Orbitall-Spacecamp Die Astronauten der Zukunft - Schüler machen sich fit fürs All

Die Mission dauert sieben Tage. In dieser Zeit werden 16 Jugendliche weltraumtauglich gemacht. Sie sollen lernen, wie man einen Satelliten baut und in einer Erdumlaufbahn aussetzt

"Umweltkontrolle, hören Sie mich?" Der Flugleiter hebt den Blick vom Monitor und lässt ihn über das Team in der Kommandozentrale schweifen. Alle schauen gebannt auf ihre Bildschirme. Mit einer Ausnahme: Vorn in der ersten Reihe telefoniert jemand. Es ist Theresa - die für die Umweltkontrolle zuständig ist. Sie spricht mit ihrem Kollegen, der im Cockpit des Shuttles sitzt. Es gibt ein Problem: "Der Sonnenwind ist zu stark, das Raumschiff darf noch nicht starten", meldet Theresa. Denn die Strahlung des Sonnenwindes ist extrem gefährlich für Astronauten.

Fit für das Universum

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Ernsthaft muss hier allerdings niemand um sein Leben fürchten. Die Weltraum-Mission ist ein Testspiel. Kommandozentrale und Shuttle befinden sich im Raumfahrtzentrum Orbitall im Berliner Freizeit- und Erholungszentrum FEZ. Hier findet in dieser Woche das "Space Camp 2010" statt, ein Ferienkurs, in dem 16 weltraumbegeisterte Schüler aus Deutschland und Österreich zwar nicht leibhaftig ins All düsen - aber der Arbeit ihrer großen Vorbilder ganz schön nahe kommen. Die Aufgabe der 16: Baut einen künstlichen Satelliten und setzt ihn in einer Erdumlaufbahn aus.

Dafür muss man fit sein. Nicht nur im Kopf - auch körperlich. "Fast jeden Tag trainieren wir an Geräten", berichtet der 13-jährige Jonas, ein sportlicher Junge, dessen dunkle Augen ernst dreinblicken. "Zum Beispiel, um sich in der Schwerelosigkeit zu bewegen. Das funktioniert, indem man sein Gewicht verlagert. Wir üben das im Aerotrim, und das ist gar nicht einfach. Dabei kann einem echt schlecht werden", sagt Jonas. Ihm allerdings nicht. Er klemmt seine Füße in den innersten der drei beweglichen Ringe, hält sich fest und beginnt zu kreisen - kopfüber, seitwärts, rückwärts. Danach schwitzt Jonas auf dem Laufband. "Auf der Weltraumstation "ISS" müssen die Astronauten auch jeden Tag zwei Stunden trainieren", keucht er, "sonst würden sich die Muskeln in der Schwerelosigkeit schnell abbauen."

Nebenher wird gelernt. Als Erstes natürlich, was ein Satellit überhaupt ist. "Ganz einfach", sagt Jonas. "Das ist ein Objekt, das um einen Himmelskörper kreist." Auch der Mond ist ein

Satellit, er dreht sich schließlich um die Erde. Im Space Camp geht es aber um künstliche Satelliten. Um solch einen anzuschauen, fährt die Truppe erst einmal zur Technischen Universität Berlin. Dort gibt es ein paar sogenannte Kleinsatelliten – und außerdem Experten, mit denen die Gruppe darüber beratschlagt, was ihr eigener Satellit eigentlich alles können soll.

Schließlich ist Satellit nicht gleich Satellit: Ob für Fernseh- oder Telefon-Übertragungen, für Navigationsgeräte oder zur Wetterbeobachtung, um zu spionieren oder die Erde zu vermessen - für alle möglichen Aufgaben haben Menschen schon Satelliten ins All geschossen. Über 500 Stück sind über unseren Köpfen aktiv. Hinzu kommen Zigtausende Trümmer ausrangierter Satelliten.

Der Satellitenbau

"Unser Modell", erklärt Jonas, "soll mit einer Kamera die Erde beobachten." Damit ist klar: "Der Satellit braucht eine eigene Stromversorgung. Sonst kann die Kamera ja nicht funktionieren." Viele Satelliten arbeiten mit Sonnenenergie. Diese fangen sie mit großen Segeln ein, die über und über von Solarzellen bedeckt sind. "Unser "Skywalker 1.0" bekommt auch Solarzellen", sagt Jonas. Skywalker 1.0 - so heißt der Satellit. Das passt, fanden die Space Camper. Skywalker ist Englisch und bedeutet "Himmelsläufer".

Vier Tage lang schwitzen und knobeln, büffeln und bauen die Schüler in verschiedenen Arbeitsgruppen - dann ist es so weit: Skywalker 1.0 kann in seine Erdumlaufbahn ausgesetzt werden. Die Mission beginnt.

Die Jugendlichen teilen sich auf. Eine Hälfte bemannt das Shuttle, einen kleinen Raum im ersten Stock des Orbitall. Zahlreiche Knöpfe, Hebel und Monitore überziehen dort die grauen Wände. Jeder setzt sich vor seinen Bildschirm: Jonas ist Triebwerks-Experte, Lion Umweltexperte. Außerdem gibt es "an Bord" einen Geographen, einen Wetterexperten, einen Satellitenexperten, einen Kommandanten und natürlich einen Piloten. Jeder hält Funkkontakt mit der Kommandozentrale. Sie liegt eine Etage tiefer. Unten sitzen ebenfalls Spezialisten. "In einer echten Kommandozentrale arbeiten meistens Leute, die selbst schon einmal im All waren", erklärt Jonas. "Schließlich müssen die haargenau wissen, wovon ihr Gegenüber im Raumschiff spricht."

Mission erfüllt

Endlich meldet auch die Umweltkontrolle Startbereitschaft: Der gefährliche Sonnenwind, der den Start verzögert hat, ist mittlerweile abgeebbt.

"5, 4, 3, 2, 1 – Start", zählt der Flugleiter. Das Getöse von Raketentriebwerken tönt durch die Lautsprecher. "Tank eins ist abgesprengt", meldet der Triebwerks-Experte Sekunden später. Rufe und Durchsagen schwirren durch die Zentrale. Schließlich:

"Bereit zum Aussetzen des Satelliten."

„Satellit ist ausgesetzt.“

Natürlich nicht in einer Erdumlaufbahn. Aber immerhin schwebt Skywalker 1.0 hoch über den Köpfen seiner Erbauer – an der Decke im Orbitall.

Auf dem Rückflug zur Erde wird es noch einmal knapp: der Treibstoff geht aus: "Vorletzter Tank ist abgesprengt. Uns bleiben noch 40 Tonnen Treibstoff!", ruft der Triebwerks-Experte.

"Noch 25."

"Noch 20."

"Noch 17, noch 13, noch 10 - 7 - 0!"

In diesem Moment setzt das Shuttle auf. "Mission erfüllt!", tönt es durch die Mikrofone. Die

Raumfahrer klatschen, und der Flugleiter fügt grinsend hinzu: "Herzlichen Glückwunsch, Sie

haben überlebt!"

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