Weltveränderer Günter Grass

2015 verstarb der bedeutende Schriftsteller, überzeugte Demokrat und engagierte Politiker Günter Grass. Wir werfen einen Blick auf sein Lebenswerk
Günter Grass

Im Alter von 87 Jahren ist Günter Grass am 13. April 2015 in einem Lübecker Krankenhaus verstorben

  • Günter Wilhelm Grass
  • Lebensdaten: 16. Oktober 1927 bis 13. April 2015
  • Nationalität: deutsch
  • Zitat: "Ich glaube, dass die Zukunft nur dann möglich sein wird, wenn wir lernen, auf Dinge, die machbar wären, zu verzichten, weil wir sie nicht brauchen."

Günter Grass war Schriftsteller, überzeugter Demokrat und engagierter Politiker. Er ließ die politische Vergangenheit Deutschlands niemals ruhen

Wie Günter Grass lebte

Günter Wilhelm Grass wird am 16. Oktober 1927 in der polnischen Stadt Danzig geboren und wächst als Sohn einer Kaufmannsfamilie in einfachen Verhältnissen auf. Im Kindesalter ist Grass Messdiener, später besucht er das Gymnasium.

Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, meldet er sich freiwillig zur Wehrmacht und ist in der Hitlerjugend aktiv. Dort ist er zunächst als Luftwaffenhelfer tätig, wird 1944 dann in die nationalsozialistische Parteitruppe "Waffen-SS" versetzt. Sein 18. Lebensjahr verbringt er fast vollständig in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft, wo ihm endlich bewusst wird, wie falsch die Einstellung der Nationalsozialisten doch ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt er ein Praktikum bei einem Steinmetz und studiert im Anschluss bis 1953 an der Kunstakademie Düsseldorf und der Hochschule für Bildende Künste in Berlin Grafik und Bildhauerei. Nebenbei jobbt er als Türsteher.

Hermann Hesse
Weltveränderer
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Wie Günter Grass die Welt veränderte

Nach Abschluss des Studiums zieht er nach Paris, wo er die Schweizer Ballettstudentin Anna Schwarz heiratet und mit ihr vier Kinder bekommt. In dieser Zeit beginnt Grass mit dem Schreiben und der Aufarbeitung seiner Vergangenheit. Um 1959 macht er sich an das Werk "Die Blechtrommel", das heute berühmteste und wichtigste Buch des Schriftstellers. Der Roman kritisiert vor allem den Umgang der Deutschen mit der Bewältigung ihrer nationalsozialistischen Geschichte.

Grass ist der Meinung, dass das Vergessen oder Verdrängen nicht die richtige Lösung sei. Auch all seine folgenden Werke wie "Briefe über die Grenze", "örtlich betäubt“ oder "Der Butt" behandeln die Themen Schuld, Vergangenheit und Vergessen. Sein bis heute letzter Roman, "Ein weites Feld" erscheint 1995 und spielt in der Zeit zwischen dem Mauerbau und der Wiedervereinigung Deutschlands.

Der 31-Jährige schafft mit der "Blechtrommel" den Durchbruch: Grass wird von der Gruppe 47, einem Zusammenschluss von Nachkriegsdichtern, ausgezeichnet. Sein erster Roman wird verfilmt und gewinnt sogar einen Oscar. Grass, der nun in der Öffentlichkeit steht, nutzt diese, um politisch aktiv zu werden. Ab 1982 kämpft er als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) Seite an Seite von Bundeskanzler Willy Brandt für mehr Demokratie in Deutschland.

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Er setzt sich unter anderem für gleiche Rechte bei Ehepartnern, für regenerative Energien und höhere Steuern für Besserverdiener ein. Über seine Vergangenheit in der Wehrmacht schweigt Grass nie. Er gibt zu, dass er erst spät bemerkt habe, dass die Ideologie des Nationalsozialismus verbrecherisch sei. Damit sorgt er für viele Diskussionen.

Neben seinem politischen Engagement veröffentlicht Günter Grass weitere Werke als Schriftsteller, Maler und zeitweise Musiker. Dafür wird er mit hochkarätigen Preisen ausgezeichnet, die bedeutendste Ehrung ist 1999 der Nobelpreis für Literatur.

1972 trennen sich Günter Grass und Anna Schwarz. In den Folgejahren wird er Vater von zwei weiteren Kindern von zwei Partnerinnen, bis er 1979 in zweiter Ehe Ute Grunert heiratet. Mit ihr zieht er zeitweise nach Indien. Bis zu seinem Tod am 13. April 2015 lebt er dann im Kreis Herzogtum Lauenburg, in der Nähe von Lübeck. Hier befindet sich auch das Günter-Grass-Haus, in dem all seine Werke ausstellt sind.

Günter Grass Lebenswerk ist bedeutend für Deutschland. Er steht nicht umsonst auf Platz Eins der Liste der führenden 500 Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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