Meter für Meter kämpft sich die Polarstern durch das Eisfeld. An Bord sind 49 Wissenschaftler und die 44-köpfige Schiffscrew, darunter zwei Piloten, die zu 16 Forschungsflügen mit dem Helikopter abheben

Mehr als 9000 Kilometer legt der Eisbrecher bei der Fahrt durch das Südpolarmeer in die Antarktis zurück. Achtmal verlassen die Forscher das Schiff, um Messungen auf den Eisschollen durchzuführen

Der Schein trügt: So hübsch die Winterlandschaft auch wirkt, die Arbeit auf dem Eis ist hart...

... Das Graben, Bohren und Buddeln bei gefühlten minus 50 Grad Celsius strengt enorm an. Bis zu 5000 Kilokalorien pro Tag nimmt ein Wissenschaftler daher zu sich - etwa doppelt so viel wie zu Hause

Aber die Arbeit wird auch belohnt: Die Polarstern ist nämlich Forschungslabor, Verkehrsmittel und Hotel zugleich. An Bord wärmen sich die Wissenschaftler nach ihren Einsätzen auf dem Eis in der Sauna auf. Oder sie spielen eine Runde Wasserball im Pool

Wer eigentlich an Bord ist? Zum einen sind da die MEERESBIOLOGEN. Sie wollen herausfinden, wie die Ruderfußkrebse pünktlich zum Frühjahr erwachen. Um Energie zu sparen, überdauern die nur wenige Millimeter großen Tiere den Winter nämlich in einem Ruhestadium. Weil die kleinen Krebse eine große Rolle im Ökosystem der Antarktis spielen, ist diese Forschung so wichtig. Mit einem sogenannten Multinetz fangen die Forscher die Winzlinge also ein, untersuchen sie anschließend unter dem Mikroskop und nehmen ihnen Blut ab.

Dann gibt es noch die MEEREIS-PHYSIKER an Bord: Deren Hauptfrage lautet: Warum wächst das Eis in der Antarktis, während es in der Arktis schmilzt? Ihre Forschung ist so wichtig, weil Meereis das Klima auf der ganzen Welt beeinflusst. Die hellen Eisflächen werfen einen Großteil der Sonnenstrahlung und damit deren Energie zurück, die dunklen Ozeane hingegen schlucken sie. Je weniger Meereis es gibt, umso schneller erwärmt sich der Ozean. Die Eisdicke lässt sich vom Helikopter aus mithilfe von Sensoren ermitteln - oder indem man einfach Löcher ins Eis bohrt und nachmisst.

Wenn das Eis zu dünn ist, hievt ein Kran vom Schiff aus eine Metallkiste bis zur Oberfläche der Scholle. Durch eine Bodenluke können die Meereis- Physiker dann Proben entnehmen

Auch dabei sind die BIOGEO-CHEMIKER: Sie wollen unter anderem herausfinden, wie viel des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid (CO2) vom Ozean durch das Eis in die Atmosphäre gelangt - und umgekehrt. CO2 treibt den Klimawandel voran. Je mehr davon in die Atmosphäre gerät, desto mehr heizt sie sich auf. Die Forscher entnehmen also Proben, um sie zu untersuchen. Mit Messgeräten ermitteln sie, welche Stoffe das Eis enthält.

METEOROLOGEN dürfen an Bord des Forschungsschiffs nicht fehlen: Diese wollen im Prinzip herausfinden, wie das das Wetter im antarktischen Winter ist. Je mehr Wetterdaten die Forscher sammeln, desto besser können sie Modelle erstellen und das Wetter künftig vorhersagen. Ferngesteuerte Kleinflugzeuge messen dazu in bis zu 2000 Meter Höhe Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit sowie die Windgeschwingkeit.

Zuletzt zu nennen sind die OZEAN-AKUSTIKER: Welche Laute geben antarktische Zwergwale, die häufigste Walart im Weddellmeer, von sich? Das will diese Forschergruppe wissen. Bisher sind beispielsweise Zwergwale noch wenig erforscht. Die Gesänge verraten aber viel über ihr Verhalten und wie groß der Bestand ist. Die Forscher belauschen also die Wale mit Unterwasser- Mikrofonen, die sie von der Eiskante aus in den Ozean absenken. Gleichzeitig beobachten sie das Meer mit einer Wärmebildkamera, um die Geräusche eindeutig einem Wal zuzuordnen.

Diese Exkursion war erfolgreich. Nun müssen die Forscher nur noch heile zurück nach Hause kommen. Vor ihnen liegt die Drakestraße, eines der stürmischsten Seegebiete der Welt. "Wir hatten bisher Glück mit dem Wetter", sagt Stefan Hendricks. "Die Wellen waren gerade einmal vier Meter hoch. Das ist nichts im Vergleich zu Zehn-Meter-Brechern bei einem Sturm."

Nun aber schnell nach Hause. Neugierig beäugt eine Gruppe Kaiserpinguine das Forschungsschiff bei seiner Abreise.

Winter in der Antarktis sind ungemütlich: Es ist finster. Der eiskalte Wind peitscht mit gefühlten minus 50 Grad Celsius ins Gesicht. Doch die Forscher auf dem Schiff "Polarstern" sind dennoch aufgebrochen.

Für GEOlino haben die Meereis-Physiker Stefan Hendricks und Mario Hoppmann die Fahrt in Hunderten Fotos festgehalten - obwohl ihnen beim Fotografieren fast die Augenlider zusammengefroren sind. Seht selbst:

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