Babys aus dem Labor

Dass der Storch die Babys bringt, glauben Kinder schon lange nicht mehr. Aber viele Babys werden heute auch nicht mehr "natürlich" gezeugt. Lest hier, was die Medizin alles möglich macht
In diesem Artikel
Leben aus der Glasschale
Rasante Entwicklung
Eizell-Spende

Leben aus der Glasschale

Louise Brown war ein ganz normales Baby, das vor 25 Jahren zur Welt kam. Ein ganz normales Baby? Nein, denn ihre Zeugung war ganz und gar nicht die "natürlichste Sache von der Welt". Sie wurde, als erster Mensch überhaupt, nicht im Bauch ihrer Mutter gezeugt - sondern im Labor.

Leben aus der Glasschale

Louises Eltern wollten, wie fast alle Paare, unbedingt ein Kind. Aber sie konnten keins bekommen, denn Leslie Browns Eileiter waren verschlossen. Daher entschloss sich der Frauenarzt Patrick Steptoe zu einem ungewöhnlichen Schritt: Er entnahm Eizellen von der Mutter und Samenzellen vom Vater - und vermischte sie in einer Glasschale mit einer Nährlösung. Die Befruchtung klappte tatsächlich, und drei Tage später konnte Steptoe den Embryo in die Gebärmutter von Leslie Brown einpflanzen. Und von da an war Louise tatsächlich ein ganz normales Baby.

Kein Einzelfall

Damals glaubte man noch, dass Louise eine Ausnahme bleiben würde. Aber heute leben allein in Deutschland etwa 100 000 Menschen, die auf dieselbe, künstliche Weise gezeugt wurden. Denn immer mehr Paare können keine Kinder bekommen. Das kann sowohl am Mann als auch an der Frau liegen. Und manchmal sind auch einfach die männlichen Samenzellen zu lahm und erreichen die Eizelle nicht.

Die Medizin kann helfen

Mit der Befruchtung in der Glasschale, der "Retorte", können die Ärzte nun helfen. Aber das ist nicht immer ganz einfach. Denn das Einpflanzen des Embryos in die Gebärmutter der Mutter klappt nicht immer so reibungslos wie bei Louise Brown. Und wenn sich die befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutterschleimhaut einnisten will, ist wieder alles umsonst. Viele Paare nehmen diese Strapazen mehrmals nacheinander auf sich, um ein Kind zu bekommen.

Rasante Entwicklung

Vor 25 Jahren konnte Dr. Steptoe noch nicht ahnen, was heute alles möglich ist. Denn seit der ersten In-vitro-Fertilisation - so nennen Ärzte die künstliche Befruchtung - sind immer ausgefallenere Methoden getestet worden.

Ein fremdes, eigenes Kind

Wenn nur der Mann unfruchtbar ist, können sich die Partner Samen von einem anderen Mann aussuchen: "Samenspender" nennt man die. Die Frauen bekommen dann ein Kind von einem Mann, den sie gar nicht kennen - außer von einer groben Beschreibung. Wenn es für das Paar wichtig ist, ob das Kind grünäugig und blond oder blauäugig und dunkelhaarig ist, können sie sich das aussuchen. Denn die Erbinformationen, also die Gene des Spenders, bestimmen ja zusammen mit den Genen der Mutter das Aussehen des Kindes.

Ist das Erbgut o.k.?

In Amerika dürfen Ärzte dem wenige Tage alten Embryo in der Glasschale Zellen entnehmen und untersuchen, ob die Kinder später einmal eine Erbkrankheit haben werden. Denn auch das können Ärzte in den Genen "lesen". Die Eltern können dann selbst entscheiden, ob sie das Kind haben wollen. In Deutschland ist das verboten.

Nichts dem Zufall überlassen

In Amerika ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass die Eltern sich aus mehreren befruchteten Eizellen diejenigen mit den besten genetischen Merkmalen aussuchen. Motto: Bloß nichts dem Zufall überlassen. Die Genetik, die Wissenschaft von den Genen, macht's möglich.

Eizell-Spende

Wenn eine Frau unfruchtbar ist, gibt es noch eine weitere Möglichkeit - zumindest in Amerika: Hier können Paare auch Eizellen bestellen. Die kommen dann von fremden Frauen, die für diese Eizellenspende viel Geld erhalten. In Deutschland ist auch das verboten. Aber in Amerika gibt es Firmen, die mit diesem Geschäft viel Geld verdienen.

Wer sind die Eltern?

Im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten", ist noch mehr erlaubt: Hier können Frauen nicht nur Eizellen spenden, sondern für viel Geld das Kind auch selbst austragen. Dazu wird die Eizelle der "Leihmutter" mit dem Samen des Mannes befruchtet und in ihre Gebärmutter eingepflanzt. Nach der Geburt bekommt das kinderlose Paar das Baby. Das ist zum Beispiel eine Lösung für gleichgeschlechtliche Paare. Denn zwei Männer können ja kein Kind bekommen, auch wenn sie sich noch so sehr lieben und ein Kind wünschen. Aber wessen Kind ist das Kind dann eigentlich?

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