Schulangst Die Angst vor der Schule

Schulangst kann viele Ursachen haben: Mathearbeiten, Turnübungen, bei denen man sich blamieren kann, fiese Klassenkameraden. Für viele Kinder ist die Schule ein Ort der Angst.
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In diesem Artikel
Die Angst vor der Schule
Das Angstzentrum im Gehirn
Gewalt an Schulen
Mittel gegen die Schulangst - Expertentipps

Die Angst vor der Schule

Au! Tut das weh! Am Mittwoch hielt Martina es bis zur dritten Stunde aus. Vor dem Englischunterricht packte die 14-Jährige heulend ihre Hefte ein und stiefelte aus dem Klassenzimmer. "Ich habe solche Bauchschmerzen", jammerte sie. "Ich gehe nach Hause." Dabei krümmte sich das Mädchen wie ein Fragezeichen.

Nicht zum ersten Mal

Solche Tage sind bei Martina häufig. Nicht etwa, weil sie ihr Frühstück nicht verträgt. Für sie ist jede Stunde in ihrer Klasse die Hölle: Schon am Sonntag fängt Martina an zu zittern, wenn sie an den Unterricht am Montag denkt. Im Schlaf wälzt sie sich mit Albträumen hin und her. Kommen dann noch Bauchschmerzen hinzu, ist das Mädchen fast erleichtert - denn dann hat es einen Grund, die Schule zu meiden.

Martina leidet unter Schulangst, und sie ist kein Einzelfall. Sehr viele Schüler in Deutschland stehen mit ihren Lehrern, den Mitschülern oder ihren Fächern so auf Kriegsfuß, dass sie davon krank werden: Sie schlafen schlecht; bekommen Bauch- oder Kopfschmerzen oder Herzrasen. Manche haben sogar Depressionen - das heißt, sie werden so traurig, dass sie den ganzen Tag heulen könnten.

Angst, etwas nicht zu können

Was macht die Schule so schlimm, dass sich Kinder vor ihr fürchten? Oft ist es Angst, etwas nicht zu können. Eine Klassenarbeit mies zu schreiben. Oder die Mathe-Hausaufgaben an der Tafel vorrechnen zu müssen: Die ganze Klasse starrt einen an. Wartet. Und der eigene Kopf ist nur - leer.

Das kann einem so peinlich sein, dass man am liebsten ganz tief im Boden versinken möchte. Womöglich bringt der Lehrer noch einen Spruch wie: "Typisch! Mal wieder die Aufgaben nicht gemacht!" Und dazu gibt es eine schlechte Note.

Das Angstzentrum im Gehirn

Das Angstzentrum im Gehirn merkt sich solche unangenehmen Situationen. Das nächste Mal funkt es "Achtung, Gefahr!", wenn Mathematik auf dem Stundenplan steht. Dummerweise reichen bei manchen Kindern schon Kleinigkeiten, um das Gehirn ängstlich zu machen.

Manche zittern, wenn sie bloß im Sportunterricht einen Purzelbaum schlagen sollen! "Das kann ich nicht", jammern sie - und sehen blass aus, als sollten sie mit einem hungrigen Löwen kämpfen.

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Schwänzen bringt nichts

Für schwächere Schüler kann ein Schultag so stressig werden wie ein Überlebenstrip im Dschungel. Überall lauern Gefahren und Fallen: erste Stunde Englisch? Ich kenne doch so viele Wörter nicht! Dann Physik? Schluck, da ist der Lehrer so fies! Viele Kinder halten das nicht aus - und flüchten.

Experten des Deutschen Jugendinstituts München schätzen, dass fünf bis zehn Prozent regelmäßig die Schule schwänzen. Sie hängen in Kaufhäusern herum oder fahren mit der U-Bahn durch die Gegend. Natürlich wird dann alles noch schlimmer. Die Blaumacher bekommen erst recht schlechte Noten und schaffen oft nicht einmal den Schulabschluss.

Viele Kinder kommen nicht mit

Das Kinderhilfswerk UNICEF hat vor kurzem kritisiert, dass in Deutschland besonders viele Schüler nicht mitkommen (GEOlino berichtete in Heft 3/2003). 17 Prozent der 15-Jährigen haben schon Probleme, Texte zu lesen oder einfache Rechenaufgaben zu lösen. Ein großer Teil der ausländischen Kinder kann nicht mal richtig Deutsch. Wie soll Schule da Spaß machen?

