Entdecker Wie das Meer entdeckt wurde

Heute finden wir auf Weltkarten alle Meere eingezeichnet. Doch um dieses Wissen zu haben, musste das Meer erst entdeckt werden. Wer die größten Meeresentdecker waren, welche Gefahren sie sich stellen mussten und was es heute noch zu erforschen gibt, lest hier
In diesem Artikel
Die ersten Meeresentdecker: Afrikaner
Seeweg nach Indien gesucht
Stets nach Westen
Ab in die Tiefe
Wie das Meer entdeckt wurde

Unentdeckte Welten ahoi!

Die ersten Meeresentdecker: Afrikaner

Wenn wir ganz weit in die Geschichte zurückblicken, nämlich gut 1,8 Millionen Jahre, treffen wir auf die ersten Meeresentdecker. Unsere menschlichen Vorfahren lebten im Osten Afrikas. Im Laufe der Zeit haben sie ihre Gegend immer weiter erkundet. Doch was trieb sie hinaus in die unbekannte See?

Auf diese Frage haben Kerstin Viering und Roland Knauer eine Antwort, denn sie schrieben ein Buch über Entdecker: "In den Hinterköpfen der Menschen bohrte wahrscheinlich immer die Frage, was denn hinter dem Horizont liegt, ob es nicht noch andere Landstriche und andere Küsten gibt, als die bekannten."

Um die Gebiete zu erkunden, bauten sich die Frühmenschen vermutlich einfache Flösse aus Baumstämmen oder Bambus. Was diese Menschen allerdings auf ihren Touren übers Wasser erlebten, werden wir nie erfahren

Erst aus der Antike liegen Überlieferungen vor, in denen Meeresentdecker von ihren Fahrten berichten. Ein bekannter Abenteurer hieß Hanno der Seefahrer. 470 vor Christus brach er von Karthago, einer Stadt in Nordafrika, zu einer Fahrt um die Küste Afrikas auf.

So manch Unbekanntes sah er: Er kam an einen Fluss "der groß und breit war und von Krokodilen und Flusspferden nur so wimmelte", wie er schrieb. Außerdem passierte Hanno der Seefahrer ein Land, "das von Feuer durchglüht und voll von Rauch war. Riesige Feuerbäche stürzten aus ihm ins Meer. Den Boden aber konnte man vor Hitze nicht betreten."

Am Tag konnten die Seemänner erkennen, dass das Feuer aus einem Berg kam. Sie beobachteten also einen Vulkanausbruch. Solch große Expeditionen fanden in der Antike nicht zu oft statt.

Seeweg nach Indien gesucht

Wirklich viel Betrieb auf dem Meer herrschte erst im 15. Jahrhundert. Ein ganzer Entdeckertourismus brach zu der Zeit aus. Denn die Welt war damals noch immer nicht vollständig bekannt.

Aber die Menschen – insbesondere die Spanier und Portugiesen - rätselten beispielsweise, ob es nicht einen Seeweg von Europa nach Indien gäbe, der ihnen Vorteile beim Handel bringe. Um tatsächlich zu wissen, ob an der Küste Afrikas ein Wasserweg lang führt, stießen sie mit viel Ungewissheit in neues Gebiet vor.

Nicht immer erfolgreich: Einige Entdecker scheiterten an dem wilden Wasser oder knapp werdenden Vorräten. "Eines der Probleme steckte auch in den Köpfen der Seeleute", sagt Kerstin Viering: "Unter den Mannschaften kursierten allerlei fantastische Gerüchte. So hieß es zum Beispiel, dass sich jenseits des berüchtigten "Kap des Schreckens" an der afrikanischen Westküste die Hölle auftat.

Das Meer sollte dort kochen und die Sonne so heiß vom Himmel brennen, dass sich die Haut der Menschen schwarz färbte. Wer wollte da schon hin segeln? Solche abergläubischen Ängste ihrer Untergebenen machte den damaligen Kapitänen ihre Arbeit natürlich nicht gerade leichter." Daher brachen manche Kapitäne die Reise ab und kamen lieber ohne Ruhm in die Heimat zurück.

