Klimawandel Was Forscher gegen die Erderwärmung tun wollen

Mit dem 20-20-20-Paket kämpft Europa gegen den Klimawandel. Ein Ziel: Alle Länder der Europäischen Union sollen bis zum Jahr 2020 mindestens 20 Prozent weniger klimaschädliches Kohlendioxid in die Luft pusten. Manche Wissenschaftler verfolgen jedoch noch andere Ideen, die Erde abzukühlen…
Klimawandel, Kraftwerk, Erderwämung, Industrie

Kraftwerke stoßen Kohlendioxid (CO2) aus und tragen damit maßgeblich zur globalen Erwärmung bei

Auf der Erde wird es immer wärmer, das wisst ihr längst. Forscher schätzen, die Temperaturen könnten bis zum Jahr 2100 weltweit um bis zu fünf Grad ansteigen. Klingt wenig, hätte aber schlimme Folgen – etwa Stürme, Dürren, Überschwemmungen, Eisschmelze in den Polregionen. Schuld an der Hitze sind wir Menschen.

Unsere Autos, Fabriken und Kraftwerke pusten viel zu viel schädliche Klimagase wie Kohlendioxid (CO2) in die Luft, die sich wie eine Decke um die Erde legen. Die Wärme der Sonnenstrahlung kann wie in einem Treibhaus nicht mehr einfach so zurück ins All entweichen. Klarer Fall: Wir müssen weniger CO2 freisetzen. Einige Wissenschaftler überlegen zudem, die Erde künstlich abzukühlen.

Manche ihrer Vorschläge klingen ganz schön verrückt. Darum haben wir Anders Levermann vom Potsdam- Institut für Klimafolgenforschung gefragt, was er von den Ideen seiner Kollegen hält.

Schwefelschirm, Klimawandel

Der "Schwefelschirm" soll die Temperaturen auf der Erde senken

Der Schwefelschirm

Wenn ein Vulkan ausbricht, schleudert er massenhaft Schwefel in Form des Gases Schwefeldioxid in die Erdatmosphäre. Dort oben wirken die winzigen Teilchen wie ein Sonnenschirm: Sie halten einen Teil des Sonnenlichts zurück, und auf der Erde wird es ein paar Jahre lang deutlich kühler. Das passiert aber nur nach besonders großen Ausbrüchen, zum Beispiel dem des Pinatubo im Jahr 1991 auf den Philippinen.

Manche Klimaforscher wollen mit diesem Vulkan-Trick die Erderwärmung aufhalten: Sie schlagen vor, aus Flugzeugen tonnenweise Schwefel abzulassen. Das würde die vom Menschen verursachte Überhitzung des Klimas fast sofort stoppen.

Das sagt der Experte: „Die Methode ist einfach und billig – eigentlich toll. Das Problem ist nur: Der Schwefel würde den Planeten zwar kühlen, aber nicht an den richtigen Stellen. Denn wenn weniger Sonnenstrahlen auf die Erde treffen, sinkt die Temperaturvor allem dort, wo sonst am meisten Licht ankommt: in den Tropen. Am Nord- und Südpol, wo die Temperaturen weltweit am stärksten steigen, wird es dagegen kaum kälter. Die Pole bekommen ja sowieso von allen Erdregionen am wenigsten Sonne ab. Das Eis dort würde wohl trotz Schwefelkühlung weiter schmelzen und der Meeresspiegel weiter steigen.“

Plankton, Klimawandel

Plankton könnte als Klimaretter helfen, da es Kohlendioxid aufnimmt

Das Plankton-Projekt

Alle Pflanzen nehmen beim Wachsen Kohlendioxid in sich auf. Meeresalgen können zusätzliche Mengen des Klimagases aus der Luft holen – wenn man sie mit Eisensulfat düngt. Einige Wissenschaftler setzen deshalb auf Plankton als Klimaretter: Sie planen, von Schiffen aus große Mengen Eisensulfat in die Ozeane zu schütten. Dadurch würden überall Algen aufblühen, dann absterben und auf den Meeresboden sinken, mitsamt dem CO2. Das wäre dann erst einmal verschwunden und könnte das Klima nicht weiter aufheizen.

Das sagt der Experte: "Das Gute an diesem Plan ist, dass er das Übel an der Wurzel packt: Das schädliche Kohlendioxid muss aus der Luft! Ein Problem ist aber, dass wir nicht wissen, welche Folgen die ungeheure Vermehrung der Algen für die Meere und Meerestiere hätte. Möglich, dass wir damit ungewollt Schaden anrichten. Außerdem haben Versuche mit gedüngtem Plankton bisher nicht so gut geklappt: Die meisten Algen sinken gar nicht auf den Meeresgrund, sondern zerfallen weiter oben. Dann gelangt das geschluckte CO2 schnell wieder an die Oberfläche."