Es geht auch anders

Dass es auch anders geht, zeigt der Blick nach Finnland. Dort bekommen schwache Schüler kostenlose Nachhilfe in der Schule, bis sie mit Zahlen und Vokabeln ganz selbstverständlich umgehen. Das zahlt sich aus: Finnland erreichte beim Pisa-Lesetest, in dem vor drei Jahren die Schüler aus 31 Ländern verglichen wurden, den ersten Platz. Deutschland landete nur auf Platz 21.

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Mobbing in der Schule ist einer der Hauptgründe für Schulangst

Gewalt an Schulen

Doch Bammel vor dem Versagen ist nicht der einzige Grund für Schulangst. Viele Mädchen und Jungen fürchten sich auch vor ihren Mitschülern. Denn Gewalt ist leider an vielen Schulen normal: Bei einer Untersuchung gab fast ein Drittel aller Jungs zu, im letzten halben Jahr andere Schüler verprügelt zu haben.

13 Prozent haben Kameraden sogar erpresst oder "abgezogen". So nennt man es, wenn stärkere Schüler von schwächeren Geld, Handys oder Kleidungsstücke rauben.

Schuluniform?

Das Problem ist so groß, dass manche Politiker schon vorgeschlagen haben, wie in Großbritannien Schuluniformen einzuführen. Wenn alle Kinder gleich angezogen wären, so die Idee, könnte man auch keinem die Markenklamotten wegnehmen.

Einem Teil der Schüler geht es aber noch schlimmer. Sie trauen sich kaum in ihre Klasse, weil andere Kinder sie ständig terrorisieren. Martina beispielsweise wurde jeden Tag von Mädchen beschimpft. Monatelang.

Andere werden geschlagen. Oder, was genauso schlimm sein kann: Niemand spricht ein Wort mit ihnen. Experten nennen solche Quälereien "Mobbing". Die Opfer verlieren oft jedes Selbstbewusstsein. "Warum sind alle gemein zu mir? Bin ich denn soo doof?", fragen sie sich. Einige verzweifeln mit der Zeit so sehr, dass sie sich etwas antun.

Dabei hat Mobbing oft keinen besonderen Grund; es kann fast jeden treffen. Manchmal sind die Opfer etwas kleiner als die anderen. Manchmal ein bisschen schlauer im Unterricht, oder nicht ganz so gut...

Mittel gegen die Schulangst - Expertentipps

  • Wenn ihr dauernd beschimpft oder verprügelt werdet, sucht in jedem Fall Hilfe. Erzählt euren Eltern oder dem Klassenlehrer davon. Der soll mit den Mobbern reden.
  • Nicht vor Problemen flüchten, etwa schwänzen. Seid mutig! Dann verschwinden Ängste oft wie von selbst. Ihr habt sicher gezittert, als ihr im Schwimmbad zum ersten Mal vom Sprungbrett gesprungen seid, und danach war die Furcht wie weggeblasen. So ist das auch beim Vorrechnen an der Tafel.
  • Nicht zu ehrgeizig sein. Manche Kinder (und Eltern) sind nur mit Einsen zufrieden. Das sorgt für Dauerstress. Wenn es ständig Fünfen hagelt, obwohl sich ein Kind anstrengt, ist es vielleicht auf der falschen Schule. Dann sollten die Eltern mit dem Klassenlehrer sprechen.
  • Ein bisschen Nervosität vor Prüfungen könnt ihr ruhig akzeptieren. Dieses "Lampenfieber" macht sogar fit. Bei dauernden Kopf- oder Bauchschmerzen solltet ihr aber lieber den Arzt fragen.
  • Vielen Kindern helfen Entspannungsübungen. Vielleicht rät euer Arzt dazu, mit einem Psychologen zu sprechen, einem Experten für seelische Probleme.

So hat es auch Martina gemacht. Irgendwann sagte sie: "Ich gehe nicht mehr zur Schule!" Erst dann hat sie ihren Eltern alles erzählt. Jetzt besucht sie regelmäßig einen Fachmann, der ihr dabei hilft, dass sie wieder Mut zum Unterricht und Spaß an der Schule findet.

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