Datenretter

Laptop verbrannt? Computer ins Wasser gefallen? - Es gibt Spezialisten, die retten Computer-Daten auch nach den schlimmsten Katastrophen. Lest hier mehr über diese spannende Arbeit
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Einsen und Nullen
Die Experten können fast alles retten

Einsen und Nullen

"So ein Mist! Schon wieder ein Dokument gelöscht, das eigentlich noch gebraucht wird!" Kennt ihr das auch? Meistens kann man dann ja doch auch noch ohne das Dokument auskommen - aber stellt euch mal vor, dass das bei einer großen Firma passiert. Wenn ein Unglück wie ein Feuer oder Wasserschaden die Computer zerstört und viele wichtige Dateien verloren gegangen sind. Das kann ganz schön schlimme Folgen haben!

Aber dafür gibt es Experten, die beschädigte Daten wieder beschaffen können - und zwar indem sie auf den Computern nach Einsen und Nullen suchen.

Einsen und Nullen

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Dieser Laptop hat eine Hitze von mehreren Hundert Grad Celsius ausgehalten

Auf der Festplatte eines Computers werden die Daten in einem so genannten Binärcode gespeichert. "Binärcode" heißt, dass die Nachrichten in zwei Symbolen dargestellt werden. Im Fall des Computers sind das die beiden Symbole 1 und 0, denn daraus werden die Daten zusammengesetzt, die im Computer verarbeitet werden. Auf der Festplatte wird dann alles in langen Zahlenreihen gespeichert - die Reihe "01000001" zum Beispiel steht für ein A. Und wenn ihr auf eurer Tastatur ein G tippt, dann wird das als "01000111" ausgelegt und abgespeichert. Riesig lange Zahlenkolonnen geben so ganze Textdokumente wieder. Aber auch Musik-, Foto- oder Filmdateien werden auf diese Weise im Computer gespeichert.

Festplatte kaputt?

Ist die Festplatte beschädigt worden, öffnet ein Spezialist das Gehäuse. Dabei muss er aber ganz vorsichtig sein, damit die kaputten Stellen nicht noch mehr zerstört werden. Deshalb sind einige Vorbereitungen wichtig: Der Techniker zieht einen weißen Kittel an und steigt in Arbeitsschuhe mit antistatischer Sohle - damit sich die Schuhe nicht elektrisch aufladen können. Außerdem verbindet er sein Handgelenkt noch durch ein Kabel mit dem Tisch und ist damit geerdet. Durch diese Vorsichtsmaßnahmen soll verhindert werden, dass ein elektrischer Strom vom Menschen auf die Festplatte überspringt; denn schon ein kleinster Stromstoß könnte die noch funktionierende Elektronik beschädigen.

Alles muss sauber gemacht werden

Das Gehäuse der Festplatte öffnet der Techniker dann mit einem Schraubenzieher. Damit auch wirklich kein noch so kleines Staubkörnchen in das Innenleben des Rechners eindringen kann, wird der Raum mit gefilterter Luft versorgt - so ist alles garantiert staubfrei, damit der Computerexperte die Festplatte erforschen kann. Zuerst macht er alle schmutzigen Bauteile sauber. Dazu benutzt er hochkonzentrierten Alkohol und andere Spezialreiniger, die schnell verdunsten und die Platten nicht angreifen.

Alle Teile, die kaputt sind, ersetzt er durch neue. Und er kennt natürlich auch einige Tricks: Ist zum Beispiel eine Festplatte aus Versehen ins Wasser gefallen, darf sie auf gar keinen Fall getrocknet werden, weil sie sonst rostet. Der Rost greift die Magnetplatte dann so sehr an, dass die Daten für immer verloren sind. Deshalb muss eine nass gewordene Platte immer schön feucht gehalten werden. Erst im Labor wischen die Spezialisten sie dann trocken und bringen die Daten in Sicherheit.

Die Experten können fast alles retten

Richtig schwierig wird es erst, wenn der Bereich der Festplatte beschädigt wurde, in dem das Inhaltsverzeichnis gespeichert ist. Denn nur über dieses Verzeichnis kann die Stelle gefunden werden, an der die gesuchten Dateien sitzen.

Das könnt ihr euch ungefähr so vorstellen: Die Festplatte eures Computers hat eine Menge Platz. Alles, was ihr speichert, wird nacheinander dort abgelegt - schön der Reihe nach. Wenn ihr jetzt aber zwischendrin etwas löscht, entstehen Lücken. Die werden dann genutzt, wenn ihr etwas Neues speichern wollt. Der Computer sucht sich mehrere Lücken und verteilt eure Dokumente darauf. Ist eine freie Stelle zum Beispiel zu klein um einen langen Text zu speichern, verteilt der Rechner die Daten eben an mehreren Orten. Und damit nicht so ein großes Durcheinander entsteht, merkt sich die Festplatte in ihrem Inhaltsverzeichnis, wo sie die ganzen Einzelteile abgelegt hat - und sucht sie das nächste Mal, wenn ihr sie braucht, wieder zusammen.

Was passiert nun, wenn dieses Verzeichnis, in dem die Daten der Einzelteile gespeichert sind, nicht mehr vorhanden ist? Die Spezialisten kopieren alle Daten wie ein einziges riesiges Dokument auf eine Ersatzplatte und suchen dort dann nach den einzelnen Dateien. So etwas kann Tage dauern. Deshalb müssen die Experten genau wissen, wonach sie eigentlich suchen - zum Beispiel nach einem Brief oder einem Adressbuch. Je länger so eine Suche dauert, um so teurer wird sie: Werden die Dateien schnell gefunden, kostet das 500 Euro; dauert es sehr lange, kann es ganz schön teuer werden: Bis zu 20 000 Euro kostet es dann, die Daten des Computers zu retten.

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Das Motherboard - hier befindet sich das Innenleben des Rechners

Der Papierkorb ist gar keiner

Einfach ist es für die Spezialisten, wenn der Benutzer seine Daten selbst gelöscht hat. Habt ihr also eure Datei in den virtuellen Papierkorb auf eurem Desktop befördert und den Papierkorb geleert, wird nämlich gar nicht die ganze Datei gelöscht. Nur der Eintrag im Inhaltsverzeichnis verschwindet, und solche Einträge können mit einem speziellen Programm wieder sichtbar gemacht werden. Die verloren geglaubten Dateien werden so ganz einfach wieder hergestellt.

Große Erfolge auch bei CDs und DVD

Bei 90 Prozent ihrer Aufträge können die Computer-Experten die vermissten Daten wieder aufspüren. Und das funktioniert nicht nur bei Festplatten: Sind zum Beispiel CDs und DVDs bei Bränden halb geschmolzen oder Mobiltelefone und Digitalkameras ins Wasser gefallen, können sie auch die darauf gespeichert Daten wieder herstellen. Das kommt aber eher selten vor - die meiste Zeit haben die Spezialisten es mit Computer-Festplatten zu tun.

Nur in einem besonderen Fall hatten sie keinen Erfolg: Im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg waren einige Experten damit beschäftigt, nach gelöschten Daten zu suchen, die vielleicht mehr über den Verbleib von Saddam Husseins Waffen verraten konnten. Gefunden haben sie aber nichts.

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