Interview: Eva Dax Die Insekten-Flüsterin

GEOmini-Leser lieben ihre Geschichten - zwei Bücher mit den Abenteuern der drei Freunde Georg (Grashüpfer), Mo (Mistkäfer) und Belle (Libelle) hat sie bereits verfasst. Für jedes "GEOmini Entdecker" denkt sie sich eine neue Episode aus, auch für das gerade erschienen Heft, in dem sich alles um Katzen dreht. Wir haben mit Autorin Eva Dax über ihre Figuren gesprochen – und wo sie die vielen Insekten herbekommt.
Eva Dax

Eva Dax

Sie sind die Autorin der Georg-Geschichten und haben sich auch Mo und Belle ausgedacht. Wer von den dreien ähnelt Ihnen denn am meisten? 

Eva Dax: Oh, schwierige Frage. Mo wirkt ja immer etwas schroff, hat aber ein goldenes Herz und hängt an seiner Heimat. Ich komme ja aus dem Münsterland, vom Land, wo die Menschen auch oft etwas kantiger sind. Das mag ich. Außerdem finde ich es schön, Zeit zum Nichtstun zu haben – genau wie Mo. Aber manchmal kann ich auch ehrgeizig sein – wie Belle. Und meistens bin ich auch eher gut gelaunt – wie Georg.
 

Wie muss man sich das vorstellen, wenn Sie eine Georg-Geschichte schreiben? Sitzen Sie im Garten, schauen auf einen Weiher und beobachten Bienen und Käfer?

(lacht) Fast. Meistens schaue ich ja auf den Rechner. Mit dem sitze ich an einem alten Holztisch am Fenster – mit Blick auf unseren Garten, der immer sehr wild aussieht. Einen Weiher gibt es nicht, nur einen kleinen Tümpel, in dem ein paar Molche hausen. Aber natürlich gibt es jede Menge Insekten: Mistkäfer, Libellen, Grashüpfer – alles da.
 

Wann schafft es ein Insekt in eine Geschichte?

Das ist unterschiedlich. Ich muss ja immer ein Insekt finden, das gut zu dem bereisten Land passt. Eines, das tatsächlich dort lebt. Als ich zum Beispiel für die Sansibar-Geschichte recherchiert habe, bin ich irgendwann auf den Sternotomis Bohemani gestoßen. Einen Kaffeebock-Käfer mit wunderschönen – fast schon stylischen – gelb-blau gemusterten Flügeln. Super! Der sah auch in echt schon so aus als sei er so ein cooler Aussteiger-Surfer-Typ. Das sind Momente, wo ich laut jubelnd vor meinem Rechner sitze.
 

Und welche Länder wählen Sie aus?

Die Kombination von Land, Abenteuer und Insekt muss stimmen. Eine Stadt wie New York zum Beispiel – die verträgt auch eine Kakerlake als Hauptfigur. Was ja ein spannendes Insekt ist: Es wuselt nervös herum, es scheut das Licht: Dieses Verhalten bot sich an für eine Geschichte über jemanden, der sehr ängstlich ist. Der vor lauter Angst nicht mehr vor die Tür geht. Mir gefiel also auch das Thema – das passte gut zur Kakerlake. Und die wiederum gibt es in New York zu Hauf. In vielen anderen Ländern würde ich keine Kakerlake als Hauptfigur wählen, das könnte schnell geringschätzend wirken. Aber New York verträgt das.  

Haben Sie eine persönliche Lieblingsgeschichte?

Ich mag „Keine Spur von Miss Katie Pillar“ aus Band 1 sehr gerne, die in England spielt. Diese Geschichte ist als typisch britischer Krimi angelegt – mit Nebel und Moor und Auflösung im Kaminzimmer. Außerdem gibt es einen adligen Marienkäfer namens „Lady Bug“ (das englische Wort für Marienkäfer) und eine Libelle namens „Sir Dragon Fly“ (das englische Wort für Libelle).
 

Georg und seine sagenhaften Reisen

"Georg und seine fabelhaften Reisen" und "Georg und seine sagenhaften Reisen", Oetinger, jeweils 14,99 Euro

Sie wählen häufig etwas auffällige Namen: "Luigi Bomba" für eine italienische Steinhummel, "Gordo Gusano Reposado Mezcal" für eine mexikanische Raupe, "Escolo Pendra" für einen malenden Tausendfüßler, der an Salvador Dali erinnert.

Stimmt. Am Anfang habe ich mal sehr lange nach einem Namen für den Anführer eines italienischen Hornissen-Clans gesucht. Bis mir der Google-Übersetzer das italienische Wort für Hornisse verriet: "Calabrone!". Mein Gangster-Boss hieß somit "Al Calabrone" - was ja fast so klingt wie Al Capone. Seitdem macht mir die Namensgebung immer großen Spaß, weil ich gerne eine zusätzliche Bedeutung hineingeheimnisse. Oft sind es auch einfach die Insektenbezeichnungen in der jeweiligen Landessprache: "Bomba" zum Beispiel heißt "Hummel".
 

In Ihren Geschichten kommen auch sehr häufig Akzente und Dialekte vor. Warum?

Weil ich es lustig finde. Und die Kinder auch, glaube ich. Die mögen das, wenn Mama und Papa beim Vorlesen plötzlich versuchen müssen, Bayrisch zu sprechen. Ich mag aber auch persönlich Dialekte und Akzente und ich finde, dass sie in einem Buch übers Reisen unbedingt dazugehören!
 

Wo haben Sie Georg, Mo und Belle als Letztes hingeschickt?

Zu kleinen und großen Katzen. Im neuen "GEOmini Entdecker" dreht sich nämlich alles um das Thema Katzen. Georg, Mo und Belle stoßen am Weiher auf einen Kater, den sie für ziemlich gefährlich halten und gerne vertreiben möchten – aber sie wissen nicht wie. Deshalb müssen sie zunächst noch mehr über diese Tiere herausfinden. Ob der Kater am Ende wirklich gefährlich ist, oder ob es sich vielleicht eher um einen hochstapelnden Schmusekater handelt – das verrate ich natürlich noch nicht…

Info: Wer mehr über Eva Dax erfahren möchte, findet hier aktuelle Termine und Neuigkeiten rund um ihre Bücher auf ihrer Facebook-Seite.

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