Kopfschmerzen - Wenn's im Schädel brummt und pocht

Nicht nur Erwachsene haben Kopfweh - auch immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter schlimmen Schmerzattacken. Lest hier, wie Kopfschmerzen entstehen und wie ihr sie wieder loswerdet
In diesem Artikel
Warum bekommen Kinder Kopfweh?
Auch Migräne können schon Kinder haben
Tagebuch führen gegen den Schmerz

Warum bekommen Kinder Kopfweh?

Gerade war Ines Ruwoldt in die 5. Klasse der Realschule gekommen, als sie es zum ersten Mal spürte: dieses Gefühl, als würde ihr jemand mit einer Nadel in die Stirn stechen. Rasende Kopfschmerzen! Den Unterricht hielt sie noch durch, dann schleppte sie sich nach Hause und legte sich ins Bett. Das war vor dreieinhalb Jahren. Seitdem hat die heute 13-Jährige aus Grevenkoop bei Hamburg mindestens drei, vier Mal im Monat Kopfschmerzen. In der Schule geht es los. Am schlimmsten ist es gleich nach Schluss des Unterrichts. "Dann kann ich nicht mehr", sagt sie. "Dann hilft nur noch schlafen."

Kopfweh hat viele Ursachen

Viele kennen das fiese Hämmern, Pochen oder Stechen im Kopf, das einem die Lust an allem verdirbt. Rund 90 Prozent aller Zwölfjährigen haben schon einmal Kopfschmerzen gehabt. Diese Zahl hat sich in den letzten 40 Jahren verdoppelt!

Ärzte können viele Gründe aufzählen: eine Erkältung, zu wenig Schlaf, zu wenig Bewegung, zu lange vor dem Fernsehapparat sitzen führen oft zu Schädelbrummen. Hauptursache aber ist Stress, wie jetzt auch Ines weiß. "Den mache ich mir selbst", sagt sie. Vor allem in der Schule - sie ist eine der Klassenbesten.

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Wie bei diesem jungen Mädchen, machen Kopfschmerzen vielen Kindern in Deutschland regelmäßig zu schaffen

Stress drückt auf den Kopf

Am häufigsten leiden Kinder unter dem so genannten Spannungskopfschmerz, der sich anfühlt, als würde ein Ring den Kopf zusammenquetschen. Der Grund für die Qual: Einige Nervenbahnen im Kopf spielen verrückt und senden ständig Schmerzsignale. Die Muskeln an Nacken und Schultern sind völlig verkrampft - dies alles, weil das Kind ständig unter Stress steht. Und der Stress macht noch mehr: Er verbraucht eine Art Schmerzkiller im Gehirn, das Serotonin. Ist der Serotonin-Speicher leer, empfinden wir Schmerzen stärker, bis sich wieder ein Vorrat gebildet hat. Zwar kann das Gehirn selbst gar nicht wehtun, aber in der äußeren Hirnhaut, im Gesicht und an den Schädelknochen verlaufen viele empfindliche Nerven.

Auch Migräne können schon Kinder haben

Noch gemeiner als Spannungskopfschmerzen ist die Migräne, ein einseitiges Pochen im Schädel, an dem zwölf Prozent der Kinder leiden. Bei manchen kündigt sich die Migräne deutlich an: Sie sehen Lichtblitze oder haben ein merkwürdiges Flimmern vor Augen. Diese Vorzeichen nennt man "Aura". Dann geht es los: mit Schmerzen, als würde jemand mit einem Messer im Kopf herumstochern. Daneben treten Schwindel, Übelkeit und Erbrechen auf. In ganz schlimmen Fällen kann ein Migräneopfer nicht mehr richtig sprechen - es kommt nur noch Wortsalat aus seinem Mund!

Warum jemand an Migräne leidet, ist noch nicht vollständig erforscht. Wissenschaftler glauben aber, dass manche Mädchen und Jungen die Veranlagung "geerbt" haben - wenn Vater oder Mutter öfter an Migräne leiden, kann es leicht auch die Kinder treffen. Zum Ausbruch kommt die Krankheit oft in der Pubertät, weil sich im Körper die Hormone, die Botenstoffe, umstellen. Manchmal braut sich Migräne auch deshalb zusammen, weil das Gehirn die vielen Eindrücke eines Tages nicht richtig verarbeiten kann - Schule, Fernsehen, Computerspiele, Freunde... Bestimmte Hirnregionen geben dann das Signal: Jetzt reicht's! Die Wände einiger Adern entzünden sich, und dieser Schmerz "lähmt" das Migräneopfer für Stunden oder Tage.

Tagebuch führen gegen den Schmerz

In schweren Fällen nützen nur noch Medikamente, die der Arzt verschreiben muss. Bei weniger schlimmen Schmerzen helfen auch ganz einfache Tricks! Manchmal reicht es schon, sich in einen dunklen Raum zu legen und auszuruhen. Dr. Raymond Pothmann vom Zentrum für Kinderschmerztherapie in Hamburg kennt noch eine Lösung: "Kinder können die Schmerzen einfach verlernen." Der Arzt rät Mädchen und Jungen, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, in dem sie genau aufschreiben, wann und wo die Schmerzen auftreten. Dadurch lassen sich die Anfälle besser einschätzen: Kommen sie immer am Wochenende, nach der Schule? Vor Klassenarbeiten? Bei Computerspielen? Wer die Auslöser erkennt, kann sich darauf einstellen - und die Angst vor der Attacke lässt nach.

Ines erzählt, dass die Kopfschmerzen bei ihr allein dadurch seltener geworden sind, dass sie mit einem Arzt darüber gesprochen hat. Auch die Ablenkung beim Judotraining zwei Mal pro Woche hilft ihr. "Eines sollte ich beim Judo aber vermeiden", sagt sie und grinst: "Auf den Kopf zu fallen!"

Was hilft bei Spannungskopfschmerz und Migräne?

Ins Bett legen, einen kalten Lappen auf die Stirn - und Ruhe halten! Oft hilft das alte Hausmittel schon.

Das kannst du sonst noch gegen Kopfschmerzen tun:

  • Massiere Stirn, Scheitel und Schläfen mit Pfefferminzöl. (Vorsicht, nicht in die Augen reiben!)
  • Vorbeugen durch Sport an der frischen Luft, wie Fahrradfahren oder Joggen, hilft.
  • Verzichte einige Wochen lang auf Nahrungsmittel mit Farb- und Aromastoffen. Auch Milch, Quark und Käse können Kopfschmerzen auslösen, außerdem Schweinefleisch, Leberwurst, Salami oder Nutella. Manchmal hilft schon ein Cola-Entzug!
  • Streiche ein paar deiner regelmäßigen Nachmittagsaktivitäten - zwei pro Woche sind genug.
  • Treten die Schmerzen häufig auf: Auf jeden Fall zum Arzt gehen!
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GEO Nr. 05/97
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