So isst die Welt

Jeder Mensch muss essen, so viel steht fest. Was auf den Tisch kommt, kann aber von Land zu Land sehr unterschiedlich sein. Roher Fisch, eine Hand voll Hirsebrei oder Papas Pizza - GEOlino hat bei sechs Familien auf fünf Kontinenten über den Tellerrand geschaut
In diesem Artikel
2. Station: Tschad
3. Station: USA
4. Station: Grönland
5. Station: Bhutan
6. Station: Italien

1. Station: Ecuador

Supermarkt, Kühlregal, Käsetheke sind Fremdwörter für Ermelindas Familie

"Wir sind arm, aber gesund", sagt Ermelinda. Sie lebt mit ihrem Mann Orlando und sieben ihrer Kinder in einem kleinen Bergdorf in den Anden Südamerikas, in einer Höhe von mehr als 3300 Metern. Einkaufen gehen kann man dort nicht - es gibt keinen Laden. Stattdessen baut die Familie ihre Lebensmittel selbst an, zum Beispiel Kartoffeln. Wenn die eigenen Vorräte aufgebraucht sind, geht es den Berg hinunter zum Wochenmarkt. Das freut vor allem die Kinder, denn dort gibt es auch die Blöcke aus braunem Rohrzucker zu kaufen, aus denen sich herrlich süße Bonbons brechen lassen.

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Viel Kartoffeln und Gemüse, doch weder Fleisch noch Fisch: die Wochenration von Ermelindas Familie. Alle warmen Mahlzeiten werden auf einem offenen Holzfeuer gegart. Dessen Ruß hat sich als schwarze Schicht auf die Wände der Hütte gelegt

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Was das eigene Feld nicht hergibt, wird auf dem Wochenmarkt gekauft, unten im Tal. Um die Einkäufe zu transportieren, müssen sich Ermelinda und Orlando ein Pferd leihen

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Weitere Fotos findet ihr in dem Buch: So isst der Mensch. Erhältlich auch imGEO Webshop

Mehr über den Fotografen Peter Menzel erfahrt ihr auf seiner Website: http://menzelphoto.com/hungryplanet/

2. Station: Tschad

Karge Flüchtlingskost: Statt Milch und Mangos gibt es täglich Hirsebrei

Regelmäßig geht der 16-jährige Abdel Kerim zur Verteilstelle und holt die für ihn und seine Familie bestimmten Nahrungsmittel ab. Meist gibt es nur Hirse. Daraus wird ein dicker Brei namens "Aiysch" gekocht - Arabisch für "Leben". Abdel Kerim lebt mit seiner Mutter und den vier Geschwistern in einem Flüchtlingslager im Tschad in Zentralafrika. Sie mussten wegen des Bürgerkriegs ihre Heimat Sudan verlassen. Dort besaß die Familie neben Ackerland eine eigene Kuh und zehn Mangobäume. Abdel Kerim hofft, bald heimkehren zu können.

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Hirse und Mais sind die Hauptnahrungsmittel für Abdel Kerim (rechts) und seine Familie, dazu ein paar Früchte, Öl und Zucker. Das ist nicht viel - aber besser als zu hungern

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Einheitsbrei: Morgens, mittags und abends rührt Abdel Kerims Mutter "Aiysch" an, auf einem offenem Feuer direkt vor dem Zelt, in dem die Familie im Lager lebt

3. Station: USA

Luxusprobleme: Wo Papas Pizza mit Maisfladen der Großmutter konkurriert

Wenn der fünfjährige Brian Fernandez aus Texas im Supermarkt vor den prall gefüllten Regalen steht, fällt ihm die Entscheidung schwer. Bei der Frage nach seinem Lieblingsgericht aber muss Brian nicht lange überlegen: Pizza! Wie gut, dass sein Vater Lawrence nicht nur gelernter Koch ist, sondern auch Chef einer Pizzeria. Am Wochenende jedoch gibt es Tortillas. Das sind Teigfladen aus Maismehl, eine Spezialität aus Mexiko, der alten Heimat von Familie Fernandez. Oma Alejandrina backt sie zusammen mit ihren Enkeln.

