Im Revier des Großen Mausohrs

Max, Florian, Tobias und Alexander haben letztes Jahr den Expertenpreis des GEO-Tages der Artenvielfalt gewonnen. Zur Belohnung durften sie dieses Jahr mit den Experten zusammen auf die Pirsch gehen. Hier erfahrt ihr, was sie erlebt haben

Eine Falle für Nachtschwärmer: Max, 15 Jahre

Mit Nachtfaltern kenne ich mich aus. In unserer Schul-AG sammeln wir ihre bunten Raupen, füttern sie mit Brennnessel- oder Brombeerblättern und warten ab, welche Falterart dann schlüpft. Trotzdem bin ich neugierig, als wir am Freitag gegen 22 Uhr an der Teichwiese ein- treffen. Nachtfalter-Experte Uwe Büchner hat den Fangschirm schon aufgebaut. Die Frösche quaken, der Stromgenerator brummt, und im Lichtkegel der Lampe tanzen Mücken und Fliegen. Plötzlich regnen Schatten auf das Laken: Ein Kiefernschwärmer, eine Achateule und ein unbekannter Falter haben sich niedergelassen. Die braune Achateule erkenne ich sofort. Den Namen des Fremdlings müssen wir im Buch nachschlagen. Hunderte Arten sind darin aufgelistet, oft eine so ähnlich wie die andere! "Dieser Falter hat Zähne als Muster auf den Flügeln, daran erkennt ihr ihn", sagt Uwe Büchner. Tobias blättert und findet ihn: Es ist eine Striegeleule. Über 80 Arten gehen uns so ins Netz. Nachts ist Crawinkels Insektenwelt hellwach!

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Wer piept denn da? Mit dem Fernglas versuchen die Jungs und Harald Lange, Vögel ausfindig zu machen

Die stummen Schreie eines kleinen "Vampirs": Florian, 15 Jahre

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Zwischen Grashalmen und Margariten haben Max und Tobias eine junge Heuschrecke entdeckt

Auf diesen Anruf des Fledermaus-Forschers habe ich bis kurz vor Mitternacht gewartet: Ein Großes Mausohr hat sich in einem der Netze verheddert. Es ist der einzige Fang des Abends, deshalb nichts wie hin! Etwa 15 Minuten lang irren wir einen stockfinsteren Waldweg entlang, dann leuchtet eine Taschenlampe auf. Der Fledermaus-Experte Wigbert Schorcht steht vor uns. Er trägt Handschuhe, denn die kleinen „Vampire“ beißen. Gerade mal handtellergroß ist das Mausohr. Es zappelt, versucht sich aus der Hand des Wissenschaftlers zu winden und schreit. Stumme Schreie! Sein Gemecker höre ich erst, als die Forscher ein Gerät einschalten, das die Ultraschall-Rufe einfängt und für uns Menschen hörbar macht. "Kräcks, kräcks" klingt es aus dem Lautsprecher. Die Töne überspielen die Wissenschaftler auf einen Computer, der sie als Wellenlinie darstellt. An der Höhe der Wellenberge können sie ablesen, welche Fledermausart gerufen hat. Neben dem Großen Mausohr sind in dieser Nacht noch fünf andere Arten im Wald auf Beutesuche gewesen. Ein gutes Zeichen! Denn wo viele Fledermäuse leben, ist die Natur im Gleichgewicht.

Das Konzert des Wiesenchores: Alexander, 15 Jahre

Mein Wecker klingelt am Samstagmorgen um halb fünf! Anziehen, Zähne putzen, Fernglas schnappen. Harald Lange wartet auf uns. Der Biologe ist ein wandelndes Vogelstimmen-Lexikon. Die Sänger des Wiesenchores zwitschern wild durcheinander, Harald Lange aber erkennt jeden einzelnen. "Hört ihr das ,tzi, tzi, tzi, da'? Das ist eine Goldammer", sagt er, als wir uns den Hecken nähern. Wir sperren die Ohren auf! Der Vogelgesang hilft uns, die Tiere zu unterscheiden und im Gestrüpp zu entdecken. Den Neuntöter etwa, der auf einem Holunderstrauch thront, hätten wir übersehen, wäre sein "keck, keck" nicht schon von weitem zu hören gewesen. Die Weiden- und Heckenlandschaft in Crawinkel ist ein Vogelparadies. Die grasenden Rinder, Ziegen und Pferde rühren zum Beispiel Dornengestrüpp nicht an, sodass Bodenbrüter wie die Feldlerche einen sicheren Nistplatz finden. Bei uns am Chiemsee haben die Bauern mit ihren Mähmaschinen den Vogel fast ausgerottet.

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Tobias sieht sich jedes gefangene Insekt unter der Lupe noch einmal genau an. Dann lässt er es frei

Auf Spurensuche im toten Holz: Tobias, 16 Jahre

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Auf der Suche: Bei manchen Insektenarten sind die Jungen ratlos. Welcher Falter hat ein Zackenmuster auf den Flügeln? Die Antworten finden sie im Bestimmungsbuch

Käfer faszinieren mich. Warum? Weil es so viele verschiedene Arten gibt und ich manche schon für unser Schulprojekt untersucht habe. Sie interessieren uns alle vier! Deshalb schließen wir uns am Samstagvormittag den Experten Andreas Weigel und Andreas Kopetz an. Die beiden Thüringer wissen genau, an welchen Bäumen oder Sträuchern sie nach welchen Käfern suchen müssen. Mit Stock und Fangschirm klopfen sie Bock-, Blatt-, Weich- und Schnellkäfer von den Blättern. Winzlinge saugen sie in eine Flasche, um sie später unter der Lupe zu bestimmen. Wir schwingen auf einer Wiese die Kescher. Statt Käfern erbeuten wir jedoch nur Wanzen, Ameisen, Heuschrecken. "Vielen Käfern ist es heute zu trocken. Sie mögen es feuchter", erklärt Andreas Kopetz und zieht einen halb verrotteten Baumstamm aus dem Wald. "In dem toten Holz finden wir vielleicht ein paar Holzkäfer!", sagt er. Dann reißt er die Borke herunter und zeigt uns Schlupflöcher, Gänge und Häufchen feinen Holzstaubes. Alle drei sind Fraß- und Kotspuren der Bockkäferlarven. Ich will es nun genau wissen und zerlege das Stammende mit meinem Taschenmesser. Eine holzmampfende Larve kriecht mir dabei leider nicht über den Weg.

Hier erfahrt ihr, wie die Jungs auf den GEO-Tag der Artenvielfalt kamen

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Manni, das tote Schwein
Was hat ein totes Ferkel mit Forschung zu tun? Und warum wurde es von vier Marquartsteiner Schülern in den Wald gelegt? Und was hat das alles mit dem GEO-Tag der Artenvielfalt zu tun?

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