Märchenschlösser aus Sand

Sandburgenbauen ist wohl die Lieblingsbeschäftigung aller Strandurlauber. In Travemünde an der Ostsee zeigen jetzt echte Profis, wie's richtig geht: Die größte Sandskulpturenausstellung Europas rund ums Thema Märchen hat ihre Pforten geöffnet
In diesem Artikel
Eckiger Sand
Skulpturen-Schnitzer
Baut eure eigenen Sandskulpturen!

Eckiger Sand

Es war einmal... eine Märchenstadt aus Sand an der deutschen Ostseeküste. Aschenputtel tanzt mit ihrem Prinzen, der Däumling entdeckt in den Siebenmeilenstiefeln die Welt und das Dornröschenschloss steht schlafend von Rosen umschlossen auf einer Anhöhe. Unter dem Motto "Fabelhaft und Märchenreich" haben Künstler riesengroße Sandburgen gebaut und daraus Skulpturen errichtet. Die Erzählungen von Hans Christian Andersen, den Gebrüdern Grimm und sogar Geschichten aus 1001 Nacht sind am Priwall in Lübeck-Travemünde vertreten - und zwar nur aus Sand.

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Alladins Schloss - ganz aus Sand!

Eckiger Sand

Diese einmaligen Kunstwerke der Skulpturenkünstler sind ziemlich beeindruckend und an normalen Stränden so gut wie gar nicht zu finden. Wieso eigentlich nicht, fragt ihr euch? Ganz einfach: Mit Meersand funktioniert das nicht so gut. Deshalb haben die Künstler auch extra nach Travemünde Flusssand anliefern lassen, und zwar aus dem Städtchen Cuijk, das in Holland an der Maas liegt. Die feinen Körnchen des Meersands sind von den vielen Wellen und Bewegungen im Wasser ganz rund geschliffen, wie winzig kleine Kugeln. Der Flusssand hingegen hat eine eckige Struktur, womit es viel einfacher geht. Denn kleine Quadrate lassen sich nun mal besser stapeln als Kugeln. Deshalb hält der Sand auch besser aufeinander.

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Des Kaisers neue Kleider

Und ein paar andere Tricks gibt es natürlich auch noch: Der Sand wird mit Wasser gemischt und in Holzformen gepresst. Dann wird immer wieder neuer Sand drauf geschüttet, so dass eine große Fläche entsteht. Wenn der Sand dann ganz getrocknet ist, wird die Holzhülle entfernt und die Künstler können mit ihrer Arbeit beginnen.

Skulpturen-Schnitzer

Die Künstler nennen sich übrigens "Carver", das kommt aus dem Englischen und heißt soviel wie "Schnitzer". Denn sie "schnitzen" sozusagen die Figur aus dem Sand heraus. Damit das besser geht, arbeiten sie mit einigen Hilfsmitteln. Werkzeuge wie Maurerkellen, Spachtel und Teppichmesser sind ihnen dabei eine große Hilfe, aber auch Strohhalme und Pinsel erleichtern die Feinarbeit. Ganz wichtig ist auch der Pflanzensprüher, denn der Sand muss immer ein bisschen nass sein, damit er sich besser formen lässt. Danach muss die Skulptur nur noch austrocknen, dann ist sie fertig. An dem Märchenschloss zum Beispiel haben fünf Carver etwa eine Woche lang gearbeitet.

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König Drosselbart

Nur die wenigsten der Künstler sind von Beruf Skulpturenbauer, das sind dann Bildhauer, die im Sommer Sandskulpturen machen und im Winter Motive aus Eis herausarbeiten. Die anderen gehen eigentlich ganz "normalen" Berufen nach und sehen das Carven als ihr Hobby an. So vertreibt sich zum Beispiel eine Archäologie-Studentin die Semesterferien mit dem Sandskulpturenbau. Denn dass Archäologen gerne in der Erde buddeln, ist ja bekannt.

Baut eure eigenen Sandskulpturen!

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Panorama mit Märchenschloss und Rapunzel bei Nacht

Ganz schön beeindruckend, was die Künstler da geschaffen haben. Aber das könnt ihr auch! Zumindest könnt ihr es lernen, denn in der "Sand World" in Travemünde werden auch Workshops angeboten, wo ihr lernen könnt, wie solche Skulpturen am einfachsten gebaut werden können. Dort zeigt euch ein Carver, wie der Sand zubereitet wird und wie ihr ihn danach richtig bearbeitet. Nach kurzer Zeit habt ihr dann vielleicht auch schon eure eigene kleine Burg gebaut - und etwas für den nächsten Strandurlaub gelernt.

Leider ist der Sand am Strand wirklich nicht so gut geeignet, um große Skulpturen zu bauen. Ihr könnt auf jeden Fall das ausprobieren, was ihr im Workshop in Sand World gelernt habt. Nur ist euer Kunstwerk dann nicht so lange haltbar, wie wenn ihr den speziellen Sand genommen hättet.

Sandskulpturen halten nicht ewig

Die "Sand World" in Travemünde ist noch bis Anfang September geöffnet - danach werden die Skulpturen abgerissen. Übrigens: schlechtes Wetter macht dem Sand gar nichts aus. Bei Regen fallen die Skulpturen nicht auseinander, und auch Wind kann ihnen nichts anhaben - zumindest bis Windstärke 7, denn einem richtigen Sturm standzuhalten ist schon schwer. Solche Sandskulpturen können eine ganze Zeit lang stehen bleiben: Der Rekord in Europa liegt im Moment bei einem Jahr und neun Monaten in den Niederlanden; in Kalifornien hat so eine Skulptur sogar schon einmal zwei Jahre lang Wind und Wetter getrotzt.

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Aschenputtel

Mehr Informationen über Sand World in Lübeck-Travemünde findet ihr unter www.sandworld.de.

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