Krimi-Schreibwettbewerb

In der Juliausgabe von GEOlino wurdet ihr aufgerufen, einen Krimi zu Ende zu schreiben. Jetzt stehen die fünf Gewinnergeschichten fest - und hier könnt ihr sie lesen
In diesem Artikel
Annika Brieber (14 Jahre): Detektiv Schnuffel ermittelt: Auch Gespenster haben Hunger
Anna Leitz (13 Jahre): Die Obstmeuterei
Annika Seidel (13 Jahre): Vertrauen ist alles
Laura Foell (11 Jahre): Die Hasenbande

Der Anfang des Krimis war bereits vorbegeben:

Als der Chefkoch Eugen Krüger die Tür zur Kühlkammer öffnete, traute er seinen Augen kaum. Wo gestern noch 500 Portionen Obstsalat in den Regalen gestanden hatten, fand Krüger nur gähnende Leere vor – und einen zusammengefalteten Zettel. Darauf stand...

Josh Widera (13 Jahre): Dr. Albaum – Und das Verschwinden des Obstsalates

...nichts. Das wunderte Eugen Krüger doch sehr: "Warum sollte jemand einen Zettel hinterlassen, auf dem nichts steht?", nuschelte er in seinen Bart und dann dachte er: "Aber selbst "nichts" kann für die richtigen Augen bereits eine Spur sein...".

Genau diese Augen wurden zehn Minuten später im Hause ihres Besitzers, Dr. Matthias Albaum, aufgerissen, weil dieser wegen des Klingelns seines Telefons seinen täglichen Mittagsschlaf unterbrechen musste. Dr. Albaum erhob sich aus seinem Sessel, wobei die Decke, mit der er sich gerade noch zugedeckt hatte, lautlos zu Boden fiel. Dr. Albaum stieg mit einem großen Schritt über die Decke hinweg, darauf achtend nicht auf sie zu treten, und nahm den Telefonhörer von der Gabel. Im folgenden Gespräch schwieg Albaum weitgehend, hin und wieder sagte er "Mhh", oder "Aha", einmal musste er auch unterdrückt gähnen und kurz bevor er auflegte, sagte er noch: "Ich verstehe...Ja... Ja, ich werde persönlich vorbei kommen. Schönen Tag noch!"

Er setzte sich erneut in seinen Sessel, hob die Decke wieder auf und dachte nach... Fünf Minuten später erhob er sich wieder und schritt abermals zum Telefon. Er wählte eine Nummer (übrigens die einzige Nummer, die er auswendig kannte) und wurde verbunden. Er sprach mit seinem Gehilfen Martin Verg. Kaum war eine halbe Stunde vergangen, machte dieser sich mit einem stürmischen Klingeln an der Tür bemerkbar.

"Kommen Sie rein, Herr Verg, die Tür ist offen!" "Oh, danke schön", sagte Verg und trat ein. Nachdem er seinen Mantel in den Flur gehängt hatte, stapfte er weiter in das geräumige Wohnzimmer des Herrn Dr. Albaum. Dieser saß inzwischen wieder in seinem Sessel und putzte liebevoll seine Brille.

"Warum wollten Sie mich unbedingt sprechen? Haben Sie einen neuen Fall?" "Das habe ich in der Tat, Herr Verg, und ich glaube, ich werde Ihre Hilfe benötigen...Sind Sie mit dem Auto hier?" "Jawohl" "Gut,.. dann lasst uns keine Zeit verlieren, wir fahren zum Hilton-Hotel Hamburg!"

Dort angekommen, stiegen Dr. Albaum und Martin Verg aus dem Wagen, und gingen in den Eingangsbereich des Hotels. Sie wurden von einer Dame begrüßt: "Schönen Guten Tag! Sie müssen...Dr. Albaum sein?!" "Das ist korrekt." "Guten Tag, ich bin Martin Verg!" "Freut mich, Sie beide endlich kennen zu lernen, mein Name ist Katharina Beckmann, ich bin die Hotel-Managerin. Doch ist der Anlass, weswegen wir uns kennen lernen, nicht gerade angenehm. Ich nehme an, Sie sind bereits informiert?" "In der Tat", sagte Dr. Albaum, "Wir würden uns gerne ein Bisschen umsehen... wenn Sie uns also entschuldigen würden?" "Aber natürlich!" Mit diesen Worten machte Frau Beckmann eine ausschweifende Handbewegung und entfernte sich.

Während sich Albaum und Verg in die Lobby begaben, beauftragte Dr. Albaum seinen Assistenten die Hotelgäste zu überprüfen.

