Zusammen bis zur 10. Klasse?

"Eure Meinung zählt!" GEOlino hat euch im Juli gefragt, was ihr von der Gemeinschaftsschule haltet. Eure Antworten waren sehr unterschiedlich - aber lest selbst
In diesem Artikel
Helene Endlich, 12 Jahre, aus Cocquio-Trevisago (Norditalien)
Timu Burchard, 12 Jahre, aus Lübeck
Stefanie Heinrich, 14 Jahre, aus Rathenow

Das aktuelle Thema: Gemeinschaftsschule - Ja oder Nein?

Eine Gemeinschaftsschule, das ist eine Schule, auf der alle Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse zusammen bleiben. Momentan ist es ja in den meisten Bundesländern so, dass nach der vierten Klasse die Entscheidung getroffen werden muss, ob die Schüler auf das Gymnasium, in die Real- oder Hauptschule wechseln. Diese Aufteilung wäre in dieser "Schule für alle" überflüssig.

Hier sind eure Meinungen dazu:

Sophie Ruppert, 12 Jahre, aus Hamburg

Ich finde es ist eine gute Idee, weil wenn die so genannten "Spätzünder" dann zum Beispiel von der Hauptschule auf ein Gymnasium wechseln wollen, ist das immer so umständlich. Vorstellungsgespräche, Formulare ausfüllen usw. Da finde ich das mit "bis zur 10. Klasse miteinander lernen" schon besser.

  Sebastian Zezulka, 10 Jahre, aus Berlin Ich finde die Idee nicht so gut, denn eine Trennung nach der 4. Klasse sorgt dafür, dass keiner über- und keiner unterfordert ist. So können die Stärkeren schon weiter machen und die Schwächeren kriegen die Chance, alles in Ruhe noch einmal zu üben.

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Das ist nur eine kleine Auswahl der Briefe, die ihr uns geschickt habt

Sophia Kistenmacher, 13 Jahre, aus Koblenz

Ich finde die Idee, eine Gemeinschaftsschule bis zur 10. Klasse einzurichten, super! Bei mir war die Schulwahl zwar kein Problem, aber mein Vater war zum Beispiel ein "Spätzünder". Er hat sich von Hauptschule bis Gymnasium durchgearbeitet. Man könnte nebenbei auch noch ergänzende Kurse wie eine Biologie-AG freiwillig anbieten.

Elisa Stiller, 12 Jahre, aus Coswig

Ich finde die Idee toll, weil man dann keinen seiner Freunde verliert. Denn bei mir gab es so ein Problem. Ich hatte die Bildungsempfehlung für das Gymnasium, doch alle meine Freunde gingen in die Mittelschule. Ich wollte sie nicht verlieren und bin deshalb auch auf die Mittelschule gegangen. Jetzt habe ich nicht mehr so gute Bildungschancen. Deswegen fände ich Schulen, in denen man sich nicht trennen muss, sehr gut.

Helene Endlich, 12 Jahre, aus Cocquio-Trevisago (Norditalien)

Ich finde eine gemeinsame Schule bis zur 10. Klasse übertrieben. Ich selbst gehe nicht auf eine normale Schule, sondern auf eine Europaschule. Dort dauert die Grundschule fünf Jahre, aber alle außer denen, die sitzen bleiben, gehen weiter auf die gleiche Schule. Wenn die Grundschule erweitert werden würde, fände ich das nicht schlecht, aber nicht bis zur 10. Klasse, sondern vielleicht bis zur 6. oder 7. Klasse.

Johanna Hartwig, 17 Jahre, aus Zaberfeld

Ich bin bzw. war auch einer dieser "Spätzünder" und bin nur knapp auf die Realschule gekommen. Dort hatte ich dann aber nur gute Noten. Nach meinem Schulabschluss mit einem Gesamtschnitt von 1,7 musste ich, um mein Abitur machen zu können, auf ein berufliches Gymnasium. Diese Gymnasien sind auf bestimmte Richtungen ausgelegt (biologisch, chemisch, technisch oder wirtschaftlich), und nicht sehr einfach.

Deshalb bin ich für Gesamtschulen bis zur 7. oder 10. Klasse, wie es in den USA oder Großbritannien schon lange ist. So werden Spätzünder "nicht bestraft", indem ihnen manche Bildungswege versperrt bleiben. Außerdem werden schlechtere Schüler von den Besseren mitgezogen und angespornt. Nach der 10 kann man sich dann entscheiden, ob man eine Ausbildung macht oder doch versucht, Abitur zu machen.

