdem der Wasserhöchststand erreicht ist, beginnt das Wasser langsam abzulaufen. Und sechs Stunden später ist tiefste Wasserstand erreicht.

Krebse fangen bei Low Tide

Baden gehen bei Low Tide bringt keinen Spaß. Da ist das Wasser nur knöcheltief. Außerdem sind dann überall Korallen und Steine, die total an den Füßen pieksen und auch gefährlich sein können. Man kann bei Ebbe aber auch viele Spiele am Strand spielen.

Das machen die Fidschianer auch so. Natürlich nur da, wo nicht zu viele Korallen sind. Zum Beispiel spielen sie dann Rugby auf den fast trockenen, ebenen Flächen. Die kleinen Kinder spielen Hüpfspiele wie bei uns "Himmel und Hölle".

Manchmal gehen wir bei Ebbe weit hinaus aufs Riff und sammeln Meeresfrüchte oder Seegras. Da ziehen wir immer Riffschuhe an, denn zum einen können die Korallen einen verletzen und es gibt viele gefährliche Tiere.

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Bei Ebbe kann man toll die schönen blauen Seesterne sehen

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Im Meer planschen macht großen Spaß

Wir gehen, das haben wir von den Fidschianern gelernt, abends oder nachts aufs Riff. Ausgerüstet mit einer Tauchtaschenlampe, einem Messer und einem Sack suchen wir das Riff ab. Auf dem Riff sammeln wir Muscheln, die man essen kann. Oder wir fangen Fische, die in den Wassermulden gefangen sind.

Besonders gut kann man Krebse fangen, die nachts rauskommen. Es gibt verschiedene Sorten, die man alle essen kann: rote mit drei dunklen Punkten, graue oder schwarze, die aussehen wie große Kellerasseln mit einem harten Panzer. Die Krabben sind so was von lecker. Am meisten Fleisch ist in den Scheren.

Am Riffrand, das heißt, da wo die Kante zum tiefen Wasser ist, da kann man sehr gut Hummer sammeln. Hier ist es aber auch ganz besonders gefährlich. Es gibt Spalten oder Löcher aus denen das Wasser im hohen Bogen heraus schießt. Man muss aber nicht nur aufpassen, dass man nicht stolpert, sondern sich auch vor den Wasserschlangen, den "Daku Daku Laci", die sich in den Pfützen schlängeln, in Acht nehmen.

Sie sehen sehr schön aus, schwarz und weiß geringelt, aber je dicker sie sind, umso gefährlicher werden sie. Wenn man von einer gebissen wird, kann man krank werden. Und dann gibt es noch die "Boila", das sind Muränen. Auch die können beißen. Muränen sitzen in den Steinlöchern, deshalb nehmen wir immer das Messer und nie die Hand, wenn wir einen Krebs aus einem Loch holen wollen.

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Bei Ebbe treten die ganzen Korallen zu Tage. Darauf sollte man nur mit Schuhen laufen

Schwimmen bei High Tide

Wenn High Tide, also Flut, ist, kann man wunderbar schwimmen. Stinken unsere Hunde oder haben Flöhe, dann nehmen wir sie immer zum Baden mit. Schwimmen macht eigentlich viel Spaß, ganz besonders das Schnorcheln, denn da kann man total viele kleine bunte Fische sehen - wie im Aquarium.

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Luisa und Finn baden zusammen mit dem Hund

Aber es gibt auch Seeigel, Rochen, Seegurken, Muscheln, bunte Korallen und Schlangen. Übrigens ist es unter Wasser viel gefährlicher als an Land. An Land gibt es keine giftigen Tiere, nicht einmal Giftschlangen.

Aber im Meer, da kann man sich leicht verletzen und sogar sterben, wenn man nicht aufpasst. Nicht nur wegen der Haie, auch giftige Quallen, unschuldig aussehende Muscheln, der Drachenfeuerfisch (ist mir schon ganz häufig in unserem Riff begegnet), Wasserschlangen, sogar einige Korallen sind eine Gefahr.

Deshalb niemals etwas unter Wasser anfassen und niemals ohne Riffschuhe raus. Einer unserer Besucher aus Deutschland hat aus Spaß mal einen Seeigel angefasst. Der hatte noch zwei Wochen mit den kleinen Stacheln in seinen Händen zu kämpfen.

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