Manni, das tote Schwein

Was hat ein totes Ferkel mit Forschung zu tun? Und warum wurde es von vier Marquartsteiner Schülern in den Wald gelegt? Und was hat das alles mit dem GEO-Tag der Artenvielfalt zu tun?

Auf dem Waldboden liegt ein kleines rosa Ferkel – tot. Drumherum raschelt und krabbelt und summt es. Denn der strenge Geruch, der bei uns nur Ekelgefühle wachruft, lockt ganze Heere von Insekten und anderen Lebewesen an, für die das Schweinchen eine gedeckte Festtafel ist.

Genau diese Artenvielfalt war es, die die Schüler des Staatlichen Landschulheims Marquartstein interessierte. Mit ihrem Projekt "Totes lebt" bewarben sie sich letztes Jahr bei dem GEO-Tag der Artenvielfalt und gewannen prompt den "Expertenpreis für Schüler".

Alexander Dottei, Maximilian Maierhofer, Tobias Posch und Florian Sänger haben was übrig für Krabbeltiere und für Kriminalfälle. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Ganz einfach! Die Insekten helfen der Polizei beim Lösen von Kriminalfällen. Wenn man sich mit den Tieren auskennt, die zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Stadien eine Leiche besuchen, kann man eine Menge über Tote in Erfahrung bringen.

Zusammen mit ihren Lehrern und dem Insekten-Experten Dr. Frank Reckel vom Landeskriminalamt dachten sich die Nachwuchsforscher einen Versuch aus, um den Zersetzungsprozess und seine Hauptdarsteller erforschen zu können.

Ein Festmahl für die Krabbeltiere

Zuerst musste ein geeignetes Biotop für die Krabbeltiere geschaffen werden. Also legten sie einen kleinen Eber mit 24,5 Kilo Gewicht in ein Waldstück und nannten ihn "Manni". Damit nicht etwa Füchse oder andere große Fleischfresser sich an ihm gütlich tun konnten, wurde das Schweinchen mit einem Maschendrahtzaun alleine für kleine Beutejäger freigegeben.

Und wer war wohl als erster am Schauplatz des Geschehens? Stechmücken! Überraschend, oder? Solange das Ferkel noch Körperwärme ausstrahlte, war es attraktiv für Mücken. Aber schnell zeigten sich auch andere Insekten: Gold- und Schmeißfliegen zum Beispiel. Später kamen noch Falter, Totengräberkäfer und andere Aaskäfer dazu. Zusammen mit vielen anderen kleinen Helfern schafften sie es, das Schwein innerhalb von drei Wochen komplett aufzuessen. Nur das Skelett und die Haut waren noch übrig.

Natürlich gehört zu einem solchen Forschungsobjekt auch eine ordentliche Portion Überwindung. "Es war nicht ganz appetitlich, aber man kann es aushalten", meint auch Tobias. Für die vier Jungs hat sich das Projekt gelohnt – und das nicht nur, weil sie dieses Jahr am GEO-Tag der Artenvielfalt persönlich teilnehmen durften.

Hier erfahrt ihr, was die Jungs beim GEO-Tag der Artenvielfalt erlebt haben

Im Revier des Großen Mausohrs
Im Revier des Großen Mausohrs
Max, Florian, Tobias und Alexander haben letztes Jahr den Expertenpreis des GEO-Tages der Artenvielfalt gewonnen. Zur Belohnung durften sie dieses Jahr mit den Experten zusammen auf die Pirsch gehen. Hier erfahrt ihr, was sie erlebt haben
GEOlino-Newsletter