Für die Rechte der Frauen

Am 8. März ist Weltfrauentag. Wir erzählen euch, warum es diesen Tag gibt und was Frauen aus aller Welt für ihre Anerkennung getan haben
In diesem Artikel
Frauen weltweit
Die neue Bewegung

Frauen weltweit

Frauen erlebten in der Geschichte der Menschheit viel Unterdrückung und Benachteiligung. Bis heute gelten für sie in einigen Ländern andere Rechte als für Männer – vor allem dort, wo Religion eine große Rolle spielt. So gelten Frauen an manchen Orten als Eigentum des Mannes und müssen sich in der Öffentlichkeit sogar mit Tüchern verhüllen. Nur ihr Ehemann darf sie unverhüllt sehen. Auch in Deutschland war es Frauen bis vor wenigen Jahrzehnten nicht erlaubt, ohne die Begleitung des Ehemanns Auto zu fahren, zu wählen oder sogar zu arbeiten. Alle Menschen- und Bürgerrechte verfasste man früher unter einem anderen Gesellschafts- und Rollenverständnis: Frauen hatten sich um die Familie und den Haushalt zu kümmern, während Männer arbeiteten. Politisch hatten sie erst recht nichts zu sagen. Damit eine Gleichberechtigung entstehen konnte, die wir in Deutschland heute kennen, mussten die Frauen kämpfen.

Dieser Kampf für erweiterte Rechte der Frauen begann schon vor vielen Jahren, im frühen 18. Jahrhundert in den USA und Frankreich. Menschen, die sich eine gleichwertige Behandlung der Geschlechter wünschten, bezeichnete man damals als "Frauenrechtler". Der Begriff ist bis heute gebräuchlich. Eine „emanzipierte Frau“ beschrieb wiederum das Ideal einer Frau, die befreit von jeglichen Einschränkungen in die Gesellschaft integriert war. Gegeben hat es sie in der Realität aber nicht.

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Der Weltfrauentag ist in manchen Ländern sogar ein gesetzlicher Feiertag. Dieses Mädchen feierte ihn vergangenes Jahr in Italien zum ersten Mal

Frauenbewegung in Deutschland

Vieles hat sich in den letzten 200 Jahren getan, auch in Deutschland. Wichtig zu nennen ist da der 1894 gegründete "Bund deutscher Frauenvereine", der insgesamt eine halbe Million Mitglieder, männliche wie auch weibliche, verzeichnete. Zur Gründungszeit beschränkte sich ihr Wunsch auf Bildungsrechte und politische Ansprüche der Frauen in diesem Land. Dass "sie" zu Hause bleibt, während "er" arbeitet, war hingegen für niemanden ein Problem. Die Arbeits- und Rollenverteilung von Mann und Frau wurde erst nach 1900 diskutiert. Vorkämpferinnen wie Hedwig Bohm (1833-1919) griffen den Punkt zwar früher auf, konnten sich gegen die Mehrheit der traditionell Denkenden aber nicht durchsetzen.

Der erste Weltfrauentag

Einen Meilenstein in der Geschichte der Frauenbewegung setze Clara Zetkin (1857-1933) mit der ersten deutschen Frauenzeitschrift "Die Gleichheit", die erstmals 1892 erschien. Zetkin war es auch, die 20 Jahre später einen internationalen Frauentag in Deutschland vorschlug. Sie nahm sich ein Beispiel an dem amerikanischen Gedenktag. Die Frauenbewegung selbst war zu diesem Zeitpunkt in aller Munde. Die politisch engagierten Frauenrechtler versuchten verstärkt die Unabhängigkeit der Frauen durchzusetzen. Und so sorgte 1911 auch der erste internationale Frauentag in Deutschland, Österreich und der Schweiz für Aufmerksamkeit. Die Verurteilung der Aktivistin Rosa Luxemburg (1871-1919) für ihr Engagement in politischen Diskussionen, drei Jahre später, erweiterte die Bedeutung des Tages: Er ist nicht mehr nur eine wichtige Kundgebung für die Frauenrechte, sondern auch ein Bekenntnis für den Frieden. Der heutige Name "Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden" war entstanden.

Die neue Bewegung

Weitere Erfolge in Sachen Frauenbewegung unterband dann aber der Nationalsozialismus ab 1933. Alle Frauenorganisationen wurden aufgelöst und das gewonnene Wahlrecht wieder abgeschafft. Die allgemeine Idee dieser Zeit war wieder, den Frauen die Rolle der Mutter und gehorsamen Ehefrau anzuheften. Die bisherigen Siege im Kampf um ihre Rechte waren zunichte gemacht.