Nach einiger Zeit gesellte sich Martin Verg wieder zu Dr. Albaum und erstattete Bericht: "Die einzigen beiden Hotelgäste, die sich zur Tatzeit im Hotel aufhielten und kein Alibi haben, sind Barbara Lich und Stefan Greschik." "Mhh,... irgendwelche Auffälligkeiten bei Beiden?" "Sie erschienen mir Beide etwas suspekt. Aber da ist noch jemand, der in Frage käme..." "Ja?" "Ich konnte noch nichts über sie herausfinden, ihr Name ist..." In diesem Moment näherte sich eben jene Dame dem Tisch: "Gestatten Sie mir, dass ich mich selbst vorstelle: Sina Löschke, Kripo Hamburg." Damit reichte sie erst Dr. Albaum, dann Martin Verg die Hand und zeigte ihre Dienstmarke. "Ich wurde auf diesen Fall angesetzt, da es sich bei diesem Verbrechen möglicherweise um die Serientat einer kriminellen Bande handelt. Ich kann doch davon ausgehen, dass ich über alle Schritte und Erkenntnisse informiert werde?" "Davon können Sie ausgehen, ja." "Die Dame entfernte sich wieder. "Herr Verg, ich denke, wir sehen uns jetzt den Tatort an", meinte Dr. Albaum und stand auf. Martin Verg lief ihm eifrig hinterher.

Nach der Tatortbesichtigung telefonierte Dr. Albaum. Als er zurückkam, fassten die beiden Detektive bei einem starken Kaffee noch einmal die Tatsachen zusammen. "Was halten Sie von dem unbeschriebenen Blatt Papier, Herr Dr. Albaum?" "Nun, bisher eigentlich noch gar nichts", sagte er nach einem langen Atemzug. "Sagen Sie, Herr Verg", sagte er dann, würden Sie einem der bisher Verdächtigen die Tag zutrauen?" "Ich bin unschlüssig...". Da näherte sich Sina Löschke und fragte die Beiden: "Na, was ist los?! Sie werden doch wohl nicht gleich aufgeben! Wie wäre es, wenn wir nun gemeinsam die Zimmer der möglichen Täter durchsuchen?" Damit stand Dr. Albaum auf und half auch seinem Kollegen auf. Sie verließen den Speisesaal und begaben sich zu dritt zu den Zimmern.

Im Zimmer von Barbara Lich fanden sie rein gar nichts, was in irgendeiner Weise verdächtig gewesen wäre.

Im zweiten Zimmer war es ähnlich: Nachdem Dr. Albaum den Eingangsbereich und das Badezimmer angesehen hatte, machte er sich am Bett zu schaffen. Er untersuchte die Decken, Kissen, Bettlaken und den Bettkasten mit penibler Genauigkeit, damit ihm nichts entgehen konnte – so wie er es immer tat. Als er sich gerade den Nachttisch und die darauf liegenden Gegenstände – eine GEOlino-Zeitschrift, eine Nachttischlampe und eine Lesebrille – genauer anschaute, rief Sina Löschke vom Eingangsbereich aus: "Herr Dr. Albaum, Herr Verg, kommen sie mal bitte kurz?" "Haben Sie etwas gefunden?", fragte Herr Dr. Albaum stutzig. Sina Löschke hielt eine Schüssel Obstsalatschüssel in die Höhe: "Damit hätten wir wohl Stefan Greschik eindeutig als Täter überführt!" "Ja, da haben Sie wohl recht!", sagte Verg, "Und dabei dachte ich immer, Herrn Dr. Albaum würde nichts entgehen, und... dort haben sie doch vorhin schon geschaut, nicht wahr, Herr Dr. Albaum?" Matthias Albaum nickte nachdenklich. "Sie müssen es wohl übersehen haben", meinte Sina Löschke, "Kommen Sie! Die Kollegen warten unten bereits."

Während die Drei die Treppe hinuntergingen, sagte Dr. Albaum leise flüsternd zu Martin Verg, er solle doch bitte noch einmal überprüfen, wie lange die einzelnen Hotelgäste bereits im Hilton-Hotel wohnten. "Sie glauben also nicht an die Schuld dieses Herrn Greschik?", fragte Verg. "Beeilen Sie sich einfach! Es könnte sehr wichtig sein, denn wenn sich mein Verdacht bestätigen würde, dann... Beeilen Sie sich einfach, ich erkläre es Ihnen später." Herr Verg eilte die Treppe hinunter und durch die Lobby bis zum Gästebuch. Erst dann gönnte er sich eine Verschnaufpause.

In der Zwischenzeit erklärte Frau Löschke den Polizeibeamten den Sachverhalt. Stefan Greschik, der laut Unschuldsbeteuerungen von sich gab, wurden kurz darauf die Handschellen angelegt. Doch Dr. Albaum unterbrach die Beamten beim Handschellenanlegen, Greschik beim Widersprechen und Sina Löschke beim Lächeln.

Er sagte: "Darf ich wohl noch meine Theorie vortragen: Ich denke, der wahre Täter... sind Sie, Frau Löschke!" "Ach, kommen Sie schon Herr Albaum! Das ist doch lachhaft!", rief sie. "Durchaus nicht!", entgegnete Dr. Albaum ruhig, "Sie wurden als Einzige nicht überprüft und Sie haben alle Schritte von uns gut überwacht. Dann, als wir die Zimmer durchsuchten, war ich mir ganz sicher, dass ich im Eingangsbereich nichts übersehen hatte, folglich ... müssen Sie die Schüssel nachträglich dorthin gelegt haben. Dann haben Sie sie ganz unauffällig "entdeckt" und Stefan Greschik "überführt"! "Das sind doch alles nur Anschuldigungen!", rief Sina Löschke. In diesem Moment erschien Verg an der Seite des Detektivs und überreichte ihm einen Zettel. Dr. Albaum überflog die ersten Zeilen, dann hellten sich seine Augen auf: "Aha, da haben wir doch schon: Sie, Frau Löschke, hatten uns erzählt, dass Sie von der Polizei für diesen Fall eingesetzt worden waren. Hier steht allerdings, dass Sie bereits zwei Tage vor dem Verbrechen im Hilton-Hotel ankamen... Wenn Sie also bereits von einer möglichen Aktion gewusst hatten, warum haben Sie die Tat dann nicht vereitelt? Außerdem habe ich vorhin bei Ihrem Vorgesetzten angerufen: Der sagte, Sie seien im Urlaub!"

