Wikinger Leif Eriksson entdeckt die Neue Welt

Fast 500 Jahre vor Christoph Kolumbus brechen Wikinger mit ihrem Anführer Leif Eriksson auf, um sich im Westen auf die Suche nach einem unbekannten Land zu machen
In diesem Artikel
Abenteuer auf See
Angekommen im Paradies
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Leif Eriksson und seine Männer nehmen Abschied von ihrer Heimat in Grönland

Kurs West

Als sich der stattliche Mann erhebt, verstummen alle Gespräche. Nur das kleine Feuer im Langhaus knistert noch leise vor sich hin. "Ich habe eine Entscheidung getroffen", sagt Leif Eriksson schließlich in die Stille hinein. "In fünf Nächten breche ich mit den fähigsten Männern auf. Wir segeln dorthin, wo das unbekannte Land liegen soll, hinter dem Horizont."

Die Frauen und Männer rund ums Feuer sind nicht überrascht. Sie alle haben die Geschichte von Bjarne Herjolfson gehört. Der war mit seinem Segelschiff vollkommen vom Kurs abgekommen, war über das Meer geirrt und hatte dabei einige Tage westlich von Grönland eine bewaldete Küstenlinie erspäht. Welches Land das wohl sein mochte?

Natürlich ist es ihr Anführer Leif, der das herausfinden möchte. Leif ist ein echter Seebär, einer, der den Wind und die Meeresströmungen lesen kann. In seiner Blutbahn, heißt es, fließe Salzwasser. Die Abenteuerlust liegt ohnehin in der Familie.

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Kultur
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Von Insel zu Insel nach Westen

Ab dem Jahr 800 nach Christus machen sich die Wikinger von ihrer skandinavischen Heimat auf, um andere Länder in Europa zu erkunden und zu erobern. Nicht einmal vor dem großen Atlantischen Ozean schrecken sie zurück. Um 870 setzen sie erstmals Fuß auf die „Eisinsel“ – Island. Für manche ist das eine Strafe.

Leifs Großvater etwa landet hier mit seiner Familie, nachdem er aus Norwegen fliehen musste. Vermutlich hatte er einen Mord begangen. Rauflust und Jähzorn vererbt er direkt an seinen Sohn Erik: Auf Island erschlägt dieser im Streit mindestens zwei Männer und wird von dem Thing – dem Rat der Wikingergemeinschaft – von der Insel verbannt.

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Auf dem offenen Meer sind die Seeleute vor allem auf ihre Erfahrung angewiesen. Kompasse gibt es noch nicht

Sein Weg führt ihn weiter bis nach Grönland. Der größte Teil dieser Rieseninsel ist ganzjährig von Gletschern bedeckt, der Küstenstreifen jedoch ist im Sommer grün und fruchtbar. Nach einer kurzen Rückkehr nach Island zieht Erik mit seiner Familie für immer dorthin.

Einige Hundert "Isländer" werden ihm in den folgenden Jahren hinterhersegeln. So wird Grönland zu einem weiteren Außenposten der Wikinger, Brattahlid zu einer wichtigen Siedlung. Es ist der Ort, an dem Leif Eriksson aufwächst und lernt, ein furchtloser Wikinger zu sein.

Aufbruch ins Irgendwo

Leif ist um die 30 Jahre alt, als er seine große Reise ins Ungefähre antritt. Er ist mutig – und schlau. Neugierde treibt ihn an. Höchstwahrscheinlich aber denkt er auch an die Zukunft aller. Die Wikinger sind Viehbauern und brauchen große Weideflächen. Grönland wird ihnen langsam zu eng und zu karg. Zudem wachsen dort nur wenige Bäume.

Sie reichen kaum, um Hütten und Schiffe zu bauen oder genug Feuerholz für die langen Winter zu haben. Der Holzhandel mit dem fernen Norwegen ist umständlich und teuer. Leif will darum so schnell wie möglich aufbrechen und neuen Lebensraum auftun: „Lasst uns das Schiff vorbereiten – und dann stehe Gott uns bei!“

Das Schiff ist eine sogenannte Knorr, etwa 20 Meter lang und sechs Meter breit. Das Segel besteht aus grobem Wollstoff, behandelt mit Tierfett und Birkenpech, was Wasser abweisen soll. Im August des Jahres 1001 geht es vermutlich los.

Es ist eine gute Reisezeit: Die Sonne versinkt kaum hinter dem Horizont, selbst in der Nacht wird es darum nicht dunkel. Fürchten müssen die Seefahrer höchstens Nebel und umhertreibende Eisberge. Im Winter gäbe es hier überhaupt kein Durchkommen.