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Stets nach Westen

Dem Portugiesen Vasco da Gama (1469-1524) gelang es 1498 den Seeweg nach Indien um Afrika herum zu finden. Bei seiner Rückkehr in Lissabon wurde er groß gefeiert. Doch auch seine Fahrt verlief nicht sorgenfrei: 100 von 160 Männern soll Vasco da Gama auf der Fahrt an Skorbut verloren haben.

Skorbut war eine der schlimmsten Seefahrerkrankheiten", erklärt Roland Knauer. "Sie entsteht durch einen Mangel an Vitamin C. Die Verpflegung an Bord bestand nämlich meist nur aus Schiffszwieback, Pökelfleisch und ähnlich vitaminarmer Kost, so dass die Mannschaften oft schon nach wenigen Wochen unter völliger Erschöpfung litten. Die Zähne fielen ihnen aus, sie hatten Fieber, Durchfall und schlecht heilende Wunden."

Auch viele andere Seefahrer hatten mit der Krankheit und knapp werdenden Vorräten zu kämpfen. So ist es auch von Kolumbus Entdeckertouren überliefert. Christoph Kolumbus (1451-1506) war ein Seemann aus Genua, der herausfinden wollte, ob es einen Seeweg nach Indien gäbe, wenn man immer gen Westen und nicht an der gefährlichen Küste Afrikas entlang segeln würde.

Kolumbus erreichte nach einiger Zeit auf dem Wasser zwar Land, aber das stellte sich nicht als Indien, sondern als Inseln vor der Küste Amerikas heraus. Doch das erfuhr er selbst nie, er blieb stets im Glauben, in Indien gewesen zu sein.

Der erste Weltumsegler

Wie das Meer entdeckt wurde

Der Kompass weist den Weg

Tatsächlich schaffte erst der Portugiese Ferdinand Magellan (1480-1521) die Entdeckung eines Seeweges nach Indien an der südamerikanischen Küste entlang. Einige Zeit nachdem er um die Südspitze herumfuhr – das Gebiet heißt heute nach ihm Magellanstraße – erreichte er nach der Fahrt durch den Pazifik die Philippinen.

Die Gegend war ihm vertraut. Denn dort war er bereits bei einer anderen Fahrt gewesen. "Mit seiner Tour hatte er auch gleich noch bewiesen, dass die Erde eine Kugel ist", sagt Roland Knauer. "Die Rückkehr von seiner Weltumseglung in die Heimat erlebte er allerdings nicht. Er wurde auf den Philippinen von Einheimischen getötet." Doch der Eintrag in die Geschichtsbücher als erster Weltumsegler gilt ihm.

Ab in die Tiefe

Und wie schaut die Situation heute aus? Wir müssen ja lediglich auf eine Weltkarte schauen, um alle Gewässer auf einen Blick zu sehen. Gibt es überhaupt noch Möglichkeiten auf diesem Gebiet berühmt zu werden? "Das Meer bietet noch immer genug Arbeit für Generationen von Entdeckern", ist sich Kerstin Viering sicher.

"Meeresforscher sagen gern, dass man mehr über die Rückseite des Mondes wisse, als über die Ozeane auf der Erde. Biologen können nur ahnen, welche Vielfalt an geheimnisvollen und faszinierenden Wesen sich unter der Wasseroberfläche verbirgt. Auf jedes bekannte Meerestier kommen Tausende, die noch niemand gesehen hat. Vor allem die Tiefsee ist noch voller Rätsel", sagt sie.

So berühmt zu werden, wie Kolumbus oder Magellan, sei allerdings schwer, gibt Roland Knauer zu bedenken: Technisch aufwendig seien die Vorhaben, viel Geld benötige man. "Um Neues über das Meer und die Erde zu erfahren, müssen heute normalerweise viele Wissenschaftler zusammenarbeiten – die Zeit der Einzelkämpfer und Entdeckungsstars ist wohl so ziemlich vorbei."

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