Wolkenschiff

Künstlich hergestellte Wolken könnten mithilfe ihres Schattens für eine Abkühlung auf der Erde sorgen

Wolkenschiffe

Eine dichte Wolkendecke schützt vor intensiver Sonneneinstrahlung. Einige Wissenschaftler überlegen deshalb, Wolken ganz gezielt herzustellen. Dazu wollen sie Spezialschiffe mit aufgesetzten Türmen bauen, die ohne Menschen an Bord über die Meere schippern. Die Türme sprühten dabei einen feinen Nebel aus Salzwasser in die Luft. An den winzigen Salzkristallen lagerten sich Wassertröpfchen aus der Luft an: künstliche Wolken entstünden. Diese könnten dann den Planeten abkühlen – erstens mit ihrem Schatten, der auf die Erde fällt. Zweitens dank ihrer Helligkeit. Denn alles, was hell und weiß ist, wirft das Sonnenlicht ähnlich wie ein Spiegel zurück in den Weltraum.

Das sagt der Experte: "Von allen Ideen finde ich diese am schlechtesten. Künstliche Wolken würden das Wetter auf der Erde völlig durcheinanderbringen! Es gäbe Stürme, starke Regenfälle oder auch Dürren, mit denen keiner rechnet. Dabei sind genaue Wettervorhersagen für uns Menschen enorm wichtig, zum Beispiel für Bauern und Seeleute. Von Wolken-Experimenten sollten wir deshalb unbedingt die Finger lassen!“

Was Forscher gegen die Erderwärmung tun wollen

Billig ist das nicht: ein künstlicher Baum kostet etwa 18.000 Euro

Künstliche Bäume gegen den Klimawandel

Bäume binden wie Algen Kohlendioxid und sind deshalb wichtige Helfer im Kampf gegen den Klimawandel. Besonders viel CO2 kann ein normaler Baum aber nicht aufnehmen – nur etwa 60 bis 100 Gramm pro Tag. Britische Forscher wollen deshalb überall auf der Welt künstliche Bäume aufstellen, die deutlich mehr von dem Klimagas wegschaffen: jeden Tag zehn Tonnen CO2 pro Baum!

Mit echten Pflanzen haben diese riesigen Filter aber nicht viel gemeinsam. Sie stecken voller Chemikalien, die das Kohlendioxid aus der Luft an sich binden. Das Gas würde dann unterirdisch gelagert, zum Beispiel in stillgelegten Bergbaustollen. Billig sind solche Wunderbäume nicht gerade: Pro Stück kosten sie etwa 18.000 Euro. Außerdem bräuchte man ziemlich viele davon. Allein um die Menge an Klimagasen aufzufangen, die der Autoverkehr in Großbritannien erzeugt, müssten etwa 100.000 solcher Filteranlagen aufgestellt werden!

Das sagt der Experte: "Das Kohlendioxid aus der Luft zu holen ist auf jeden Fall vernünftiger, als an der Sonneneinstrahlung herumzuklempnern. Aber eigentlich ist es natürlich Unsinn, erst schädliche Stoffe in die Atmosphäre zu blasen und sie dann mit großem Aufwand wieder einzusammeln. Es führt nun einmal kein Weg darum herum: Wir müssen dringend aufhören, Treibhausgase wie das CO2 in die Umwelt zu pusten!"

Ein Kunststoffspiegel gegen Sonnenstrahlen

Was Forscher gegen die Erderwärmung tun wollen
Ein Kunststoffspiegel im All könnte die Sonnenstrahlen zurück reflektieren

Ein gigantischer Spiegel, der im All schwebt und unseren Planeten vor heißen Sonnenstrahlen schützt? Das klingt nach Science-Fiction! Die Regierung der USA hat aber schon ernsthaft über die Machbarkeit dieses Projekts nachgedacht und sogar die Kosten durchgerechnet.

Ergebnis: Der verrückte Plan könnte tatsächlich funktionieren! Allerdings würde er mehrere Billionen Euro kosten. Natürlich würde dann keine riesige Glasscheibe ins All geschossen. Der "Spiegel" bestünde aus lauter kleinen Kunststoffscheibchen – etwa 16 Billionen Stück! Diese würden als 100.000 Kilometer langer Teppich zwischen Sonne und Erde schweben und einen Teil der Sonneneinstrahlung reflektieren.

Das sagt der Experte: "Solch ein Weltraumspiegel würde wahnsinnig viel kosten. Andererseits wird auch die Erderwärmung teuer. Je heißer die Erde, desto mehr Ernten fallen aus, es gibt zudem enorme Schäden durch Überschwemmungen und Stürme. Es lohnt sich also, für den Klimaschutz viel Geld auszugeben. Ich glaube nur, dass ein Weltraumspiegel das falsche Mittel wäre. Das Problem ist dasselbe wie beim Schwefel-Trick: Die Erde kühlt an den falschen Stellen ab. In den Tropen sinken die Temperaturen, aber die Polregionen schmelzen weiter."

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