"Na gut, ich gestehe: Ich konnte nicht widerstehen und hab alle Obstsalatportionen aufgegessen." "Alle 500?", fragte Verg ungläubig. Sina Löschke nickte.

"Aber, eines verstehe ich immer noch nicht," sagte Verg zu Dr. Albaum, "Was hatte es mit dem leeren Blatt Papier auf sich?" Frau Löschke mischte sich ein: "Ich wollte noch etwas darauf schreiben, aber dann hatte ich ... eine Art Schreibblockade. Das passiert mir häufig, wissen Sie." Damit wurde sie in den Streifenwagen geschoben.

"Naja", meinte Herr Verg, "Ende gut, alles gut" Dr. Albaum lachte: "Noch nicht ganz: Mein Magen knurrt. Wie wäre es, wenn ich Sie einlade? Auf eine Portion Obstsalat?"

Annika Brieber (14 Jahre): Detektiv Schnuffel ermittelt: Auch Gespenster haben Hunger

... "Auch Gespenster haben Hunger"

In dem Moment, als Krüger das gelesen hatte, stellten sich seine Nackenhaare auf, und plötzlich war es ihm, als würde er beobachtet. Hektisch schaute er sich um, konnte aber niemanden entdecken. Mit weichen Knien machte er sich auf die Suche nach dem nächsten Telefon.

Franz Schnuffel Privatdetektiv und leidenschaftlicher Korkenziehersammler, war gerade dabei, hingebungsvoll seine kleinen Lieblinge abzustauben, als das Telefon schrillte. Fluchend – er wurde bei dieser Tätigkeit nicht gern unterbrochen – schleuderte er den Lappen beiseite und durchwühlte den zentimeterhohen Belag aus Akten und Fakten, der seinen Schreibtisch bedeckte, auf der Suche nach dem klingelnden Ruhestörer. Schließlich hatte er ihn gefunden und nahm den Hörer ab.

Etwa eine Viertelstunde später saß er in seinem Auto und war auf dem Weg zum Hotel. Er hatte seine Dienst- und gleichzeitig Lieblingskrawatte angelegt, dunkelblau mit dezentem Korkenziehermuster. Schon den ganzen Tag hatte es geregnet, und durch die Schlieren, die die fetten Tropfen hinterließen, wenn sie an den Fenstern herunterrannen, blinken ihm die rote Ampel und die Bremslichter seines Vordermannes hämisch zu. Seine Scheibenwischer quietschten entsetzlich. Ungeduldig trommelte der Detektiv mit den Fingern auf das Armaturenbrett.

Als er schließlich seinen recht beachtlichen Bauch über den Rezeptionstresen schob, stürzte ihm fast das gesamte Hotelpersonal entgegen und redete auf ihn ein. Dabei entstand ein ziemlicher Tumult in der Eingangshalle, weil jeder zuerst von ihm erhört werden wollte.

"...ruiniert das gesamte Geschäft!", wimmerte ein langer Lulatsch mit Tränensäcken unter den Augen und tellergroßen Händen, die an die eines Maulwurfs erinnerten. "Alles Aberglaube, alles Aberglaube!", keifte eine große, etwas beleibte Frau mit silbernen Ringellöckchen. Und eine kleine, dürre Dame mit grauer, wild zu allen Seiten abstehender Haarmähne und Hornbrille erklärte ihm wild gestikulierend etwas, was klang wie "...frisst kleine Kinder, verstehen Sie?"

Nachdem die erste Überraschung überwunden war, schaffte es Schnuffel ganz allmählich, sich Gehör zu verschaffen. Zuallererst verlangte er nach dem Geschäftsführer. Er hatte Herrn Schlotter schon einmal bei einem früheren Fall kennen gelernt, und mit ihm allein ließ sich das Ganze bestimmt besser regeln. Doch ihm wurde mitgeteilt, dass der Geschäftsleiter den ganzen Tag über auswärts beschäftigt war und erst abends zurückkehren würde. Von dem Vorfall und der ganzen Aufregung hier wusste er noch nichts. Also musste Schnuffel sich mit dessen Stellvertreter, dem Maulwurfsmenschen, zufrieden geben und nach etwa einer Stunde hatte er sich dann auch schon einen etwas detaillierteren Überblick über den Stand der Dinge verschafft: Wie ihm der Chefkoch am Telefon schon mitgeteilt hatte, war über Nacht der gesamte Obsalat-Vorrat des Hotels spurlos verschwunden, nur eine rätselhafte Botschaft war am Tatort zurückgelassen worden. Und jemand Unbekanntes hatte eine große Summe Geld an das Hotel überwiesen – zufällig genau im Wert des verschwundenen Obstsalates.

