Tätowierungen - Kringel fürs Leben

Schon seit Jahrtausenden verzieren Menschen ihren Körper mit Mustern und Bildern. Eine Geschichte über die Wandlungen eines seltsamen Brauchs
In diesem Artikel
"Kunstvoll gehämmert"

Unser Basteltipp zum Thema:

Tatoos selbstgemacht
Farbe auf die Haut
Tätowierungen - schnell gemalt, schnell abgewaschen

Popstar sein ist nicht leicht. Robbie Williams hat sich ja daran gewöhnt, dass ihn viele Menschen beneiden: Klar, wer wäre nicht gern so reich und berühmt wie der britische Sänger. Aber muss man sich wirklich wegen ein paar Kringeln auf dem Oberarm aufregen?

Protest der Maori

Heftigen Protest gab's nämlich, als sich Williams eine Tätowierung verpassen ließ - ganz im Stil der Maori, der Ureinwohner Neuseelands. Die fanden das gar nicht lustig. Kein Wunder, denn solch ein "Moko", wie die kunstvollen Schnörkel bei den Maori heißen, ist ihnen heilig. Jede Familie hat ihre eigenen Muster und Figuren. Die erzählen die Geschichte der Ahnen, erklären Stammeszugehörigkeit und Ansehen des einzelnen Moko-Trägers. Eine Tätowierung ist für manche Maori fast so etwas wie Personalausweis, Geburtsurkunde und Familienalbum zusammen - und gehört nicht auf den Arm eines britischen Popstars.

Tattoos gibt es seit der Steinzeit

Die Kunst des Tätowierens war schon den Menschen der Steinzeit bekannt. Ägyptische Priesterinnen schmückten sich damit, die Römer markierten auf diese Weise Sklaven und Verbrecher. Archäologen fanden in Südamerika Indianermumien, deren Haut kunstvolle Muster aufwies. Bei den Dayak auf der Insel Borneo wurde jedem Krieger die Hand tätowiert, wenn er einen Feind getötet hatte - eine Art Orden auf der Haut. Frauen trugen besondere Zeichen, wenn sie etwa Stoffe weben konnten. Das verbesserte ihre Heiratschancen. Auch bei vielen Völkern Europas waren früher Tätowierungen verbreitet, bis Papst Hadrian I. sie im Mittelalter verbot und diese Art des Körperschmucks vielerorts in Vergessenheit geriet.

"Kunstvoll gehämmert"

1000 Jahre später machten europäische Seefahrer daher große Augen, als sie in der Südsee auf bemalte Menschen stießen. Der Engländer James Cook brachte 1774 nicht nur einen dieser seltsam gemusterten Männer mit nach Hause. Cook hatte auf der Insel Tahiti auch gelernt, wie diese Kunst dort hieß: "tatau" - woraus im Englischen "tattoo" und auf Deutsch "Tätowierung" geworden ist. Es bedeutet "kunstvoll hämmern".

Flink gestochen

Das passt. Denn im Gegensatz zu Lippenstift oder Lidschatten wird eine Tätowierung nicht auf, sondern in die Haut gemalt. Deshalb hält sie auch ein Leben lang. Allerdings wird in modernen Tätowierstudios nicht gehämmert, sondern gestochen. An der Spitze eines pistolenförmigen Gerätes sitzen Nadeln, die sich rasend schnell auf und ab bewegen - wie bei einer Nähmaschine - und dabei Farbtröpfchen unter die Haut impfen. Das tut ziemlich weh und hinterlässt eine Wunde, die erst nach gut einem Monat verheilt ist.

Nicht einmal gesundDamit nicht genug: Manche der Farben gelten als gesundheitsschädlich, einige sollen sogar krebserregende Stoffe enthalten. Das kann auch die "abgeschwächte" Variante betreffen: Tätowierungen mit Henna, die nur aufgemalt werden und nach ein paar Wochen wieder verblichen sind.

Trotzdem: Tätowieren ist "in"

All das schreckt immer weniger Menschen. Musste James Cook noch in die Südsee fahren, um tätowierte Körper zu bestaunen, braucht man heute nur vor die Tür zu gehen: Rund vier Millionen Menschen haben sich in Deutschland schon tätowieren lassen. Tätowieren ist schwer in Mode!

Aber keine Mode hält ewig. Einen alten Pullover kann man irgendwann ausrangieren. Aber die Zeichen in der Haut? Mit viel Aufwand und für noch mehr Geld lässt sich die alte Farbe etwa per Laserstrahl "wegschießen". Bei etwas Glück bleibt am Ende nicht einmal eine Narbe zurück. Vielleicht denkt auch Robbie Williams darüber eines Tages nach. Zur Freude der Maori.

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