Rezepte Speisen auf Reisen

Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: GEOlino und das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven riefen zu einem Wettbewerb auf. Wir suchten leckere, internationale Rezepte

Speisen reisen...

... Und das seit Jahrtausenden. Denn wenn ein Mensch seine Heimat verlässt, für kurze oder lange Zeit, manchmal sogar für immer, kocht er auch in seiner neuen Heimat Gerichte, die er von zu Hause kennt. Oder er würzt, mischt, verrührt Altbekanntes mit neuen Zutaten.

Auf diese Weise sind im Verlauf der Jahrhunderte zahlreiche Speisen nach Deutschland "eingewandert". Wir tischen euch hier ein paar köstliche Geschichten über die Herkunft von Döner Kebap, Pizza, Pommes und Co. auf.

Sandwich

Okay, Brot buken die alten Ägypter bereits vor rund 6000 Jahren. Und im Lauf der Zeit mag sicher auch schon mal der eine oder andere auf die Idee gekommen sein, das BROT zu belegen. Aber: Das echte Sandwich wird in diesem Jahr "erst" 250 Jahre alt - und vor allem in Sandwich gefeiert, einem Städtchen in Südengland.

Dort lebte John Montagu (1718–1792), ein Staatsmann, der auch den Adelstitel "Earl of Sandwich" trug. Und da der Mann weder sein Kartenspiel noch seine Arbeit gern unterbrechen mochte, ließ er sich von seinem Butler mit Vorliebe gesalzenes Rindfleisch zwischen zwei Brothälften reichen.

So konnte er einhändig weiterwerkeln. Damit brachte er auch andere auf den Geschmack: Auf einmal war es üblich, das Gleiche "wie Sandwich" zu bestellen.

Speisen auf Reisen

Schokolade

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Für die Erfindung der Schokolade brauchte es: zahlreiche Olmeken, Maya und Azteken, einige Spanier, einen Niederländer, ein paar Briten und einen Schweizer. Denn die alten Völker Mittelamerikas, die ersten KakaobaumZüchter, schlürften Schokolade vor etwa 3000 Jahren als ungesüßten, bitteren Trank.

Erst die Spanier kippten Zucker hinein und brachten das Gebräu im 16. Jahrhundert nach Europa; dort wurde es schnell zum Modegetränk der Reichen und Mächtigen. Schokolade am Stück gab es damals noch nicht. Dafür musste der Niederländer Coenraad Johannes van Houten im Jahr 1828 erst eine Presse erfinden, mit der sich Kakaopulver gewinnen ließ, das wenig Fett enthielt. Die Mitarbeiter der Schokoladenmanufaktur "Fry & Sons" im englischen Bristol vermengten dieses 1847 mit Zucker und geschmolzener Kakaobutter (statt wie üblich mit Wasser).

Aus dem Brei formten sie die erste Schokoladentafel der Welt! Weil die noch etwas bröckelig war, schaltete sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Schweizer Rudolphe Lindt ein. Er erfand die Conche, ein spezielles Rührwerk, mit dem die Schokomasse stundenlang gewalzt wird. Damals wie heute. Denn nur dank des Conchierens ist Schokolade hart und zart zugleich.

Spaghetti

Nudeln kommen aus Italien - Pasta, basta?! Nun, dem Namen nach schon: Spaghetti ist italienisch und heißt übersetzt Schnürchen. Tatsächlich aber streiten sich die Italiener schon seit Ewigkeiten mit den Chinesen, wer diese Schnürchen erfunden hat. Die Chinesen behaupten, Marco Polo habe während seiner Reisen im 13. Jahrhundert Spaghetti in Asien geschmaust und anschließend nach Europa geschippert.

Die Italiener sagen: Quatsch mit Soße! Nudeln hätten ihre Vorfahren zu dieser Zeit längst im eigenen Land geknetet. Vor ein paar Jahren nun buddelten Archäologen in Lajia im Nordwesten Chinas einen rund 4000 Jahre alten Topf aus, in dem ein etwa 50 Zentimeter langes Spaghetti-Knäuel aus Hirsemehl klebt: die älteste Nudel der Welt. Eins zu null für die Chinesen...

Speisen auf Reisen

Pommes frites

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Sie stritten um die Fritten - und sie tun es immer noch. Gemeint sind: Belgier und Franzosen. Beide behaupten nämlich, Erfinder der Pommes frites zu sein. Die Belgier servieren dazu folgende Geschichte: Im 18. Jahrhundert konnten die Anwohner der Maas winters nicht angeln, weil der Fluss zugefroren war.

So sei ihnen die Idee gekommen, Kartoffelscheiben in Öl zu garen. Die Franzosen kochen innerlich, wenn sie die Erzählung hören! Schließlich hätten doch ihre Urururururururgroßeltern zur selben Zeit denselben Einfall gehabt. Und damals schon Frittenbuden auf Jahrmärkten aufgestellt. Unbestritten ist:

Die Kartoffel selbst stammt aus den Anden in Südamerika. Die Spanier brachten sie einst nach Europa. In Deutschland schlug die erste Kartoffel im Jahr 1588 Wurzeln, im botanischen Garten von Frankfurt am Main.

Döner Kebap

Das Ganze ist schon ziemlich spießig: Für das türkische Gericht Döner Kebap wird nämlich Fleisch auf Spieße gesteckt und gegrillt. Wann genau jemand auf die Idee gekommen ist, den Spieß umzudrehen, also hochkant zu stellen, wie für einen Döner Kebap üblich, weiß keiner so genau.

Vermutlich geschah das vor rund 200 Jahren. Ein Koch namens Hamdi aus Kastamonu und einer namens Iskender aus Bursa sollen sich diesen Dreh - unabhängig voneinander - ausgedacht haben. Nach Deutschland kam dasGrillgericht Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre. Damals arbeiteten hierzulande viele Türken als Gastarbeiter. Gleich mehrere behaupten von sich, die erste Dönerbude in Deutschland eröffnet zu haben.

Sicher ist: Geschmeckt hat das "sich drehende Grillfleisch", so die Übersetzung, zunächst den Berlinern. Von dort aus verbreitete es sich über ganz Deutschland. Mittlerweile gibt es hier rund 16.000 Dönerbuden!

Speisen auf Reisen

Pizza

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Oh, là, là, Pizza schmeckt wunderbar! Kaum vorstellbar, dass es vor dreißig, vierzig Jahren in Italien kaum Pizzerien gab. Im Gegensatz zu Deutschland. Denn: Pizza war einst eine regionale Spezialität in Italien und wurde vor allem in Neapel, Kampanien und Kalabrien gebacken. Aus genau diesen Regionen stammten auch die italienischen Gastarbeiter, die in den 1950er Jahren nach Deutschland kamen, um hier Geld zu verdienen.

Viele von ihnen eröffneten in Deutschland Pizzerien. Fortan galt der belegte Knusperfladen als typisch italienisch - obwohl er nur "typisch südwestitalienisch" war. Dass Pizza mittlerweile überall in Italien auf den Speisekarten zu finden ist, liegt nicht zuletzt an der Reiselust der Deutschen. Die machten ab Mitte des 20. Jahrhunderts nämlich mit Vorliebe in Italien Urlaub - und fragten allerorten nach Pizza. Irgendwann gaben die Restaurantbesitzer nach, schließlich witterten sie ein gutes Geschäft.

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