Fastfood Burger ohne Heimat

"Na klar, der Hamburger kommt aus Hamburg", werdet ihr sagen. So klar ist das aber gar nicht. Vier verschiedene Orte auf dem deutschen und dem nordamerikanischen Kontinent streiten sich darum, Geburtsort des beliebten Fastfood-Gerichts zu sein. Welcher ihrer Geschichten glaubt ihr am ehesten?
In diesem Artikel
1. Geschichte: Bloß kein Ketchup!
2. Geschichte: Klapp-Burger auf hoher See
3. Geschichte: Ein Geschenk aus New York
4. Geschichte: Old Dave's Hamburger Stand

Ein helles Brötchen, eine saftige Frikadelle, ein knackiges Blatt Salat und eine große Portion Ketchup - fertig ist der klassische Hamburger! Manche Schätzungen gehen davon aus, dass ein durchschnittlicher Amerikaner jährlich 150 Stück verdrückt, also rund drei in der Woche. Hochgerechnet auf alle Einwohner der USA macht das pro Jahr etwa 45 Milliarden Burger! Wie der ursprüngliche Hamburger wirklich aussah, wann er auftauchte und ob er aus Deutschland oder doch aus Amerika stammt, darüber streiten sich jedoch die Experten. Ganze vier Orte nennen sich die "Heimat des Hamburgers".

350481d59f4777f0f25698757f5af9a3

Ein saftiger Hamburger. Aber wer hat ihn erfunden?

1. Geschichte: Bloß kein Ketchup!

Über ganz Amerika ist die Imbissbude "Louis' Lunch" in New Haven an der Ostküste der Vereinigten Staaten bekannt. Ihr deutschstämmiger Besitzer Louis Lassen soll dort einem Gast im Jahr 1900 den allerersten Hamburger serviert haben. Der Reisende hatte es sehr eilig und keine Zeit, sich zum Essen in Louis Imbiss zu setzen. Also bereitete der Wirt aus nicht verkauften Steaks schnell eine Frikadelle zu, klemmte sie mit Käse, Zwiebeln und Tomaten zwischen zwei Toastscheiben und gab sie seinem Gast mit auf den Weg. Der war begeistert!

Jeff Lassen, der Urgroßenkel von Louis und heutige Besitzer der Imbissbude, wehrt sich standhaft gegen jeden, der ihm eine andere Geschichte über die Erfindung des Hamburgers erzählen will. Für ihn ist der Burger ohne Zweifel Teil seiner Familiengeschichte. Aus diesem Grund werden die Hamburger auch heute noch wie im Jahr 1900 in Louis' Lunch serviert. Mit Toast, Frikadelle, Zwiebeln, Käse und Tomaten. Wer dort hingegen nach Ketchup fragt, wird strafend angesehen, denn den gab es bei Louis vor 100 Jahren auch noch nicht.

2. Geschichte: Klapp-Burger auf hoher See

Im 18. Jahrhundert lebten in Europa viele enttäuschte Menschen, die keine Arbeit fanden, oft hungern mussten und von einem besseren Leben in der neuen Welt träumten. Neue Welt - so nannten die Menschen damals den amerikanischen Kontinent im Gegensatz zu der alten, bekannten Welt mit Europa, Asien und Afrika. Über Jahrzehnte siedelten Millionen von Europäer nach Amerika über, um dort ein neues Leben beginnen. Jeder Auswanderer, der aus Nordeuropa ausreiste, musste dafür den Hamburger Hafen passieren. Er gehörte schon im 18. Jahrhundert zu den größten Häfen Europas. Jeden Tag liefen dort Schiffe aus alle Welt ein und aus um Waren und Menschen in die Ferne zu transportierten.

Die Verpflegung auf den häufig hoffnungslos überfüllten Schiffen war oft karg und reichte kaum für alle Passagiere aus. Meist gab es das, was im letzten Hafen aufgeladen worden war, und so kamen die Amerika-Reisenden in den Genuss der Hamburger Hausmannskost, zu der auch das Gericht "Rundstück warm" zählt, das ihr noch heute in Hamburgs Restaurants finden könnt. Dafür wird ein Stück Schweinebraten auf zwei Brötchenhälften gelegt und mit Soße übergossen. Ganz schön unpraktisch auf einem wankenden Schiff, das sich durch die tobenden Wellen des Nordatlantiks kämpft! Deshalb wurde das "Rundstück warm" auf den Überfahrten einfach zusammengeklappt, um es aus der Hand essen zu können. Ganz klar also: Der Hamburger ist eine Idee von ein paar waschechten Hamburger Jungs auf hoher See!