Nun kursierten in diesem Hotel allerdings schon seit langem Gerüchte über eine überirdische Erscheinung, und auch diesmal schrieb man die rätselhafte Begebenheit jemandem bestimmten zu; die Zimmermädchen scheuten sich, ihren Namen auszusprechen, und wenn sie es doch taten, dann nur hastig und flüsternd: Gräfin von und zu Hattenschall, bei den Küchenjungen einfach nur "die Alte Lady" genannt. Die Alte Lady war berüchtigt dafür, nachts durch die einsamen, menschenleeren Korridore des Hotels zu schleichen und dabei vor sich hin zu murmeln; schon zu Lebzeiten, das heißt also, bevor sie sich vor etwa 69 Jahren aus dem Fenster ihrer Suite im obersten Stock des Hotels stürzte, soll sie schon nicht ganz richtig im Kopf gewesen sein. Das war ja alles schön und gut, dachte sich Schnuffel, doch dass der Hausgeist auch etwas mit dem Verschwinden dieser riesigen Menge Obstsalat etwas zu tun haben sollte, erschien ihm dann doch etwas zu weit hergeholt. Auch die seltsame Nachricht des Täters konnte ihn da nicht überzeugen: Dass Gespenster ebenfalls Hunger haben, wollte er ja noch gar nicht abstreiten, aber dass sie auch mit einer Schreibmaschine umgehen können...?! Davon hatter er zumindest noch nicht gehört. Doch auch er musste sich eingestehen, dass die Art, wie der Salat abhanden gekommen war, doch sehr merkwürdig erschien. Alle Türen am Tatort waren zum Zeitpunkt des Geschehens abgeschlossen gewesen. Und nirgends waren Spuren von Gewaltanwendung, beispielsweise die eines Brecheisens, zu entdecken. Ein wenig unheimlich war das schon.

Die Erkenntnis traf ihn dann so unerwartet, dass er laut und erleichtert auflachte. Beinahe hätte er doch tatsächlich ein paar Ammenmärchen mehr Gehör geschenkt, als seinem gesunden Menschenverstand! Schnell erläuterte er den anderen Anwesenden – die Versammlung war übrigens inzwischen von der Eingangshalle in Schlotters vorübergehend verwaistes Büro verlegt worden – seine Theorie: Jemand war ganz einfach mit einer Leiter die Außenwand des Hotels hinaufgeklettert und durch das Fenster in den kleinen Vorraum der Kühlkammer eingestiegen. Von dort trennte einen nämlich nur noch eine (aus Sicherheitsgründen) unverschließbare, isolierte Schiebetür von den Vorräten. Auf demselben Weg hatte die Beute dann das Hotel auch verlassen.

Der größte Teil des Personals schien überzeugt und auf vielen Gesichtern machte sich schon ein zufriedenes Lächeln breit, da meldete sich plötzlich die klapprige, hagere Frau mit Einstein-Frisur, die Schnuffel schon gleich zu Anfang aufgefallen war, zu Wort. "Der Regen!", hauchte sie, und ihr Blick hinter den dicken Brillengläsern flackerte. "Der Regen hat die Erde aufgeweicht! Es müssten Fußspuren zu finden sein, oder zumindest die Abdrücke einer Leiter! Aber die gibt es nicht!" Sofort war die Stimmung wieder ernst, und viele nickten zustimmend. Da wusste auch Schnuffel nichts mehr zu erwidern. Sollte es letztendlich darauf hinauslaufen, das der Täter schwebend... "Schluss jetzt!", brüllte der Detektiv so laut, dass alle erschrocken zusammenzuckten "Wir werden dieser Sache auf den Grund gehen! Jeder Täter kehrt einmal in seinem Leben an seinen Tatort zurück. Auch Gespenster! Und wenn wir Glück haben, passiert das schon heute nacht! Die Vorräte sind doch wieder aufgefüllt worden, oder? Gut. Diesmal werden wir vorbereitet sein!" Niemand traute sich, ihm zu widersprechen.

Und so lagen sie an diesem Abend in der Küche auf der Lauer. Schnuffel duckte sich zusammen mit Maulwurf, wie er den stellvertretenden Geschäftsleiter schon insgeheim getauft hatte, hinter die riesige Spülmaschine, und auch vom Backofen und dem Herd drangen ab und zu flüsternde Stimmen herüber; dort waren das Klappergestell mit dem irren Blick und noch einige andere positioniert, genau wie im Vorraum selber und unten im Hof. Zuerst hatte Schnuffel sogar daran gedacht, zur Komplettierung auch noch jemanden in der Kühlkammer selbst Stellung beziehen lassen, hatte diesen Gedanken dann aber schnell wieder verworfen. Sonst würde die Alte Lady demnächst noch Gesellschaft von einigen Eismumiengeistern bekommen...

