Schnellzug-Check - ICE 3 auf dem Prüfstand

Der ICE 3, bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnell, ist ein Wunderwerk der Technik. Alle zwei Monate kommt der Superzug zur Kontrolle in das Dortmunder Betriebswerk, wo er von Kopf bis Fuß durchgecheckt wird
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Der ICE 3
Der ICE 3 auf dem Prüfstand

Der ICE 3

Ihr fahrt ganz gemütlich in den Urlaub, sitzt im ICE, draußen rauscht die Landschaft vorbei. Unglaublich, dass der Zug wirklich 300 Kilometer in der Stunde zurücklegt, denn es schaukelt gar nicht.

So fährt jeder "InterCityExpress" fast 500 000 Kilometer im Jahr - das ist ungefähr so weit, wie 28 Mal von Berlin bis an die Westküste der USA - und zurück.

Damit ihr euch dabei auch sicher fühlen könnt, wird der Zug regelmäßig kontrolliert. Und zwar in einem der sechs Betriebswerke der Deutschen Bahn. Alle Untersuchungen am ICE 3 finden dort in der Nacht statt - weil die Züge ja tagsüber immer auf den Schienen unterwegs sind.

Der ICE 3

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Der ICE 3 im Dortmunder Betriebswerk

Frühere ICEs hatten am vorderen und am hinteren Ende des Zuges jeweils große Lokomotiven, die sie antrieben. Als die Deutsche Bahn eine Schnellstrecke zwischen Frankfurt und Köln einrichten wollte, musste sie einen neuen Zug entwickeln. Denn auf diesem Abschnitt gibt es viele Steigungen und Gefälle, und die Schienen müssen sich der hügeligen Landschaft anpassen. Die alten ICEs konnten die Berge nicht mit Höchstgeschwindigkeit bewältigen - und deshalb wurde der ICE 3 entwickelt. Er hat eine viel kompliziertere Technik als die alten Züge der Deutschen Bahn. Der ICE 3 wird von 16 Elektromotoren angetrieben, die im ganzen Zug verteilt im Fahrwerk sitzen. Er hat etwa 11 000 PS - das ist ungefähr soviel wie 160 normale Autos zusammen.

180 Kilometer Kabel

In den acht Wagen des ICE 3 sind ganz viele Kabel verlegt. Wenn man die zusammenzählen würde, kämen fast 180 Kilometer dabei heraus. Die Kabel verbinden 200 Prozessoren, das sind eine Art kleine Computer, die den Zug während der Fahrt überwachen und jeden noch so kleinen Fehler registrieren. Dort wird gecheckt, ob Getriebe, Bremsen und Motoren störungsfrei arbeiten. Das System zeichnet auch auf, wie schnell die Türen schließen, und ob die Klimaanlage oder die Kaffeemaschinen funktionieren. Die Daten, die an diesen Prozessoren zusammen kommen, werden direkt an die Leitstellen der Deutschen Bahn in Frankfurt und Duisburg weitergeleitet.

Der Bordcomputer kennt alle Fehler

Weil die meisten Fehler des Zuges ja schon während der Fahrt erkannt und aufgezeichnet wurden, wissen die Mitarbeiter der Betriebswerke schon bevor der Zug bei ihnen überhaupt angekommen ist, welche Arbeiten auf sie zukommen. Die Bordcomputer haben alle Mängel am Zug, die in den letzten Tagen erfasst worden sind, per Funk an das Werk in Dortmund geschickt. Jetzt liegen schon alle Ersatzteile bereit.

Der ICE 3 auf dem Prüfstand

Ist der ICE 3 in Dortmund angekommen, übernimmt ein Techniker den Platz des Lokführers. Er macht dieselben Handlungen, die der Fahrer tagtäglich macht - und guckt, ob der Zug seinen Befehlen folgt. Selbst wenn alles zu funktionieren scheint, heißt das nicht, dass die Arbeit der Techniker getan ist. Sie müssen den ganzen Zug von Kopf bis Fuß überprüfen

Löcher in Dach oder Windschutzscheibe

Es kann zum Beispiel sein, dass Funken von den Hochspannungsleitungen auf das Dach des Zuges sprühen. Dadurch brennen sich kleine Löcher in die Aluminiumhaut, die dann abgeschliffen und überlackiert werden muss. Manchmal sind die Löcher auch ein bisschen größer, und die Arbeit deswegen etwas aufwendiger. Große Löcher müssen verschweißt werden, damit kein Wasser in den Zug dringen kann. Denn dadurch könnte die Elektronik an Bord beschädigt werden, wodurch Kurzschlüsse entstehen könnten.

Außerdem wirbeln auch manchmal größere Steine oder andere Gegenstände, die auf den Schienen liegen, bei der schnellen Fahrt hoch. Dadurch entstehen Risse in der Frontscheibe - und das, obwohl die Scheibe aus dickem Panzerglas gemacht wurde. Die Mechaniker im Betriebswerk müssen das schwere Glas dann auswechseln.

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In der Arbeitsgrube kann der Zug auch von unten genauestens überprüft werden

Ganz besonders wichtig: die Räder

Im Jahr 1998 gab es bei der Stadt Eschede ein schweres Zugunglück, bei dem 101 Menschen ums Leben kamen. Der Grund dafür war ein Rad, das wegen eines Risses durchbrach. Seitdem sind die Räder der ICEs aus Panzerstahl und werden bei jeder dritten großen Inspektion auch auf Innenrisse geprüft. Dafür fährt eine Ultraschallanlage unter dem Zug von Achse zu Achse und schickt Schallwellen durch den Stahl. Das Echo, das dabei entsteht, wird dann von einem Computer ausgewertet. So können selbst haarfeine Risse angezeigt werden.

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