3. Geschichte: Ein Geschenk aus New York

Viel Mühe haben sich die Amerikaner bei der Namensfindung für ihre Ortschaften wirklich nicht gegeben! Die riesige Stadt New York an der amerikanischen Ostküste liegt im gleichnamigen Bundesstaat New York. In diesem Staat liegt wiederum der Ort Hamburg, der nach der norddeutschen Großstadt Hamburg benannt wurde. 1874 wurde er von deutschen Auswanderern gegründet und ist auf der amerikanischen Landkarte kein Ausnahmefall. Allein in den USA lassen sich 18 kleinere und größere Städte mit dem Namen Hamburg finden. Sie alle wurden vermutlich irgendwann einmal nach der norddeutschen Großstadt benannt.

Der kleine Ort im Bundesstaat New York jedoch wirbt mit dem Spruch: "New Yorks Geschenk an die Küchen der Welt - der Hamburger!" Im Jahr 1885 besuchten die Brüder Frank und Charles Menches aus Ohio mit ihrer fahrenden Imbissbude einem Jahrmarkt im amerikanischen Hamburg. Zu ihren Spezialitäten gehörte das "Hot Pork" - heißer Schweinebraten. Eines Tages, so wird es erzählt, ging ihnen das Schweinefleisch aus und sie ersetzten den Braten kurzerhand durch Rindfleisch. Ihrer neuen Kreation gaben sie den Namen des Ortes, in dem der Markt stattfand: Hamburg.

4. Geschichte: Old Dave's Hamburger Stand

Fast überall auf der Welt könnt ihr inzwischen Restaurants der Fastfood-Kette McDonalds finden. Das Unternehmen besitzt in den Vereinigten Staaten sogar ein eigenes Forschungs- und Fortbildungszentrum, in dem die Mitarbeiter für ihre Jobs rund um Burger, Pommes und Softeis geschult werden. Das Zentrum heißt "Hamburger University" und hat ausnahmsweise einmal nichts mit der deutschen Stadt zu tun. Natürlich wollten die ersten Mitglieder der Burger-Uni in den 1960er Jahren herausfinden, wo genau der Geburtsort des Gerichtes liegt, der ihrer Schule den Namen gab. Bei ihrer Suche stießen sie auf Bericht in der amerikanischen Zeitung "New York Tribune", die 1904 von der Weltausstellung in den USA berichtete. Bei dieser internationalen Ausstellung präsentieren alle Länder ihre Kultur und ihre neuesten Erfindungen. Die Journalisten lobten besonders ein neues Gericht namens Hamburger, das dort angeboten wurde, nämlich Hacksteak zwischen zwei Scheiben Brot mit Senf, Gurke und Zwiebeln.

Fletcher Davis, der Hersteller dieser leckeren Burger, war eigentlich Töpfer und zog in den 1880er Jahren in die kleine Stadt Athens in Texas, um dort in der Töpferei Miller zu arbeiten. Den Einwohnern des Ortes schmeckten seine selbst erfundenen Hamburger so gut, dass sie für Flechter Geld sammelten, um ihn zur Weltausstellung schicken zu können. Dort verkaufte Davis seine Burger aus einem Wagen, der Millers altem Vater Dave gehörte und deshalb die Aufschrift "Old Dave's Hamburger Stand" trug. So kam es, dass der 25-jährige Flechter "Old Dave" Davis aus Texas als Erfinder des Hamburgers in die Geschichte einging.

Welche der Geschichte hat euch überzeugt? Steckt vielleicht in jeder von ihnen ein Fünkchen Wahrheit? Egal, für welche Version ihr euch entscheidet, probiert doch einmal, die verschiedenen Ursprungs-Hamburger nachzumachen! Nicht ohne Grund gehört der Hamburger zum so genannten Fastfood - er ist schnell zubereitet und mit frischen Zutaten obendrein noch gesund und besonders lecker!

GEOlino-Newsletter