Sport Skicross: Im Freistil durch den Schnee

Spätestens seit Skicross im letzen Jahr zur olympischen Disziplin erklärt wurde, ist die Freestyle-Sportart nicht mehr aus dem Wintersport wegzudenken. Auch in Deutschland wechseln seitdem immer mehr Athleten zu dem spektakulären Sport aus Amerika.
Skicross: Im Freistil durch den Schnee

Die Profis treten am Wochenende beim Weltcup in Grasgehen an

Den Abhang hinunter, um die Kurve, ein langer Sprung und dann hinein in die Wellen… Ein Amateur-Skifahrer müsste sich von jeder einzelnen dieser Übungen zunächst erholen. Marzellus hingegen schießt den Parcours in einer rasenden Geschwindigkeit hinunter. Nur eine knappe Minute dauert so ein Skicross-Rennen. Der 15-jährige Sportler aus dem Allgäu gehört erst seit dieser Saison zum Nachwuchs-Kader Skicross des Bayrischen Skiverbands. Auf Skiern steht er allerdings schon, seit er sechs Jahre alt ist.

Purer Nervenkitzel

Wie viele andere wechselte auch Marzellus vom Abfahrtsski zum Skicross. Dort ist momentan die Konkurrenz noch nicht so groß wie beim Ski Alpin, doch vor allem geht es beim Skicross wesentlich rasanter zu. „Mir gefällt am Skicross vor allem die Abwechslung. Jede Strecke ist ein bisschen anders. Beim Ski Alpin gibt es nur unterschiedliche Läufe, aber beim Skicross sind verschiedene Schanzen dabei, neue Wellen und andere Elemente. Das ist purer Nervenkitzel!“, erzählt Marzellus.

Nervenkitzel nicht nur für den Sportler, auch als Zuschauer kann man die Augen nur schwer von den Energiebündeln lösen, die dort den Parcours hinunterflitzen. Geschmeidig liegen sie in den Kurven, ihre Beine meistern Hügel und Schanzen, als hätten sie eingebaute Sprungfedern.

Was so leicht aussieht, ist in Wirklichkeit harte Arbeit. Marzellus trainiert vier Nachmittage pro Woche. Im Sommer stehen Kraft- und Ausdauertraining auf dem Programm - oder das Team fährt in Gletschergebiete, wo dauerhaft Schnee liegt. So wird er fit für die Wettbewerbe, die an den Wochenenden anstehen.

Wettkampf im K.O.-System

Die Wettkampf-Regeln im Skicross sind einfach. Vor dem Rennen fährt jeder Athlet den Parcours einmal allein durch. Dabei muss er eine bestimmte Zeit schaffen, um sich überhaupt zu qualifizieren. Im Rennen treten dann jeweils vier Läufer gegeneinander an. Nur die zwei besten kommen eine Runde weiter, bis nach dem Finale mit den vier schnellsten Läufern die Platzierung feststeht. „Für diesen Sport ist Kraft besonders wichtig“, erklärt Marzellus. „Und ein bisschen Mut gehört wohl auch dazu.“

Skicross: Im Freistil durch den Schnee

Nachwuchs-Talent Marzellus Renn

Die Portion Mut darf gern ein bisschen größer sein, denn auf dem Weg zur Ziellinie ist des Öfteren Ellenbogen-Einsatz gefragt. Ob am Boden oder in der Luft: Wenn alle Fahrer im selben Moment versuchen, den besten Winkel einer Kurve zu erwischen, kommt es schnell zum Zusammenstoß. Nicht irritieren lassen, heißt es dann, denn außer die Konkurrenten absichtlich festzuhalten, ist auf dem Parcours alles erlaubt. Ein Helm und ein spezieller Rückenschutz sind für alle Athleten Pflicht. Wer die nicht braucht, sondern den anderen davonfährt, hat jedoch die besten Chancen auf den Sieg.

Skicross-Weltcup in Deutschland

Davon träumt Marzellus noch, doch bei einem Rennen der Junioren Mitte Januar in Grasgehren hat er immerhin schon den vierten Platz belegt. An diesem Wochenende reisen nun die Profis des Skicross an den kleinen Ort im bayrischen Voralpenland, denn zum ersten Mal findet ein Weltcup-Rennen in Deutschland statt. Dafür ist Marzellus noch zu jung, aber er wird auf jeden Fall hinfahren und zugucken. Wer nicht wie Marzellus um die Ecke wohnt, sich das Spektakel aber trotzdem nicht entgehen lassen will, der kann den Weltcup am Samstag live im ZDF verfolgen.

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