Astrid Lindgren

Vor 100 Jahren wurde die berühmteste Kinderbuchautorin der Welt geboren. Rund 145 Millionen Mal wurden ihre Bücher bislang verkauft! Hier erfahrt ihr mehr über Pippis Mutter. Mit Wissenstest!
In diesem Artikel
Sie tut, was ihr gefällt
Für Kinder schreiben, um ein Kind zu bleiben
Beim Schreiben für Sorgen unerreichbar

Sie tut, was ihr gefällt

Mami, erzähl mir von Pippi Langstrumpf!" Pippi wer? Astrid Lindgren blickt ihre Tochter Karin verdutzt an. Die Siebenjährige liebt es, sich lustige Namen auszudenken. Aber dieser ist nun besonders schräg. Wie ist Karin bloß darauf gekommen? Der Winter 1941 ist kalt, hier in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Seit Tagen liegt Karin hustend und mit Fieber im Bett. Fantasiert sie jetzt etwa schon? Astrid fragt nicht weiter, überlegt einen Moment – und erfindet kurzerhand Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, "Pippi" genannt. Ein Mädchen mit karottenroten Zöpfen, das allein in der Villa Kunterbunt wohnt. Nur das Äffchen Herr Nilsson ist bei ihm und der Kleine Onkel, ein Pferd, das Pippi, wenn sie das Haus putzen muss, einfach auf die Veranda trägt. Denn Pippi ist das stärkste Mädchen der Welt. Und sie tut, was ihr gefällt!

Karin schließt die freche Göre gleich ins Herz, will immer neue Geschichten hören. Auch als sie längst nicht mehr krank ist. So schreibt Astrid Pippis Abenteuer schließlich auf und schenkt sie ihrer Tochter zum Geburtstag, damit diese die Geschichten immer wieder lesen kann. Eine Kopie schickt Astrid an einen angesehenen schwedischen Verlag. Doch dessen Chef lehnt dankend ab: Er fürchtet, dass seine Kinder auf dumme Ideen kommen, wenn sie sich diese Pippi zum Vorbild nehmen.

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Astrid Lindgren gibt ihrer "Tochter" letzte Tipps. Inger Nilsson spielt zwischen 1968 und 1973 Pippi Langstrumpf im Film. Inger und Astrid werden Freunde und sehen sich oft. Sie reden über Gott und die Welt – aber angeblich nie über Pippi!

"Pippi Langstrumpf" unerwartet ein Bestseller

Eine Fehlentscheidung, über die sich der Chef später schwarz geärgert haben dürfte: Kurz darauf bringt ein anderer Verlag "Pippi Langstrumpf" heraus. Das Buch ist bis heute millionenfach verkauft und in 57 Sprachen übersetzt worden. Und Astrid Lindgren gilt als die berühmteste Kinderbuchautorin der Welt. Weil sie Geschichten erzählt, in denen Kinder frech, fröhlich und verrückt sein dürfen – eben Kinder. Sie selbst wäre es gern ihr Leben lang geblieben!

Für Kinder schreiben, um ein Kind zu bleiben

Am 14. November 1907, vor genau 100 Jahren, kommt Astrid auf dem Hof Näs nahe dem Städtchen Vimmerby im südschwedischen Småland (sprich: Smoland) zur Welt. Das Haus der Eltern Hanna und Samuel Ericsson ist rot getüncht und hat weiße Fenster, durch die man den tiefgrünen Wald sehen kann. Auf Näs erlebt Astrid mit ihren drei Geschwistern genau jene Bilderbuchkindheit, die sie in ihren Geschichten über Pippi und die "Kinder von Bullerbü" für immer festhalten wird: Ewig stromern sie durch Frühlingswiesen, pflücken im Sommer saftige Kirschen, die sie sich an die Ohren hängen. Im Winter bewachen Schneemänner den Bauernhof. "Die beste Zeit meines Lebens war, wenn ich spielen durfte. Ich fand es nicht besonders lustig, größer zu werden", erzählt Astrid später einmal. Und Pippi spricht ihr aus der Seele, wenn sie erklärt, dass Erwachsene langweilig sind: "Sie haben nur einen Haufen Arbeit und komische Kleider und Hühneraugen."

Aber es hilft nichts, Astrid wird erwachsen. 1924, nach ihrem Schulabschluss, verlässt sie Näs und zieht nach Vimmerby, um dort für eine Zeitung zu schreiben. Sie freut sich auf die Freiheit, die das Stadtleben verspricht. Doch die 17-Jährige spürt nichts davon: Als sie sich die Haare kurz schneiden lässt, gaffen die Leute sie nur blöd an. Und dann wird sie auch noch schwanger – von einem verheirateten Mann. Eine Schande, sagen viele! Astrid muss Vimmerby verlassen, geht nach Stockholm und fängt dort mit ihrem Sohn Lars ein neues Leben an. Sie findet Arbeit als Sekretärin, lernt ihren späteren Mann Sture Lindgren kennen. 1934 wird Karin geboren.

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Hier liest Astrid Lindgren für ihre eigenen Enkelkinder Annika und Anders (1966)

Beim Schreiben für Sorgen unerreichbar

Pippi, die mit ihren Bärenkräften selbst Polizisten auf Bäume wirft und beim Kaffeekränzchen Sahnetorte mit den Fingern schaufelt: Dieses Mädchen ist auch eine leise Rache an den spießigen Kleinstädtern, die sie verspottet haben und vor denen sie fliehen musste.

Der Erfolg von "Pippi" macht aus Astrid Lindgren schnell einen Star. Die aber gibt sich bescheiden: "Ich bin nur ein Bauernmädchen aus Småland", sagt sie und lebt ihr einfaches Leben weiter. Vor der Arbeit setzt sie sich oft an den Schreibtisch und füllt Seite um Seite mit handschriftlichen Notizen, die sie am nächsten Morgen abtippt. "Wenn ich schrieb", erzählt Astrid, "war ich für alle Sorgen unerreichbar."

Und davon gibt es einige: Ihr Mann, ihr Bruder, ihr Sohn sterben. All die traurigen Erlebnisse verarbeitet sie in dem Buch "Die Brüder Löwenherz": Als Krümel, ein Zehnjähriger, erfährt, dass er bald sterben muss, weint er bitterlich. Er fürchtet sich davor, tot in der Erde zu liegen. Nur sein Bruder Jonathan kann ihn trösten: "Was da liegt, ist doch nur so etwas wie eine Schale von dir. Du selber fliegst ganz woanders hin."

1981 vollendet Astrid Lindgren mit "Ronja Räubertochter" das letzte ihrer Kinderbücher. Am 28. Januar 2002 stirbt sie. Doch Astrid, die niemals hat erwachsen werden wollen, lebt in den Kindern ihrer Geschichten weiter. In "Karlsson", "Michel", "Madita" – und in "Pippi".

Gewinnspiel

Wir verlosten zum 100. Geburtstag von Astrid Lindgren ihr erstes und bekanntestes Werk: "Pippi Langstrumpf". Ihr konntet je zweimal das Buch "Pippi Langstrumpf" und "Pippi Langstrumpf geht an Bord", erschienen im Öttinger Verlag, gewinnen. Gewonnen haben: Alma Reichert aus Buxtehude, Jeffrey Sczyrba aus München, Marianne Unkelbach aus Kaarst und Anton Gorbunov aus Karlsruhe!

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