Draußen vor den Küchenfenstern brach eine sternlose Nacht herein, und die Dämmerung senkte sich über den großen Raum. Die leisen Gespräche der Wartenden waren schon vor längerer Zeit eingestellt worden, und Schnuffel hatte den leisen Verdacht, dass die ersten schon im Reich der Träume weilten. Aber immerhin schnarchten sie nicht. Im Raum herrschte absolute Stille. Neben ihm kaute Maulwurf tief in Gedanken versunken auf seiner Unterlippe herum. Blitzblank geputztes Geschirr und Besteck in den Abtropfgattern glänzten seltsam fremd im Mondlicht. Die Zeit verstrich. Heute würde wohl niemand mehr kommen... Genau in diesem Moment ließ ihn ein grausiges Geräusch, das ein wenig an das Röhren eines liebeskranken und zudem stark asthmatischen Urzeitelchs erinnerte, aufschrecken. Es war von unten vom Hof gekommen und hatte wahrscheinlich einen Warnruf darstellen sollen, mit dem ein Posten signalisieren wollte, dass jemand das Hotel betreten hatte. Schnuffel verdrehte im Dunkeln die Augen. Wenn der Beschattete jetzt nur keinen Verdacht geschöpft hatte und wieder umgedreht war...!

Doch da hörten sie schon gedämpfte Schritte in der Eingangshalle, und wenig später schwang die Küchentür auf. Ein greller Strahl einer Taschenlampe zerschnitt die Dunkelheit, und der helle Lichtkegel hüpfte auf und ab, während sich der Jemand langsam und vorsichtig durch den Raum schlich. Als er sein Ziel, die Tür zum Vorraum und letztendlich auch zur Kühlkammer, auf der gegenüberliegenden Seite der Küche erreicht hatte, hielt er kurz inne. Schlüssel klirrten. Und vor dem gelben Schein der Lampe zeichnete sich schwarz wie ein Scherenschnitt eine Silhouette ab, man erkannte menschliche Umrisse, allerdings mit einem riesigen Buckel auf dem Rücken... In diesem Augenblick drückte das Klappergerüst mit der seltsamen Frisur wie vereinbart den Schalter an der Wand, und kaltes, weißes Neonlicht flammte auf. Im ersten Moment war der Detektiv noch zu geblendet, um irgendetwas Genaueres zu erkennen. Erst nach einigen Sekunden traute er sich wieder, seine Augen einen Spalt breit zu öffnen – um sie dann im nächsten Moment ganz aufzureißen. Vor der berüchtigten Tür stand, die Schlüssel in der Hand und einen leeren Müllsack über der Schulter (also doch kein Buckel),... Friedhelm Schlotter, der Geschäftsführer! Der kleine, etwas untersetzte Mann mit schütterem Haar und grauem Anzug blinzelte, überrascht im grellen Lampenlicht. Erst nach einer ganzen Minute brach er mit dünner, zittriger Stimme das verwirrte Schweigen: "Also gut, also gut. Äh, es ist doch eigentlich nur so: Ich mag Obstsalat."

Etwa eine halbe Stunde später hatte er ein volles Geständnis abgelegt. Das Verhör war gleich in der Küche abgehalten und von Maulwurf protokolliert worden. In seinem unstillbaren Hunger auf Obstsalat hatte der Geschäftsführer in der letzten Nacht mithilfe des Müllsacks die Kühlkammer leer geräumt. Da er ja die benötigten Schlüssel besaß, war das kein Problem gewesen. Er gab sogar zu, sein Verlangen sei so groß gewesen, dass er an die zehn Portionen schon direkt vor Ort verdrückt hatte. Letztendlich war er davon ausgegangen, die Gerüchte von der "Alten Lady" würden zusammen mit seiner Warnung auf dem Zettel die Furcht unter dem Personal ausreichend schüren, dass es während seiner Abwesenheit heute niemandem von außerhalb von dem Diebstahl erzählte. Und deshalb hatte er heute auch einen zweiten Coup wagen wollen.

Verhaftet hatte Schnuffel in dieser Nacht übrigens niemanden. Herr Schlotter war unter seinen Angestellten beliebt, und die erinnerten den Detektiv immer wieder daran, dass der Geschäftsleiter seine "Beute" ja bezahlt hatte. Dieser beteuerte mehrmals, dass es ihm aufrichtig Leid tue und er so etwas nie wieder tun wolle. So gab ihm Schnuffel eine zweite Chance. Obstsalat hat Schlotter übrigens nie wieder angerührt.

Und was das Hausgespenst betrifft: Die Alte Lady spukt bis heute durch die nächtlichen Flure und Korridore des Hotels. Und wenn man ganz leise ist, kann man sie eine Geschichte vor sich hinmurmeln hören; ebenjene Geschichte, die Du gerade gelesen hast.

Anna Leitz (13 Jahre): Die Obstmeuterei

... Ich kündige! Unter diesen Arbeitsbedingungen kann ich hier nicht arbeiten. Meine Verwandten Banana und Cherry wurden schon von den schleimigen Mündern der Menschen verschlungen. Nein, mit mir nicht! Der Obstalat.

