Schuluniform: So geht's modisch

Schuluniformen werden in Deutschland bislang abgelehnt. Aber wie wäre es mit „Schulkleidung“? Eine junge Designerin hat bunte Einheitsmode für Grundschüler entworfen

Die junge Modedesignerin Anja Boning wollte auf Nummer sicher gehen. Bevor sie für ihre Diplomarbeit an der Fachhochschule Hannover zu Stift und Papier griff, um Schulkleidung für Grundschüler zu entwerfen, schickte sie 600 Fragebögen los. Sie wollte wissen, ob Kinder, Lehrer und Eltern für oder gegen Schulkleidung sind. Das Ergebnis war überraschend: 70 Prozent der Eltern und 50 Prozent der Kinder sind für Schulkleidung. Aber auch von den Lehrern gab es viel Zustimmung.

Schulkleidung verdeckt die Unterschiede zwischen armen und reichen Kindern

In vielen Ländern sind Schuluniformen schon seit Jahrzehnten Pflicht. Aber nicht in Deutschland. Die Befürworter meinen, einheitliche Schulkleidung verringere die Kluft zwischen armen und reichen Familien. Es würde dann keine Rolle mehr spielen, ob jemand in teuren Markenklamotten herumläuft oder in billiger Ware. Schüler könnten sich besser auf den Unterricht konzentrieren statt neidisch auf den durchgestylten Klassenkameraden zu schielen. Wenn alle in ähnlicher Kleidung herumliefen, brauche kein Kind mehr unsicher sein, ob es akzeptabel angezogen ist, meint auch die Nachwuchsdesignerin Anja Boning.

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Doch es gibt auch Argumente, die gegen eine einheitliche Schulkleidung sprechen. Schulkleidungsvorschriften widersprechen nämlich dem deutschen Grundgesetz. Das garantiert in Artikel 2 jedem Bürger "das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit" –auch Schülern. Außerdem, so sagen Kritiker, stünde Schulkleidung in Kontrast zur „zivilen“ Kleidung der Lehrer und unterstreiche damit, dass Lehrer „oben“ seien und Schüler „unten“.

Statt Schuluniformen - verspielte, bequeme Schulkleidung

Modedesignerin Anja Boning hat versucht, bei ihren Entwürfen alle Argumente zu berücksichtigen. So sind keine langweiligen Schuluniformen entstanden, sondern eine Anzahl von Kleidungsstücken, die sich beliebig kombinieren lassen, harmloser „Schulkleidung“ genannt: vom weißen Regenmantel über kurze und lange Röcke, Röcke mit und ohne Falten, kurze und lange Hosen, Karottenhosen bis hin zu T-Shirts mit und ohne V-Ausschnitt. Es gibt Farben wie Blau, Grau, Rot und Grün – und eingearbeitete Reflektoren, die die Kleidung der Grundschüler verkehrssicher machen.

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Kürzlich haben Jungen und Mädchen im Grundschulalter die Mode von Anja Boning auf dem Laufsteg vorgeführt. Es gab Riesenapplaus. Und nicht wenige Kinder fragten hinterher, ob sie die Kleidung nicht gleich in der Schule anbehalten dürften.

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