Kaffeeproduktion

"Worldmapper": Hunderte verzerrte Karten, erstellt von britischen Wissenschaftlern, zeichnen ein ungewohntes, aber wahres Bild der Erde. Für die Darstellung wurden soziale Kriterien – hier etwa die Kaffeeproduktion – proportional auf die Größe der Länder umgerechnet. Das Prinzip ist einfach: Staaten, die von einer bestimmten Entwicklung besonders betroffen sind, wachsen optisch, andere treten zurück. Kaffee wird in mehr als 60 Ländern der Erde angebaut. Drei davon - Brasilien, Vietnam und Kolumbien - tragen dabei mehr als die Hälfte zur Weltproduktion an Kaffee bei. Ungefähr drei Viertel der Kaffee-Weltproduktion werden in andere Länder exportiert

Die Vereinigten Staaten von Amerika bieten für Kaffee momentan den größten Absatzmarkt: Im Durchschnitt trinkt ein US-Amerikaner den Trunk aus über vier Kilogramm Kaffeebohnen pro Jahr. Und zehn Kilogramm sind es sogar in den nordischen Ländern Europas – Finnland, Island, Norwegen, Schweden und Dänemark! Der durchschnittliche Europäer kommt dagegen "nur" auf einen jährlichen Verbrauch von fünf Kilogramm Kaffeebohnen

In Indien klafft die größte Lücke zwischen der Anzahl von Jungen und Mädchen, die eine Grundschule besuchen: Es sind Zehnmal mehr Jungen als Mädchen. In Zahlen ausgedrückt: rund 8 Millionen weniger Mädchen als Jungen drücken in dem Schwellenland die Grundschulbank. Im westasiatischen Land Jemen sowie in den afrikanischen Staaten Tschad, Benin und Niger – allesamt gehören zu den ärmsten Ländern der Erde – ist die Differenz zwischen dem Anteil der der Jungen und dem der Mädchen, die eine Grundschule besuchen, ebenfalls sehr hoch

Kriegerische Altlasten: Auf der Karte sieht man, wie viele Menschen in den Ländern der Erde durch Landminen verletzt oder getötet wurden. Landminen werden in den Boden verscharrt, aber nicht sehr tief – der Druck eines auf diese Stelle tretenden Menschen bringt sie zum Explodieren. Zwischen 2003 und 2005 detonierten jedes Jahr weltweit rund 7000 Landminen und verletzten oder töteten Menschen. Die meisten Zwischenfälle mit den gefährlichen Minen ereigneten sich im Irak und in Afghanistan (dargestellt durch die zwei hellgrünen Flächen) sowie in Kambodscha (gelb) und in Kolumbien (mintgrün)

Im Jahr 2002, 57 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges, kamen weltweit vermutlich rund 172 000 Menschen durch Kriege ums Leben. Allein ein Viertel davon war in der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika zu beklagen (rot-braune Fläche). Burundi, ein kleiner Staat in Ostafrika, verzeichnete in diesem Jahr relativ gesehen die höchste Rate an Kriegstoten: Auf 1000 Menschen kamen 1,2 Menschen, die durch Kriege ihr Leben verloren. Somalia, Indonesien, Kolumbien, Indien und der Sudan zählten 2002 die meisten Kriegstoten in ihrer Geschichte

Betrachtet man den Ausstoß an Kohlendioxid, verschwindet Afrika fast gänzlich von der Landkarte - Nordamerika und China werden dafür umso stattlicher. Aus Sicht der Worldmapper kein Wunder: Im Jahr 2000 wurden weltweit 23 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen, weit mehr als ein Viertel davon stammte aus Nordamerika. Krasser Kontrast: 0,09 Prozent - weniger als ein Tausendstel - wurden von Zentralafrika aus in die Atmosphäre geblasen. Wie viel des Treibhausgases ausgestoßen wird, hängt vom Lebensstil der Bevölkerung ab und davon, wie die Energie gewonnen wird - über fossile oder erneuerbare - und damit CO2-neutrale - Rohstoffe

Bei dem dramatischen wie traurigen Aspekt der Kindersterblichkeit rücken Indien und Afrika in den Fokus - Europa, Australien und Nordamerika werden fast unsichtbar: Im Jahr 2002 starben weltweit 7,2 Millionen Babys vor ihrem ersten Geburtstag - ein Viertel davon in Indien. In weiteren 22 Regionen der Erde starb eines von zehn lebend geborenen Kindern, alle diese 22 Regionen befinden sich in Afrika

Wo ist Afrika? Westeuropa dagegen erscheint merkwürdig aufgebläht: Wenn wir uns die weltweite Verteilung der veröffentlichten Bücher und Broschüren anschauen, zeichnet sich ein gänzlich anderes Bild: Im Jahr 1999 wurden weltweit ungefähr eine Million Bücher- und Broschürentitel veröffentlicht. Auf den ersten drei Plätzen: Großbritannien, China und Deutschland

Die Karte zeigt die Verteilung der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten auf der Erde. Im Jahr 2004 waren rund 15500 Spezies gefährdet. Dabei lebten, relativ betrachtet, auf den beiden vor der ostafrikanischen Küste gelegenen Inseln Madagaskar und Mauritius die meisten bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Absolut zählt man in Ecuador, Malaysia und den Vereinigten Staaten die höchsten Zahlen vom Aussterben bedrohter Tierarten

Auch diese Karte mutet bizarr an: Sie spiegelt den Besitz von Atomwaffen wider. Mutmaßlich acht Staaten besaßen im Jahr 2002 Kernwaffen: Die Vereinigten Staaten von Amerika, die Russische Föderation, China, das Vereinigte Königreich, Israel, Indien und Pakistan. Dabei verfügen die USA über 240 mal mehr nukleare Waffen als Pakistan

Spielzeug kommt hauptsächlich aus Ostasien – das zeigt die Karte eindrücklich. Dargestellt sind die Spielzeug-Netto-Exporte: Das sind die Mengen an Spielzeug, die in einer Region oder in einem Land produziert und zum Verkauf in andere Länder geliefert werden. Aus diesen Exporten verdient Hongkong (hellgrün), Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China, pro Einwohner ungefähr 100 mal soviel wie China (kräftiges Grün)

Umgekehrtes Bild: Die meisten Spielwaren werden an die USA und an das Vereinigte Königreich Großbritannien geliefert. Spielwaren sind keine überlebensnotwendigen Güter – deshalb ist Einfuhr von Spielwaren ein Wert für die Höhe des verfügbaren Einkommens der Menschen: Zentral- und Ostasien, Afrika und Lateinamerika verschwinden fast gänzlich von der Karte

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