Kristina Luge, 13 Jahre, aus Duisburg

Ich finde, dass unser System mit der Schulwahl nach der vierten Klasse das Beste ist. Die meisten Schüler sind doch in der Grundschule noch am meisten motiviert und ändern sich, meiner Erfahrung nach, später überaus selten. Außerdem können die richtig Guten immer noch auf eine andere Schule für das Abitur wechseln. Für alle, die ein anderes Schulsystem bevorzugen, gibt es ja die Waldorf-Schulen. Ich selbst bin auf einem Gymnasium und kann dort wesentlich besser lernen, als in der Grundschule, in der alle gemeinsam unterrichtet wurden.

Antonia Vehrkamp, 9 Jahre, aus Detmold

Ich finde die Idee gut. Denn wenn ein Kind vielleicht erst in der 9. Klasse gut wird, hat es immer noch eine Chance, das Abitur zu machen. Aber es sollte dann nicht nur solche Schulen geben.

Ina Frank, 10 Jahre, aus Hamburg

Ich finde es eine doofe Idee, dass man bis zur 10. Klasse zusammen bleibt. Man würde ja nie neue Kinder und Lehrer kennen lernen, das ist ja langweilig. Ich komme jetzt selber aufs Gymnasium und freue mich riesig. Endlich sind nicht mehr Vorschüler nebenan, die kreischen immer auf dem Flur. Außerdem hab ich dann eine neue Klasse. Daran ist einfach alles besser, als vorher.

Timu Burchard, 12 Jahre, aus Lübeck

Ich finde die Idee des gemeinsamen Lernens bis zur 10. Klasse blöd. Nicht so gute Schüler/innen würden dem Niveau nicht gerecht und gute Schüler/innen würden den anderen "davonlaufen". Dadurch wäre der Abstand zwischen den Schülern zu groß und die Klasse könnte nicht einheitlich lernen. Für "Spätzünder" wäre es vielleicht besser, bis zur 6. Klasse gemeinsam zu lernen, wie es in manchen Schulen schon ist.

Viktoria Hörtenhuber, 11 Jahre, aus Gschwandt bei Gmunden (Österreich)

Ich finde es blöd, eine solche Schulreform einzuführen. Denn wenn die Intelligenten und die "Spätzünder" gleichgestellt werden, so wird den einen langweilig und sie werden nicht genug gefördert. Die anderen jedoch kommen mit dem Stoff nicht nach und haben weiterhin schlechte Noten.

Thea Hedley, 11 Jahre, aus Hochwald (Schweiz)

Die Idee mit der Gemeinschaftsschule finde ich gut. Ich gehe in eine Waldorfschule. Die Kinder mit Lernschwierigkeiten bekommen Nachhilfeunterricht. Das könnte man an gewöhnlichen Schulen doch auch machen! Außerdem bleiben Freunde zusammen! Ich fände es schlimm, von meinen Freunden getrennt zu werden!

Clarissa M. Schäfer, 10 Jahre, aus Hohenahr

Gemeinsam bis zur 10. Klasse fände ich gut. Man kann mit all seinen Klassenkameraden zusammen bleiben und wird dann auch nicht von vielen Freunden, die vielleicht etwas schlechtere oder bessere Noten schreiben, getrennt.

Caroline Tyka, 12 Jahre, aus Bonn

Ich selber hatte keine Probleme in der Grundschule und bin nun auf einem Gymnasium. Aber vor allem Kinder, deren Eltern aus dem Ausland kamen, konnten nicht mit und hätten noch ein oder zwei Jährchen gebraucht. Aber gleich bis zur 10. Klasse? Vielleicht nur die Unterstufe - also bis zur 7.! Das würde bestimmt helfen.

Edith Kirschner, 11 Jahre, aus Solingen

Ich finde die Idee, von der ersten bis zur zehnten Klasse zusammen zu bleiben, nicht schlecht. Die Klassengemeinschaft wird gestärkt und man kann länger mit alten Freunden zusammen sein. Nach der vierten Klasse, sobald man die Schule gewechselt hat, sieht man die Grundschulfreunde meist nicht mehr, oder nur selten. Das ist schade. Nach meinem Schulübertritt habe ich kaum einen meiner alten Freunde wieder gesehen, da wir alle auf ganz andere Schulen gehen. Außerdem finde ich, dass man für so eine wichtige Entscheidung in der vierten Klasse zu jung ist.

