Der wilde Westen Wie William Cody zu Buffalo Bill wurde

Der Wilde Westen ist sein Zuhause: William Cody jagt als Bote durch die Prärie, schießt massenweise Bisons und kämpft gegen die Indianer. Dann wird er berühmt - als Buffalo Bill. Mit seinen Spektakeln tritt er im 19. Jahrhundert auch in Deutschland auf
Buffalo Bill

Für den Überfall auf die Postkutsche gibt es viel Applaus! Es ist einer der Höhepunkte in den Shows von Buffalo Bill. Tausende Zuschauer verfolgen diese im 19. Jahrhundert in den großen Arenen Deutschlands

Achtung! Indianer!

Allein der Ruf lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Die Postkutsche, das scheint klar, ist verloren: Von allen Seiten preschen die Angreifer heran. Ohrenbetäubendes Geheul schallt durch die Luft. Pfeile fliegen. Ja, manche der wilden Gestalten stürzen sich sogar mit gezücktem Messer auf die Verteidiger! Werden sie den Kutscher und seine Begleiter massakrieren oder sogar skalpieren?

Doch halt! Nun wehren sich die tapferen Cowboys. Mit Gewehren eröffnen sie ihrerseits das Feuer. Einige Minuten wogt der Kampf hin und her – als plötzlich eine elegant gekleidete Figur mit langen Haaren und Spitzbart in die Mitte tritt und die Schießerei entscheidet. Ohne jede Angst nimmt er die Indianer unter Beschuss. Einer nach dem anderen sinkt schreiend zu Boden, bis der Rest die Flucht ergreift!

Cowboy
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Der zehnjährige Henry lebt mit seiner Familie mitten im australischen Busch. GEOlino hat den Jungen besucht

Büffel lassen den Boden erzittern

"Bravo!" Als die Schmerzensschreie ersterben, brandet lauter Applaus auf. Die 5000 Zuschauer in der Arena klatschen begeistert. Denn der Überfall ist kein blutiger Ernst – sondern Teil einer Show, die im Mai 1891 in Dortmund stattfindet. Über Stunden hinweg bekommen die Besucher den Wilden Westen vorgeführt.

Stampfen mächtige Büffel über den Sand, dass der Boden zittert. Reiten Cowboys um die Wette. Verblüffen Meisterschützen wie die hübsche Annie Oakley mit haarsträubenden Kunststücken: Sogar eine brennende Zigarette schießt sie aus dem Mund ihres Mannes!

Doch der unbestrittene Star ist eben dieser elegante Reiter aus dem Postkutschenüberfall: Der legendäre Kundschafter und Bisonjäger Buffalo Bill. Kein Wunder, es ist seine Show, er hat sie mit ihren 200 Darstellern nach Europa gebracht.

Buffalo Bill

Welch ein Gemetzel! In den Jahren 1867 und 1868 versorgt Cody Eisenbahnarbeiter mit Fleisch – und schießt dafür mehr als 4000 Bisons. Jäger wie er sind daran schuld, dass von den Millionen Büffeln, die lange Zeit durch Nordamerika streifen, Ende des 19. Jahrhunderts nur noch wenige Hundert leben

Buffalo Bill erlegt in 1,5 Jahren ganze 4280 Tiere

Tatsächlich kennt kaum jemand den Wilden Westen besser als William Frederick Cody, wie Buffalo Bill eigentlich heißt. Gerade einmal elf Jahre alt ist er, als sein Vater 1857 stirbt und
William für sich selbst sorgen muss.

Es ist die Zeit, als Trecks mit Siedlern in den von Indianern bewohnten Westen der USA ziehen. Arbeiter legen Eisenbahnstrecken durch die Wildnis, und Cowboys treiben riesige Rinderherden durch die Prärie. Alles dort ist wild und rau – wie gemacht für einen abenteuerlustigen Jungen!

William arbeitet als Bote bei der Eisenbahn und heuert als Scout bei der Armee an, um Feindesland auszukundschaften. Er jagt als Postreiter über die Prärie und durch die mächtigen Berge der Rocky Mountains und schießt Büffel, um Eisenbahnarbeiter und die Armee mit Fleisch zu versorgen.

In nur 18 Monaten erlegt er 4280 Tiere. Das bringt ihm den Spitznamen Buffalo Bill ein, Büffel-Bill. Und immer wieder gerät er in Kämpfe gegen Indianer. Seinen Erzählungen nach tötet er den ersten Sioux-Krieger, als er noch nicht einmal 14 ist!

Wissenstest: Wilder Westen
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Was ist eigentlich der Wilde Westen? Womit verdient ein Cowboy sein Geld? Welches Tier sichert das Überleben der Indianer? Testet euer Wissen über den Wilden Westen!

Plötzlich wird William Cody zum Star

Mit Anfang 20 hat William Cody mehr erlebt als andere in zehn Leben. Und doch wäre er wohl einer unter vielen Cowboys geblieben und längst vergessen. Aber dann begegnet er Ned
Buntline. Der Journalist aus New York ist von der wilden Lebensgeschichte des jungen Mannes begeistert. Er veröffentlicht Artikel und Hefte über Buffalo Bill und bringt ein Theaterstück heraus.

Ned Buntline malt Williams Heldentaten in den schillerndsten Farben aus. Vieles ist maßlos übertrieben. Doch Buntline trifft genau den Geschmack der Menschen in den Städten, die sich nach Abenteuern sehnen. Als Buffalo Bill 1876 gegen einen Indianer kämpft und ihn skalpiert, ist er so bekannt wie ein Popstar heute.

Buffalo Bill

William Frederick Cody kämpfte in vielen Schlachten gegen die Indianer. Doch danach ändert er sich. Als Buffalo Bill heuert er sie für seine Shows an und setzt sich für sie ein. Als er 1917 stirbt, betrauern die Sioux den Verlust des "guten Freundes"

Die Zeit des Wilden Westens ist fast vorbei

Die Indianer sind besiegt und müssen auf wertlosen Landstücken leben, den Reservaten. Komfortable Eisenbahnen verbinden Osten und Westen Amerikas, und auch die Zeit der Viehtrecks ist vorbei. Die waghalsigen Cowboys – sie werden nicht mehr gebraucht.

Nun zeigt Buffalo Bill, dass er mehr kann als schießen und reiten. Er nutzt seinen Ruhm, um seine eigene Show aufzuziehen und die Geschichte des Wilden Westens weiterzuerzählen: Er stellt ein riesiges Aufgebot an Tieren und Cowboys zusammen und heuert sogar seine früheren Feinde, die Indianer an. Die sind oft froh, Geld zu verdienen und aus ihren tristen Reservaten herauszukommen. Sogar der legendäre Sioux-Häuptling Sitting Bull lässt sich den neugierigen Besuchern vorführen.

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