Ötzi, der Mann aus dem Eis

Als Ötzi vor 13 Jahren gefunden wurde, war er schon mehr als 5000 Jahre tot. Doch wer war der Gletschermann, dessen eisgekühlter Körper so gut erhalten blieb?

Unzählige Wissenschaftler haben die Mumie in den letzten Jahren unter die Lupe genommen. Sie wollten herausfinden, was der Gletschermann vor fünf Jahrtausenden im Ötztal machte. Sie wollten wissen, aus welcher Gegend er stammte und vor allem, wer ihn ermordet hat. Fragen über Fragen. Ein echter Krimi.

Auftauen ist nicht erlaubt

Die meisten Rätsel können wohl erst geklärt werden, wenn die Mumie aufgetaut werden darf. Doch dafür gab es bislang keine Erlaubnis. Die Forscher haben aber auch so herausfinden können, dass Ötzi einen Mantel trug, der aus hellen und dunklen Ziegenfell-Streifen zusammengesetzt war. Das könnte darauf hindeuten, dass er zu einem bestimmten Clan oder einer Sippe gehörte. Und der Mantel war so eine Art Erkennungszeichen. Vielleicht kennst du das von schottischen Clans: Jede Familie hatte ihr eigenes Karomuster, das dann alle Röcke und Umhänge schmückte. Auch heute noch pflegen viele schottische Familien diese Tradition.

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Eis und Trockenheit ließen aus Ötzis Körper eine Mumie werden.

Ötzi lebensecht

Weil es in der Steinzeit natürlich noch keine Fotoapparate gab, weiß niemand hundertprozentig genau, wie Ötzi zu Lebzeiten aussah. Elisabeth Daynès ist es trotzdem gelungen, ein sehr lebensechtes Modell des Gletschermannes anzufertigen. Sie ist Dermoplastikerin und kann Körper nachbilden. Das Modell beruht auf den neuesten Ergebnissen der Ötzi-Forscher. Zu sehen ist auch der Bogen aus Eibenholz, den Ötzi dabei hatte, als er gewaltsam starb. Eine Wunde in seiner linken Schulter deutet darauf hin, dass ihn ein Pfeil getroffen hat. Vermutlich ist er verblutet.

Spuren im Zahnschmelz

Ötzi ist nördlich von Bozen, in Südtirol, groß geworden. Das haben die Wissenschaftler aus dem Zahnschmelz des Gletschermannes ablesen können. Dieser Schmelz bildet sich, wenn ein Kind noch klein ist und verrät auch viel später noch, wovon es sich ernährt hat. Und weil die Menschen damals nicht in allen Regionen dieselben Essgewohnheiten hatten, ist ihr Zahnschmelz eine Art Wegweiser.

Ötzi - ein Krieger?

Ötzi hatte einen komischerweise noch unfertigen Bogen, einen Dolch und ein Kupferbeil bei sich, als man ihn fand. Möglicherweise war er also ein Krieger, der herumzog. Auf jeden Fall, so sind sich die Forscher sicher, war er kein einfacher Hirte. Doch Ötzi gibt seiner Nachwelt noch viele Rätsel auf. Aber die Wissenschaftler geben bestimmt nicht auf.

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