Zorbing - ein Abenteuer in einer Plastikkugel

Wie verrückt muss jemand sein, der sich in einer riesigen Plastikkugel einsperren und einen Hang runterschubsen lässt? Wir haben uns in den Zorb gewagt und den ultimativen Freizeitspaß für euch ausgetestet. Wie es war, lest ihr hier
In diesem Artikel
Schläge und ein Wurstbrötchen

Hoch oben auf einem Hügel glitzert ein unbekanntes Objekt in der Sonne. Bei näherem hinsehen stellt sich heraus: Es ist eine riesengroße, durchsichtige Plastikkugel - der Zorb! Darin kann jeder, der verrückt genug ist, den Berg herunterkullern. Genau so, wie ich es vorhabe. Nur: So langsam macht sich in meinem Magen ein leicht mulmiges Gefühl breit.

Eine 12-Meter-Rampe

Bernd ist der Veranstalter des Events und Zorb-Profi. Er steht zusammen mit einigen anderen Zorbonauten auf dem Feld. Die Zorbonauten (so darf sich jeder nennen, der schon mal in der Kugel war), machen Trockenübungen auf ebener Fläche. Sie laufen im Zorb. Das sieht lustig aus und gar nicht so schwierig. Aus der Nähe betrachtet wirkt auch der Hügel nicht mehr so hoch - ich fühle Erleichterung. Allerdings nur bis ich mich umdrehe und die steile Rampe auf dem Hügelkamm erspähe. "Die habe ich extra gebaut", erzählt Bernd. "Sonst wäre der Hügel nicht steil genug und der Zorb nicht schnell genug." Meine Erleichterung schwindet erstaunlich schnell.

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Der Zorb ist eine riesige Plastikkugel, so hoch wie zwei zwölfjährige Kinder übereinandergestellt. Im Innern des Zorbs befindet sich noch eine kleinere Kugel, die Zorbonauten-Kabine. Die dicke Luftschicht zwischen den beiden Kugeln schützt die Insassen vor dem Aufprall

"Mit Anlauf geht's schon"

"Die Trockenübungen auf ebenem Boden können doch gar nicht so schwierig sein", denke ich. Das Einsteigen in den Zorb dagegen ist es. Eigentlich ist es eher ein Hineinhechten. "Du musst Anlauf nehmen und mit dem Kopf voran hineinspringen", weist Bernd mich an. Gesagt, getan. Und schon klatsche ich wie ein Mehlsack gegen die Öffnung und plumpse auf die Wiese. Aber echte Zorbonauten geben nicht so leicht auf. Und immerhin; beim zweiten Versuch treffe ich die Öffnung und nach einigem Ächzen und Stöhnen schaffe ich es dann auch noch ins Innere. Die Innenkugel, in der ich mich befinde, hängt frei in der Luft. Gehalten wird sie nur von hunderten, jeweils gegenüber liegenden, bunten Schnüren, die sich gegenseitig spannen.

Die ersten Schritte

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Wie ein Hamster im Laufrad! Im Zorb zu gehen ist gar nicht so einfach ...

Ich versuche, mich aus der Rückenlage in die Senkrechte zu stemmen - aber immer und immer wieder lande ich nur auf dem wabbeligen Plastik. Aber echte Zorbonauten geben nicht so leicht auf. Und einige anstrengende Minuten später habe ich das puddingartige Plastik besiegt: Ich stehe aufrecht und laufe - im Zorb! Ich fühle mich ein wenig wie ein Hamster im Laufrad. Wie ein sehr glücklicher Hamster. Leider sind das für einen echten Zorbonauten nur Trockenübungen. Der Hügel wartet.

Schläge und ein Wurstbrötchen

Es ist soweit. Der Zorb liegt ganz oben auf der Rampe und wartet auf mich. Ich steige aufgeregt den Hügel hoch. Hineinspringen und anschnallen funktionieren inzwischen schon ganz gut. Bernd steckt seinen Kopf noch mal zu mir in den Zorb. Er müsse mich jetzt noch auf etwas hinweisen. Ich solle mich nicht über den harten Schlag auf den Rücken wundern, das sei ganz normal. Und schon verschwindet er wieder. Frank und Harald, ihres Zeichens Zorb-Anschubser, rollen mich schon an die Kante der Rampe. Ein Schubs und ich kneife die Augen zu. Hatte ich nicht eigentlich Höhenangst! Hätte ich das Wurstbrötchen heute Morgen doch nicht essen sollen?

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Ein Schubs und schon geht es mit bis zu 30 Stundenkilometern den Hang runter. Gut angeschnallt natürlich mit Fuß-, Bauch-, Schulter- und Handgurten. 150 Meter rollt der Zorb; das Ganze dauert nur rund 20 Sekunden

Das Auge des Orkans

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Überlebt und glücklich! So sieht ein Zorbonaut nach dem Run aus

Mir bleibt die Luft weg. Das muss der Schlag gewesen sein, von dem Bernd gesprochen hat. Es fühlt sich doch ein wenig so an wie mit einem Holzbrett verprügelt zu werden - und das jedes Mal, wenn der Zorb etwas hüpft und dann wieder auf den Boden knallt. Ich zwinge mich, die Augen aufzureißen. Und verliere erst mal völlig die Orientierung. Um mich herum wirbeln ein himmelblauer und ein grasgrüner verschwommener Streifen. Ungefähr so stelle ich mir das Innere eines Orkans vor. Augen lieber wieder zumachen - oder doch wieder auf? Wird mir gerade schlecht? Noch ein letzter Schlag auf den Rücken und plötzlich dreht sich der grün-blaue Wirbelsturm um mich herum nur noch in Zeitlupe. Immer langsamer und langsamer und ich bete: Hoffentlich bleibe ich nicht Kopfüber stehen. Aber der Zorb ist gnädig und ich lande bequem in Rückenlage. Insgeheim bedanke ich mich bei Andrew Akers, dem Neuseeländer, der den Zorb vor zehn Jahren erfunden hat. Ich komme wieder!

Lust bekommen?

Wer von euch jetzt am liebsten auch unter die Zorbonauten gehen möchte findet die notwendigen Infos und Termine hier: www.zorb.de.

Ein Run, das heißt einmal im Zorb den Hügel runter, kostet 25 Euro. Kinder dürfen ab 14 zorben, wenn ihr unter 16 seid, braucht ihr auch noch eine Einverständniserklärung von euren Eltern.

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