Endlich sicher! Die ganze Familie Alhays, Mutter, Vater und sechs Kinder - sind in Hamburg angekommen. Dort bringt man sie in ein Flüchtlingslager, direkt neben einer Autobahn. Rund 2600 andere Menschen finden hier Schutz. Familie Alhays schläft in einem großen, weißen Zelt. Als der Herbst kommt, wird es darin bitterkalt.

Nur wer einen Bewohnerausweis hat, darf das Flüchtlingslager betreten und bekommt dort etwas zu essen. Massa (11) zeigt ihren Ausweis und den von ihrem kleinen Bruder Zakariya.

Was für ein Glück: Nach den kalten Wochen im Zelt, zieht Familie Alhays in einen beheizten Wohncontainer. Darin stehen acht Betten, ein Tisch, ein paar Stühle – und die GEOlino-Reporter sind herzlich willkommen.

Die Herbstblätter fallen – und die Alhays machen einen Spaziergang. Neben dem Flüchtlingslager gibt es einen Park zum Rennen und Toben. Zakariya (4) hat genug gespielt und ruht sich auf den Schultern von seinem Bruder Ahmad (15) aus.

Ahmad und seine Schwester Hadel (14) fotografieren einen Schnappschuss mit dem Handy. Warum ausgerechnet hier? Die Schrebergärten neben dem Park erinnern sie an ihre Heimat Syrien. Dort hatten sie einen Garten, in dem Orangen und Oliven wuchsen.

Auch im Wohncontainer haben die Alhays ihr Handy ständig im Auge – es ist die einzige Verbindung zu ihren Verwandten. Die sind noch immer in Syrien oder flüchteten in die Türkei, denn die lange Reise nach Europa können sie sich nicht leisten.

Auf einem Klapptisch im Container stapelt die Familie Seife und Lebensmittel. Weil die Kinder das Essen im Flüchtlingslager nicht mögen, kaufen die Alhays manchmal selber ein und kochen, so gut es im Container eben geht. Oft kümmert sich die älteste Tochter Haya (20) um das Essen.

Guten Appetit! Es gibt Reis mit Hackfleisch und scharfer Paprika. Wenn Gäste mitessen, entschuldigt sich Mutter Nahid (Mitte) für das Plastikgeschirr. Sie wünscht sich wie alle in der Familie eine Wohnung mit Küche und eigenem Bad. Die Tage im Flüchtlingslager fühlen sich schrecklich lang an. Genau deshalb unternehmen die Kinder mit den GEOlino-Reportern einen Ausflug…

... und schlendern über den Dom, einen Jahrmarkt in der Hamburger Innenstadt. Hier gibt es so viel zu entdecken.

Ganz schön mutig: Massa staunt über die Achterbahn – und steigt wenig später selber ein. Mit ihrer Schwester Hadel saust sie kreischend über die Schienen.

Zum Abschluss lassen sich die Mädchen vom Riesenrad in die Luft schaukeln. Hoch, immer höher, bis die große, fremde Stadt aussieht wie eine Spielzeugwelt.

Alle in der Familie haben Sehnsucht nach Syrien. Manchmal holen sie ihre Heimat darum zu sich in den Container. Dann singen sie zusammen arabische Lieder - oder tanzen Dabke, wie die drei Brüder Ahmad (15), Abdul Nasir (18) und Zakariya (4) auf diesem Bild. Der Name des Tanzes bedeutet übersetzt in etwa: "mit den Füßen stampfen".

"Woher kommst du?", "Sprichst du deutsch?", "Wie alt bist du?". Um in Deutschland zurechtzukommen, müssen die Alhays erst einmal Deutsch lernen. Der älteste Sohn, Abdul Nasir, besucht schon einen Sprachkurs. Zurück im Container übt er täglich Sätze und Vokabeln.

Ein wichtiger Tag: Frühmorgens fährt Familie Alhays zu einer Behörde, um ihre Asylanträge zu stellen. Drei Monate haben die acht auf diesen Termin gewartet. Wenn es gut läuft, bekommen sie danach die Erlaubnis, in Deutschland zu leben und zu arbeiten.

"Bundesamt für Migration und Flüchtlinge" steht an der Tür der Behörde. Ein Beamter in Uniform kontrolliert die Namen der Alhays und winkt sie durch eine Glastür. Dahinter werden die acht getrennt voneinander nach ihrer Flucht befragt. Jeder gibt seine Fingerabdrücke ab und wird fotografiert. Sieben Stunden dauert es, dann haben die Alhays den Termin überstanden.

Nun heißt es abwarten. Bald bekommt die Familie Bescheid, ob sie in Deutschland bleiben darf. Das wünschen sich die acht sehr – denn ein bisschen fühlen sie sich hier schon zu Hause. Im Container hat die 14-jährige Hadel eine deutsche und eine syrische Flagge gemalt. Ihre große Schwester Haya hilft ihr, beide Bilder aufzuhängen. Wie es mit Familie Alhays weitergeht? Wir erzählen es euch in einem unserer nächsten Hefte.

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