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Die Qual der Wahl! Vor dem Supermarktregal kann sich Brian kaum entscheiden, so groß ist die Auswahl an Müsliriegeln

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Groß und bunt: was Familie Fernandez in einer Woche verputzt. Ein Problem ist der Haufen von Verpackungsmüll

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Selbst beim Mittagessen - Pommes und fritiertes Huhn - gibt es die Limonade aus dem Pappbecher

4. Station: Grönland

Zum Einkaufsbummel mit dem Hundeschlitten

Draußen vor der Tür heulen die 26 Schlittenhunde mit dem Schneesturm um die Wette. Drinnen wohnt die Familie von Emil Madsen, einem Jäger vom Volk der Inuit. Zwar ist das Holzhaus in Kap Hope, 440 Kilometer nördlich des Polarkreises, modern eingerichtet. Doch wenn Emil mit dem Hundeschlitten auf die Jagd nach Walrossen und Robben geht, tut er das wie Generationen von Inuit vor ihm. Schon die Kinder lernen, den Schlitten zu lenken. Den braucht man in Grönland nämlich nicht nur zur Jagd. Damit werden auch alle Einkäufe erledigt: Es gibt so gut wie keine Straßen.

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Das Fleisch, das bei Madsens auf den Tisch kommt, stammt von Seevögeln, Walrossen und Moschusochsen. Früher ernährten sich die Inuit von kaum etwas anderem, inzwischen gibt es auch in Grönland gut bestückte Supermärkte

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Zum Anbeißen lecker scheint der zehnjährige Julian den kalten, rohen Fisch zu finden, den seine Tante geangelt hat

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Doch bevor sie den Köder, ein Stück Seehundspeck, auswerfen konnte, musste sie erst ein Loch in das 1,20 Meter dicke Eis schlagen

5. Station: Bhutan

Bei Familie Namgay kommt Fleisch nur einmal im Jahr auf den Tisch

Von der Decke baumelt eine Glühbirne: der ganze Stolz von Familie Namgay. Ihr Heimatdorf Shingkhey im Himalaya wurde erst vor kurzem ans Stromnetz angeschlossen. Jetzt müssen die Namgays nicht länger im Halbdunkel sitzen, wenn es zum Abendbrot Reis mit Curry und Chili, Käse und Gemüse gibt. Als gläubige Buddhisten töten die Namgays keine Tiere. Fleisch gibt es nur zum Puja-Fest, wenn wandernde Mönche ins Haus kommen und die bösen Geister vertreiben. Dann wird das ganze Dorf eingeladen und ein Schwein zubereitet.

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Mit ihrer Wochenration haben sich die Namgays im reich verzierten Gebetsraum ihres Hauses versammelt

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Das Obst und Gemüse gibt es zum Beispiel auf dem Markt von Wangdi Phodrang zu kaufen, zwei Fußstunden von Shingkhey entfernt

6. Station: Italien

Fisch gibt es vor der Haustür, aber selten im Kochtopf.

Giuseppe Manzo ist Fischverkäufer, sein Leibgericht ist Fisch. Pech, dass zu Hause in Palermo auf der Insel Sizilien Giuseppes Frau Piera kocht. Denn der kommt nur ungern in die Küche, was Flossen hat. Darin ist sie sich mit ihren Söhnen Domenico und Pietro ziemlich einig. Bei denen sind eher Spaghetti Bolognese angesagt oder auch Hot Dogs. Allenfalls Maurizio, mit zwei Jahren das jüngste Familienmitglied, gerät nach dem Vater: Er mag gern Fischstäbchen. Flossen haben die aber auch nicht.

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So sieht der Esstisch bei Familie Manzo aus

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