Warum wird an der Uhr gedreht?

Jedes Jahr im Frühling ist es soweit: In einer Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhrzeiger eine Stunde vorgestellt. Dann beginnt die Sommerzeit! So hat man mehr vom Tageslicht, denn man muss am Abend erst später die Lampen einschalten. Diese Energiespar-Idee ist mehr als 200 Jahre alt

Noch ein paar Mal flackerte das Flämmchen, dann war die Kerze abgebrannt. Und Benjamin Franklin saß im Dunkeln, sah nicht einmal mehr seinen Schreibtisch. Der amerikanische Wissenschaftler war sauer. Er wollte weiterarbeiten. Aber wie, ohne Kerzen? Grimmig ging er an diesem Frühlingsabend des Jahres 1784 zu Bett. Als er am nächsten Morgen erwachte, schien die Sonne. Franklin kramte nach seiner Taschenuhr: Sechs Uhr - und schon so hell? Welch eine Verschwendung! In der Frühe, wenn er noch schlief, gab es Licht genug. Abends dagegen wurde es viel zu rasch dunkel! Nachdenklich saß Franklin auf der Bettkante. Vielleicht sollte man einfach die Uhren vorstellen, sagte er sich. "Würde man die Zeiger um eine Stunde weiterdrehen, wäre der Sonnenaufgang später - also um sieben. Abends ginge die Sonne dafür aber auch eine Stunde später unter. Es wäre abends länger hell - und ich könnte Kerzen sparen!"

Aufgeregt schrieb Benjamin Franklin darüber einen Artikel für eine Zeitung. Den aber niemand beachtete. Erst gut 130 Jahre später wurde wirklich an der Uhr gedreht: Im Jahr 1916 führten die Deutschen, Engländer, Iren und Franzosen die Sommerzeit ein. Die Idee war dieselbe wie bei Franklin: Wird es später dunkel, schalten die Menschen in ihren Wohnungen auch später das Licht ein! Und die Straßenlaternen leuchten ebenfalls erst eine Stunde später! Experten hatten ausgerechnet, dass man so große Mengen an Strom und Gas sparen kann.

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Auch wenn die Zeitumstellung seither mehrfach abgeschafft und wieder eingeführt wurde - seit 1980 stellen alle Bürger in der Europäischen Union gleichzeitig ihre Uhren um: Am 26. März 2006 werden es rund 457 Millionen Menschen in 25 Staaten sein! Und noch viele Millionen mehr in weiteren Ländern, die ebenfalls auf Sommerzeit umschalten, etwa in Russland, der Schweiz oder der Türkei.

Ob diese Aktion wirklich Energie spart, wie ursprünglich geplant, ist fraglich. Denn die Menschen schalten zwar abends später das Licht an, doch müssen sie auch morgens die Heizung aufdrehen, weil es im März und April in der Frühe noch oft empfindlich kalt ist. Es gibt noch andere Probleme: In der Landwirtschaft werden die Kühe zu anderen Zeiten als sonst gemolken - und brauchen eine Woche oder zwei, um sich daran zu gewöhnen. Manche Menschen bekommen Schlafstörungen. Und am ersten Montag nach der Zeitumstellung geschehen sogar mehr Unfälle als üblich, angeblich, weil viele Autofahrer zu müde und unaufmerksam sind.

Einige Experten fordern, die Zeitumstellung abzuschaffen. Doch die meisten Menschen nehmen es gelassen: Sie lieben die langen, hellen Abende. Und im Oktober werden die Uhren schließlich wieder um eine Stunde zurückgedreht - auf die Winterzeit.

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