Arbeiten mussten sie trotzdem, denn da die Männer als Soldaten kämpften, fehlte es im Land an Arbeitskräften. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich daran nichts – ganz im Gegenteil: Die so genannten "Trümmerfrauen" leisteten Schwerstarbeit, um das Land wieder aufzubauen. Das neu gewonnene Selbstbewusstsein gab ihnen Mut, neue Vereine zu gründen und sich politisch wieder miteinzubringen. 1949 war es dann geschafft: Laut dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland "sind Männer und Frauen gleichberechtigt".

Nach der Teilung Deutschlands in Ost und West im Jahre 1949 nahm die Frauenbewegung weitere Formen an: In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gehörten arbeitende Frauen zum Alltag. In der Bundesrepublik (BRD) nicht. Viele Angelegenheiten sollte immer noch der Mann für seine Ehefrau entscheiden. Frauen sehnten sich wieder nach Freiheit und starteten neue Kampagnen. Die Einführung der "Anti-Baby-Pille" in den USA in den 1960er Jahren galt als Ansporn.

Also starteten auch die deutschen Frauen 1968 eine neue Bewegung. Es bildete sich ein "Aktionsrat zur Befreiung der Frauen" und ein "Weiberrat". Besonders Alice Schwarzer (geboren 1942) begeisterte tausende Frauen, als sie sich 1971 in Zusammenarbeit mit dem "Stern" an ein großes Thema der Frauenbewegung wagte: "Ich habe abgetrieben" hieß die Titelgeschichte des Magazins. Der Paragraph 218, der Abtreibung im Falle einer ungewollten Schwangerschaft strikt verbot und zeitweise sogar mit der Todesstrafe verband, löste bereits im Vorfeld große Proteste aus. Frauen verlangten nun ein Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Schwarzers Kampagne und die seitdem erscheinende Zeitschrift für Frauen mit dem Namen „Emma“ gab ihnen Unterstützung und Rat. Es folgten weitere Frauen, mehr Proteste und große Märsche in den wichtigsten Städten Deutschlands.

Die Frauenbewegung breitete sich auf internationaler Ebene immer stärker aus und begann gemeinschaftlich zu protestieren: In den USA sowie in Deutschland erschienen weitere eigenständige Frauenmagazine und es gründeten sich neue Vereine. Die Frauen erlangten immer mehr Selbstvertrauen und Mut und blieben bis heute diesem Standpunkt treu.

Frauen heute

Doch auch dieser Tage gibt es Gründe, um weiterzukämpfen. Auch wenn in Deutschland und ähnlich weit entwickelten Ländern schon viel Ansehen errungen werden konnte, bleibt Unrecht und Benachteiligung für die Frauen Alltag: Gerade im Berufsleben setzen sich Frauenrechtler daher mit Eifer für die Gleichberechtigung ein. Sie fordern dieselben Chancen in allen Lebensbereichen – zum Beispiel in Chefetagen und traditionell männlichen Berufen.

In anderen Ländern ist es hingegen erschreckend anders: Mancherorts befindet sich die Frauenbewegung erst in den Anfängen. Deshalb erinnert der Weltfrauentag nicht nur an die bisherigen Erfolge in modernen Ländern, sondern richtet den Blick auch auf solche. Gerade in vielen afrikanischen und asiatischen Ländern sind Frauen noch immer dem Mann untergeordnet. Entscheidungen werden ausschließlich von ihm gefällt. Eigene Rechte oder Meinungen dürfen die Frauen schon gar nicht haben. Hoffnung geben hingegen Länder wie die Türkei, wo sich in den vergangenen Jahren ein moderneres Rollenverständnis ausbreiten konnte. Die Frauenbewegung ist in vollem Gange und entwickelt sich weiter.

Der Weltfrauentag ist also als Gedenktag geschaffen, um an den bisherigen Erfolg anzuknüpfen. Er soll die Ziele der Frauenbewegung bekannt machen und sie international neu aufgreifen. Ein neues Verständnis zur Rolle der Frau – wie Deutschland, die USA und viele europäische Länder es weitesgehend pflegen – braucht die ganze Welt. Damit in naher Zukunft weltweit Mann und Frau die gleichen Rechte haben.

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