Buntstifte - Wie kommt die Mine in den Schreiber?

Nirgendwo werden so viele bunte Griffel hergestellt wie im brasilianischen São Carlos: bis zu fünf Millionen Stück täglich. GEOlino zeigt euch den weiten Weg vom Baum bis zum fertigen Stift

Tanzen und Arbeiten

Wieder ist eine Stunde um. Die Maschinen werden gestoppt, und aus den Lautsprechern in der Fabrikhalle schallt - fetzige Sambamusik! Darauf haben Rosangela und ihre Kollegen schon gewartet. Sie legen ihr Werkzeug beiseite und beginnen zu tanzen. Drehen sich, klatschen in die Hände und lachen einander zu.

Nach drei Minuten ist der Spaß vorbei. Die Fließbänder laufen wieder an, und die etwa 80 Männer und Frauen der Abteilung kehren an ihre Posten zurück, gut gelaunt von der kurzen Musikeinlage. "So ist die Arbeit an den Maschinen weniger anstrengend", sagt Rosangela und lächelt.

Die 38-Jährige arbeitet in der weltweit größten Fabrik für Blei- und Buntstifte. Das Werk steht in São Carlos, einer Stadt im Südosten Brasiliens. Es gehört der deutschen Firma Faber-Castell. Jahr für Jahr laufen hier rund 1,5 Milliarden Stifte vom Band. Dafür sind die Maschinen 20 Stunden am Tag in Betrieb, rattern, klacken und stampfen fast unaufhörlich.

Maschinen können nicht alles

Die riesigen Apparate erledigen die meiste Arbeit. Doch Menschen müssen ihnen zuarbeiten. Wie Rosangela, die mit rohen Holzstiften aus einer weißen Plastikbox die Lackiermaschine füttert.

Die werden dort im Blitztempo durch einen Sprühnebel aus Farbe geschossen und fallen am Ende auf ein Transportband. Das fährt die nun bunten, aber noch feucht glänzenden Stifte unter Wärmelampen hindurch, damit sie trocknen.

Manchmal aber sorgen kleine Fehler für eine Pause. Jetzt zum Beispiel: Mit lautem Knacken ist in der Lackierstraße ein Stift zersplittert. Rosangela hält die Maschine an, angelt vorsichtig die Holzsplitter heraus und lässt sie auf den Boden rieseln. Der ist schon mit roten, gelben, braunen, grünen Farbklecksen gesprenkelt: In 90 Farben werden die Stifte hier lackiert.

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1000 Buntstiftminen fertigt eine Maschine in der Minute - da sammelt sich einiges an

Kein Blei in Bleistiften

Was heute automatisch und mit Affenzahn am Fließband abläuft, war früher einmal mühsame Handarbeit. Vor über 400 Jahren tauchten die ersten Bleistifte in England auf. Mit Blei hatten sie übrigens nie etwas zu tun, obwohl die Menschen sie wegen der Farbe der Mine immer so genannt haben. Die Minen wurden schon damals aus Graphit hergestellt. Das besteht - wie Diamanten - aus Kohlenstoff und wird in Bergwerken abgebaut.

Mühsame Handarbeit

Die ersten Bleistiftmacher sägten noch das Graphit in Stäbchen und leimten diese zwischen zwei schmale Holzbretter. Grob und plump sehen sie aus, diese frühen Schreibwerkzeuge.

Doch sie waren viel praktischer als Federkiel und Tinte, mit denen die Menschen bis dahin geschrieben und gezeichnet hatten. Und der Strich des Bleistiftes ließ sich sogar wegradieren.

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Die fertigen Buntstiftminen werden stapelweise in Holzkisten sortiert - 90 verschiedene Farben werden produziert

Mienen aus Graphit

Aus Graphit bestehen Bleistiftminen noch immer. Das wird heute jedoch gemahlen, mit Ton vermischt, zu Stäbchen geformt und im Ofen gebacken. Je nach Mischung ist es so möglich, harte oder weiche Bleistifte herzustellen. Bei einem Buntstift wird der Ton mit Farbstoffen statt mit Graphit verrührt.

Holzbrettchen aus Baumstämmen

Auch das Prinzip mit den zwei Holzbrettchen ist geblieben. Die stammen aus einem Sägewerk, das einige Stunden Autofahrt entfernt von São Carlos liegt. Vor dem Werk lagern riesige Stapel Baumstämme.

Der Geruch harzigen Holzes mischt sich mit dem Duft der Blumen, die auf dem Werksgelände blühen. In der Halle ist es staubig und der Boden mit Spänen übersät. Mithilfe großer Säge- und Hobelmaschinen werden die Baumstämme hier zu kleinen Brettern zerlegt, gerade einmal so groß wie acht bis zehn nebeneinander gelegte Stifte.

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Im Sägewerk geht es laut und staubig zu. Hier werden die rohen Baumstämme zugeschnitten: erst zu langen Brettern, dann zu Holzklötzchen in Buntstiftlänge

Buntstiftproduktion mit Umweltsiegel

Um den Bedarf der Fabrik in São Carlos zu decken, werden täglich fast 2000 Pinienbäume zerkleinert! Würden diese Bäume in einem Wald gefällt, ginge jeden Tag eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes verloren. Deshalb pflanzt Faber-Castell die Pinien auf eigenen Plantagen an.

Die Bäume wachsen ohne Chemiedünger und giftige Pflanzenschutzmittel. Zwischen den langen Reihen mit Pinien gibt es auch Abschnitte mit natürlich wachsendem Wald. Ameisenbären und Mähnenwölfe sind dort zu Hause - Tiere, die vom Aussterben bedroht sind! Dafür wurden die Plantagen vom Forest Stewardship Council (FSC) ausgezeichnet, einer internationalen Organisation, die umweltschonende Waldwirtschaft fördert.

Butterbrote aus Holz

Ein Kran lädt die Brettchen blockweise auf einen Lastwagen. Der bringt sie nach São Carlos. In der Fabrik werden Rillen in das Holz gefräst, dort hinein kommen die Blei- oder Buntstiftminen.

Dann werden jeweils ein leeres und ein gefülltes Brettchen wie Butterbrote übereinander gelegt und zusammengeleimt. Im nächsten Arbeitsgang schneidet eine Maschine daraus die runden Rohlinge.

Die Holzstifte fallen in weiße Plastikboxen, die ein Arbeiter in die Abteilung von Rosangela trägt. Und die füttert damit ihre Lackiermaschine. Vorausgesetzt, sie tanzt nicht gerade Samba.

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In einer großen Tonne werden Ton, Farbteilchen und wachs gemischt. Nach acht Stunden kommt die bröselige Masse in einen Trog aus Metall und wird mit Wasser vermengt. Aus dieser Masse entstehen die bunten Stiftminen.

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