Stefanie Heinrich, 14 Jahre, aus Rathenow

Ich bin für eine gemeinsame Schule bis zur 10. Klasse, weil so der Amtsaufwand weniger wird. Viel wichtiger ist jedoch ein zentrales, also von der Bundesregierung gesteuertes, Bildungssystem, so dass alle Schüler die gleichen Lernvoraussetzungen haben. Ein Problem dieser "Schule für alle" könnte vielleicht der große Altersunterschied sein, so wie es schon manchmal bei unserer Grundschule (1.-6. Klasse) war.

Mia Sophie Specht, 11 Jahre, aus Lübeck

Ich fände es nicht so toll, bis zur 10. Klasse zusammen zu bleiben. Denn wenn man im Tempo der Langsamen lernen würde, würden die Klügeren nicht genug gefördert werden. Anders herum würden die Schlechteren jedoch nicht mitkommen. Man sollte sich nach der 4. oder 6. Klasse trennen, aber denen, die wollen und die Leistung auch erbringen können, die Möglichkeit geben, umzuschulen und dann Realschulabschluss bzw. Abitur zu machen.

Verena Merkel, 13 Jahre, aus Nürnberg

Die Idee, gemeinsam bis in die 10. Klasse zu gehen, finde ich gut, denn es würde allen die gleichen Chancen geben. In nordischen Staaten wurde so etwas ja schon eingeführt.

Wenn schon in der 4. Klasse entscheiden werden muss, auf welche Schule man dann geht, kann man doch noch nicht wissen, ob man vielleicht doch mehr kann, als man bisher gezeigt hat. So kann man mit zehn Jahren kaum mitbestimmen, auf welche Schulart man geht, denn das entscheiden in den meisten Familien sowieso die Eltern. Ich selbst war gut genug in der Grundschule, so dass es keine Frage war, auf welche Schule ich gehe. Viele mussten jedoch lange überlegen, bis sie eine Entscheidung getroffen hatten. Müsste man sich erst mit etwa 16 Jahren entscheiden, wäre man wesentlich selbstständiger und wüsste, was für einen das Beste ist.

Vielleicht würde die nicht so guten Schüler mehr gefordert werden. Der Unterricht wäre bestimmt auch breiter gefächert. Außerdem gibt es heutzutage immer noch Sprüche wie: "Die Gymnasiasten lernen ja nichts fürs Leben". Was natürlich nicht so stimmt. Aber alle wären irgendwie gleichberechtigter. In einigen Bundesländern wurde, wie auch bei uns in Bayern, das G8 (achtstufiges Gymnasium) eingeführt. Ich bin nicht davon betroffen, aber die Jüngeren sitzen viel länger in der Schule oder an den Hausaufgaben, während zum Beispiel Hauptschüler schon Freizeitaktivitäten nachgehen können. Es würden keine so klaren Trennungslinien mehr herrschen, wenn man gemeinsam in die Schule ginge.

Laura Hoffmann, 12 Jahre, aus Berlin

Ich finde die Idee blöd, denn die herausragenden Schüler würden sich sicher langweilen.

In Berlin geht man bis zur 6. Klasse zur Grundschule und muss sich dann für den weiteren Schulverlauf entscheiden. Aber wenn man sehr gut ist, kommt man nach der 4. Klasse aufs Gymnasium und überspringt dann die 8. Klasse. Diese Variante finde ich viel besser.

Sophie Burgman, 12 Jahre, aus Reinbek

Ich finde es schon gut, dass man durch das längere Zusammenbleiben "Spätzündern" eine Chance gibt. Aber wenn man bis zur 10. Klasse zusammen bleibt, muss man ja immer auf die anderen achten. Also wenn der eine es noch nicht verstanden hat, müssen die anderen es auch noch mal machen. Deshalb fände ich es gut, wenn man vielleicht nur bis zur 8. Klasse zusammen bleibt. In Österreich ist das nämlich auch so. Da gehen sie alle auf die "Hauptschule", nehmen aber hauptsächlich das durch, wie jedes Gymnasium auch.

Was haltet ihr von der Idee, die Gemeinschaftsschule einzuführen? Diskutiert das Thema in unserem Pinboard "Gemeinschaftsschule"!

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