"Oh nein! Eine Katastrophe! So viele Münder verlangen nach Obstsalat! Wir werden das Hotel dicht machen müssen!" dachte der verzweifelte Küchenchef. Sofort telefonierte er mit seinem Freund Dagobert Dünkelstein, der ein erfahrener Detektiv ist, um ihm von seiner miserablen Lage zu berichten. Dagobert entgegnete: "Ach Du meinst die 1000 von Bananen, Kirschen, Trauben, Erdbeeren, Apfelstücke, die mi dem Orangensaft heute morgen durch die Gassen von Düsseldorf geflossen sind. Sie wollten anscheinend Richtung Nordsee." "Oh nein, dann werde ich sie nie wieder kriegen, wenn sie ins Wasser gehen, finde ich sie nie mehr! Bitte suche sie für mich!" "Na klar, ich bin immer froh über neue Fälle."

Noch an diesem Tag machte sich Dagobert auf. Auf seinem langen Weg orientierte er sich vor allem an den Orangensaftresten, die an der Straße hängen blieben. Endlich konnte er die Karawane von Obst überholen und mit Autos, Steinen, Ziegeln und Lehm einen Wall bauen, der verhinderte sollte, dass die Obststücke den Weg ins Meer finden. Plötzlich trat die größte Traube aus der Mannschaft hervor und schrie: "Wieso verfolgst du uns? Bist du etwa ein Freund von diesem Küchenheini?" "Ja, das bin ich und ich werde euch einfangen!" Auf einmal kam der ganze Obstsalat auf Dagobert zugestürmt. Sie wollten ihn über den Wall ins Wasser stoßen. Im letzten Moment kam Dagobert die rettende Idee. Er sprang einen gewaltigen Satz zur Seite und das ganze Obst blieb am Wall hängen. Bis auf den Orangensaft, der floss durch die Ritzen zwischen Auto, Stein und Ziegeln. Der Orangensaft war zwar hin, aber nun konnte Dagobert das Obst einfangen, denn ohne Orangensaft war das Obst nur halb so stark. Das Obst weigerte sich jedoch in die Dosen einzusteigen, die Dagobert mitgebracht hat. Sie meinten: "Wenn wir schon wieder zu diesem Heini zurück müssen, wollen wir wenigstens noch zwei Wochen Urlaub!" "Ok, ok, wenn ihr mir versprecht, dann sofort in die Dosen einzusteigen!", entgegnete Dagobert. "Wir versprechen es!" Also fuhren sie mit der Fähre nach Amrum und machten dort zwei Wochen Urlaub.

Sie kamen so braungebrannt wieder zurück, dass dieser Obstsalat so gut wie nie zuvor schmeckte und die Gäste des Restaurants verdoppelten sich. Durch diese eigenartige Geschichte wurde übrigens auch das Dörrobst erfunden.

Annika Seidel (13 Jahre): Vertrauen ist alles

... Na Krüger, wie macht sich der neue Job; beschweren sich die Gäste schon, dass sie nicht ihren heißgeliebten Obstsalat bekommen?Ha, ha, ha Der Job wird wohl nicht lange halten, wenn man die Speisen seiner Gäste selbst isst. Ha, ha, ha. Naja, dann noch viel Spaß.

Krüger erschrak und tausende von Fragen schossen ihm in den Kopf: Wer konnte nur so etwas tun?, und wie?, die Tür war doch über Nacht fest verschlossen.

Aber was ihm noch mehr Sorgen machte: Wie sollte er an 500 Portionen Obstsalat drankommen. Es waren zwar noch drei Stunden bis zum Frühstück; doch ihm fehlten die Zutaten und alleine konnte er es auch nicht schaffen. Jemanden fragen...? Nein, das ging auch nicht, dass war ihm zu unheimlich, er war doch erst seit zwei Tagen angestellt und kannte doch noch keinen richtig. Zum Hotelchef gehen...? ...Nein, das ging auch nicht, er hatte sich doch nur gegen die etwa 30 anderen Bewerber durchsetzen können, da er immer viele gute Ideen hatte und auch vieles alleine schaffte. Außerdem konnte er den Brief doch nicht zeigen. Aber was sollte er tun?

Warum musste das auch immer ihm passieren, dachte er. Nochmals schaute er sich in dem Kühlraum um, da plötzlich auf dem untersten Regalbrett entdeckte er eine kleine Karte. Er nahm sie in die Hand, es war eine Visitenkarte. Wo hatte er so eine Karte nur bloß schon mal gesehen? Er grübelte und grübelte. Endlich, wie ein Blitz vom Himmel fiel es ihm ein: Er hatte doch einen guten, alten Freund, den Detektiv Santa Modrian. Ja, das war seine Chance. Ein schneller Blick auf die Uhr, zeigte ihm dass er noch zwei Stunden Zeit hatte, denn erst um 9 Uhr gab es Frühstück.

Schnell lief Krüger zum Telefon, nahm den Hörer ab und wählte die Nummer seines Freundes: "Modrian" meldete sich die Stimme seines Freundes. "Hallo, hier ist Eugen", flüsterte Eugen Krüger, "ich brauche deine Hilfe". "Was ist denn passiert", wollte Modrian gleich wissen. Mit kurzen Worten schilderte Krüger den Vorfall.

Nachdem Krüger aufgelegt hatte, wusste er nicht, ob ihm das Gespräch viel geholfen hatte. Denn Modrian hatte nur gemeint: er solle Ruhe bewahren, und auf keinen Fall auf die Visitenkarte eingehen und bei der Nummer anrufen. Denn angeblich legten viele Diebe eine Visitenkarte eines Anderen an ihren Tatort, um von sich selbst abzulenken. Eugen Krüger war sich da zwar nicht so sicher, aber er gehorchte.