Abenteuer auf See

Leif segelt zunächst an der Westküste Grönlands entlang nach Norden. Bald aber muss er sich aufs offene Meer hinauswagen. Jetzt wird es ungemütlich an Bord: Hohe Wellen krachen gegen das Schiff. Eiskaltes Salzwasser schwappt über die Reling. Andauernd müssen es die Seeleute wieder herausschöpfen. Oder sie klopfen Eisstücke vom Rumpf des Schiffes.

Die Kleider hängen ihnen dabei nass und kalt an den Leibern. Zum Glück ist der Proviant – getrockneter Fisch und Robbenfleisch – in Fässern und Tierhäuten wasserdicht verpackt. Die Männer schlafen an Deck in Pelzschlafsäcken für je zwei, bibbernd und ängstlich.

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Kompasse gab es zu Zeiten der Wikinger noch nicht. Immerhin wissen sie: Wo die SOnne am Abend steht, ist Westen

So fanden die Wikinger den Weg

Leif Eriksson konnte sich bei seiner Amerikafahrt noch nicht mit einem Kompass orientieren. Also versuchten die Wikinger bei ihren langen Fahrten in der Nähe der Küste zu bleiben. Wagten sie sich aufs offene Meer, war die Sonne ihr wichtigster Wegweiser.

Zudem steht der Polarstern am Nachthimmel ziemlich genau im Norden – auch er ist ein verlässlicher Orientierungspunkt für jeden Seefahrer. Was aber, wenn Wolken und Nebel die Sicht einschränken? Leif Eriksson vertraute wohl am meisten seinem Gespür für den Wind. Aus Nordost bläst er kalt und trocken, aus Südwest eher warm und feucht.

Wikinger: Wilde Horden aus dem Norden
Wikinger
Wilde Horden aus dem Norden
Drei Jahrhunderte lang versetzten die Wikinger ganz Europa in Angst. Mit dem Schwert überfielen sie im Mittelalter Städte, Dörfer und Klöster, raubten deren Schätze und machten sich per Schiff wieder davon. Doch mancher Triumph erwies sich nachträglich als Panne . . .

Nach Tagen auf hoher See entdecken die Segler schließlich Land. Doch – es ist so anders, als sie es sich vorgestellt haben: felsig, vereist, kein Ort zum Leben. Leif und seine Männer fahren daran vorbei, langsam weiter nach Süden.

Sie passieren die heutige kanadische Provinz Labrador und Neufundland, taufen sie „Markland“ – Waldland.

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Auf Vinland gründet Leif Eriksson die erste europäische Siedlung: Leifsbudir

Angekommen im Paradies

Und dann, endlich, erreichen sie einen Flecken Erde, der genau ihren Wünschen entspricht: Saftige Wiesen säumen hier, im heutigen Neufundland, die Küste, fruchtbarer Weidegrund für Tiere. Dahinter erspähen sie Bäume – Tannen, Fichten, Lärchen.

„Lasst uns ankern. Hier haben wir alles, was wir brauchen!“, ruft Leif Eriksson. Er hat Amerika entdeckt, gibt ihm allerdings vorerst einen anderen Namen: „Vinland“, also Weideland.

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Ein Winter in der Neuen Welt

Nun richten sich die Weltenbummler häuslich ein. Sie bauen etwa 15 Meter lange, fensterlose Hütten, bedecken sie mit dicken Grasstücken – als Schutz gegen die Kälte. Denn Leif und die Männer werden in Vinland überwintern. Das ist kein großes Problem. Es gibt viele Tiere, die sie jagen können – Bären, Wölfe, Füchse, Lachse.

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Im heutigen Neufundland bauen sich die Wikinger einfache Behausungen, in denen sie den Winter überstehen

Erst im nächsten Sommer stechen sie wieder in See und reisen ostwärts zurück nach Grönland. Leif hat viel zu berichten. Er selbst wird den Weg in die Neue Welt jedoch nicht noch einmal antreten. Andere Männer und Frauen aus seiner Gemeinschaft tun das sehr wohl. Doch sie errichten keine festen Siedlungen auf Vinland.

Wahrscheinlich geraten die Wikinger und ihre Nachfahren immer wieder mit den Ureinwohnern aneinander. Bald ist das amerikanische Abenteuer für die Wikinger vorüber.

Die nächsten Entdecker um Christoph Kolumbus kommen erst 1492 dort an. Die Spanier reißen sich große Teile des Kontinents unter den Nagel. Da sind die Wikinger dort schon längst vergessen.

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