Plötzlich schreckte er auf: die 9 Uhr Glocke zum Frühstück hatte geläutet. Oh nein, dachte Krüger, durch das lange Telefongespräch hatte er gar nicht auf die Zeit geachtet.

Schneebleich stürzte er in den Speisesaal. Aber was er da sah, verschlug ihm die Sprache. Dort saßen hunderte von Gästen an Tischen und die Kellnerinnen servierten Schüsseln mit Obstsalat. Eugen Krüger verstand gar nichts mehr. Schneebleich setzte er sich auf einen Stuhl.

Sofort kam ein junger Mann auf ihn zu, es war der Portier. Er fragte: "Herr, geht es ihnen nicht gut. Sie sind so bleich." "Ich...ich dachte, der Obstsalat wäre...ah, stotterte Krüger. "Was soll mit dem Obstsalat sein?", fragte der Portier. "Ich...ich dachte er...er wäre weg", antwortete Krüger. Der Portier prustete los, er konnte sich kaum noch halten vor Lachen. Da kamen auch die anderen Angestellten und sogar der Hotelchef. Alle lachten sie über ihn.

Krüger verstand nichts: er holte den Zettel aus seiner Jackentasche und hielt ihn hoch. "Und was ist das?", fragte er trocken. Das Lachen wurde noch lauter und noch lauter.

Endlich prustete der Hotelchef: "So lustig war unser "Neuangestellten-Streich" noch nie. Und schon wieder lachte er.

Schließlich klärte ihn einer der Köche auf: "Wenn hier jemand neu anfängt, wird ihm innerhalb der ersten fünf Tage ein Streich gespielt. Um ihn in unser Geschäft einzuweihen und damit er lernt, allen aus diesem Haus zu vertrauen. Denn hier arbeiten wirklich nur ehrliche Menschen.

Und wenn einem wirklich so etwas passieren sollte, wie, dass ihm etwas gestohlen wird oder so etwas ähnliches, soll er das Vertrauen haben, sich an einen von uns zu wenden.

"Ach, ach so", stotterte Krüger, als es ihm klar wurde; jetzt wurde er ganz rot im Gesicht. Endlich verstand er dass alles nur ein Streich war und konnte endlich mitlachen. Und sie lachten jetzt alle so laut, dass sich die Gäste schon wunderten. Schließlich rief einer der Gäste nach einer neuen Schüssel Obstsalat. Damit begann der normale Betrieb wieder. Jeder ging wieder an seine Arbeit, auch Eugen Krüger eilte mit den anderen Köchen in die Küche und es wurde ein lustiger Arbeitstag.

Jetzt hatte Eugen Krüger verstanden: Er konnte allen in diesem Haus vertrauen.

Laura Foell (11 Jahre): Die Hasenbande

... zusammengesetzt aus ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben:

Die Haasenbande had Zu geschlagen. Wier kämfen fir das Lebensrächt aller Stahlhaasen. Wen Sie sich bis heude 10.00 Uhr in einer öfentlichen Bekanndmachung oder Bressemitteilung bereid erkleren, ab soffort Haasenbraden von Ihren Speißekarden zu straichen, deilen wir Ihnen uhmgehend mit, in welchem Kühlhaus Ihr Obstsalad abgeholt werden kann. Andern Falls wird die Külung abgeschaldet. Wir schärzen nicht!

Eugen Krüger wusste nicht, ob er weinen oder lachen sollte. Von einer Hasenbande hatte er noch nie etwas gehört. Sollte er auf die Forderung der Obstsalatentführer eingehen oder nicht? Oder sollte er die Polizei verständigen?

Herr Krüger entschied sich, die Hotelleitung zu verständigen. Kurz darauf erschien Herr Berger, stellvertretender Hotelmanager des Hilton Hotels in Düsseldorf, in der Kühlkammer. Der arme Mann schwitzte in seinem eleganten dunklen Anzug gar fürchterlich vor lauter Aufregung. "Herr Krüger!" rief er schon von weitem, "was soll der Blödsinn? Kein Mensch entführt Obstalat; es kann sich doch nur um einen üblen Scherz handeln!" "Tja", meinte der Chefkoch, "Tatsache ist, dass 500 Portionen Obsalat samt Rollwagen fehlen. Und dies ausgerechnet heute, wo wir die japanische Delegation zu Gast haben. Wie soll ich denen das nur erklären?"

"Vielleicht sollten wir einfach auf die Forderungen der Entführer eingehen", überlegte der Chefkoch laut. "Ich denke, dass ich Hasenbraten nicht unbedingt auf der Speisekarte haben muss." "Ja, das wäre schon die Lösung", meinte der stellvertretende Hotelmanager, der sich zwischenzeitlich im Kühlhaus etwas aufgefrischt hatte. "Andererseits, man kann sich doch von solchen Verbrechern nicht erpressen lassen, vielleicht sollten wir doch lieber die Polizei verständigen?"

Der Oberkellner Herr Fritz, der sich mittlerweile hinzugesellt und das Drama teilweise mitbekommen hatte, gab zu bedenken, dass man keinesfalls großes Aufsehen erregen sollte, schließlich dürfe doch so ein renommiertes Hotel wie das Hilton nicht in die Schlagzeilen der Boulevard-Presse gelangen.

Wie wäre es denn, wenn wir statt Hasenbraten "falschen Hasen", also ein schmackhaftes Hackfleischgericht, auf unserer Menükarte anbieten würden. "Das ist die Idee!" jubelte der stellvertretende Hotelmanager und bekam dabei gleich wieder einen roten Kopf. "Ich werde sofort meinen Bekannten von der "Flop-Zeitung" anrufen und ein entsprechendes Inserat aufgeben. Er soll schreiben, dass das Hilton Hotel als besondere Spezialität "falschen Hasen" anbietet und dafür Hasenbraten von der Speisekarte gestrichen ist."

"Aber wie kommen wir denn nun zu unseren 500 Portionen Obstsalat?", jammerte Herr Fritz, der Oberkellner. "Bis das morgen in der Zeitung steht, ist das Obst doch nicht mehr frisch, außerdem kommen die Japaner doch schon heute." "Das stimmt", grummelte der Chefkoch. Wie wäre es, wenn wir eine Lautsprecherdurchsage an unsere verehrten Gäste durchgeben, in der wir erklären, ab sofort gibt es statt Hasenbraten "falscher Hase" als Spezialität des Hauses. Darauf müssten die Entführer doch reagieren.

"Okay, das werde ich gleich persönlich veranlassen", sagte Herr Berger und rauschte in Richtung Rezeption davon. Es dauerte auch gar nicht mehr lange, bis die freundliche Stimme von Fräulein Lissy zu hören war, die in mehreren Fremdsprachen bekannt gab, dass heute Abend als besondere Spezialität des Hauses statt Hasenbraten eben falscher Hase angeboten werden wird.

"So, meinte der Chefkoch, "jetzt sind die Obstsalatentführer dran. Hoffentlich melden die sich bald!" Es dauerte auch gar nicht lange, bis das Telefon in der Küche klingelte. Eine Stimme, die offensichtlich verstellt war, Herrn Krüger aber dennoch seltsam vertraut klang, nuschelte: "Gehen sie sofort zur ...äh... Rezeption, dort ist ein Brief für sie abgeben worden. Und...und...machen Sie keine Fehler, sonst ist es um den Obstsalat geschehen!" Herr Krüger machte sich sofort auf den Weg, und tatsächlich, die hübsche Lissy von der Rezeption rannte ihm schon entgegen. Sie wedelte aufgeregt mit einem großen braunen Kuvert. "Herr Krüger, Herr Krüger", rief sie fast hysterisch, "das soeben ein kleiner Junge für sie abgegeben." "So, so" schnaufte Herr Krüger, "wie sah der denn aus?" "Keine Ahnung", schluckte Lissy, "ich war so aufgeregt, dass ich den Jungen gar nicht richtig beachtet habe." Er war etwa sieben oder acht Jahre alt und hatte, glaube ich, strohblonde Haare." "Oh je", dachte der Chefkoch, "mir schwant Fürchterliches" und strich sich dabei durch seine strohblonden Haare. Mit zitternden Fingern öffnete er das Kuvert und fand darin ein ähnliches Schreiben, wie es zuvor in der Kühlkammer gelegen war. Hastig las er folgenden Text: "Ihr seit unnserer forderung nachgekommen. Wen ihr euren Obsdsalad zurük wollt, fart mit einem Daxi in die Schlachthausstrase, halted dorrt an der Delefonzele an. Hiehr bekomt ihr neue Inschtrugtionen. Macht keine feler. Herr Krüger muhs allein komen. Die Haasenbande.

Auf der Fahrt zur Schlachthofstraße fiel Herrn Krüer eine Unterhaltung ein, die er vor ein paar Tagen mit seiner Frau geführt hatte. Gesprächsweise hatte er ihr nämlich erzählt, dass in letzter Zeit die Nachfrage nach Hasen- oder Kaninchenbraten sehr groß gewesen sei. Scherzhaft hatte er geäußert, man müsse halt, um den Nachschub zu decken, Felix´Stallhasen schlachten. "Verdammt!", dachte er, "mein Sohn hat diese Unterhaltung sicher unbeabsichtigt mitgehört und ernst genommen".

Als das Taxi in der Schlachthofstraße an der Telefonzelle anhielt, klingelte dort sofort das Telefon. Eine verstellte Stimme, die er jetzt aber zu erkennen glaubte, flüsterte: "Gehen sie bis zu Haus Nr. 69. Dort ist die ...äh...äh... Firma Frostinex, die zwar ...äh...pleite, man hat aber vergessen den Strom abzuschalten. Im ...äh...Kühlhaus finden Sie den Obstsalat!"

Kurz vor dem Betreten des Hauses meinte Herr Krüger, hinter einer Gebäudeecke einen strohblonden Haarschopf bemerkt zu haben. Aber wahrscheinlich hatte er sich geirrt. Jedenfalls war er glücklich, seinen japanischen Gästen einen wohlschmeckenden Obstsalat servieren zu können.

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