Wie die Queen Mary 2 gebaut wurde

Im Januar 2004 startete der größte und teuerste Ozeanliner aller Zeiten zur Jungfernfahrt. Alles über Bau und Technik der "Queen Mary 2" gibt's hier
In diesem Artikel
160 Jahre Tradition
Strom für 3800 Menschen

Insgesamt 4200 Werftarbeiter waren beschäftigt, um im französischen Hafenort Saint-Nazaire in der Bretagne das größte, längste und teuerste Kreuzfahrtschiff aller Zeiten zu bauen: die "Queen Mary 2". Die Maße des Schiffes sind ungeheuer. Es ist 345 Meter lang, 41 Meter breit und rund 70 Meter hoch. Allein der Rumpf ist 45 Meter länger als der Eiffelturm hoch ist. Und neun Meter zu breit für den Panamakanal.

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Eine Fahrt kostet bis zu 30 000 Euro

Die "Queen Mary 2" hat Platz für 2620 Passagiere und 1253 Besatzungsmitglieder. Sie ist dreimal so groß wie die "Titanic". 50 Jahre nach Einführung der Transatlantikflüge wird der Luxuskreuzer Passagiere von Europa nach Amerika fahren. Obwohl die Überfahrt sechs Tage dauert. 18-mal länger als ein Flug. Und eine Passage in der teuersten Kabinenklasse 30 190 Euro kostet! Zuzüglich Trinkgeld.

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Mit rund 70 Metern Höhe ist die "Queen Mary 2" für einige Häfen und Docks der Welt ein paar Nummern zu groß

Baukosten: 870 Millionen Euro

Doch wer sich solch eine Reise leistet, ist nicht an einem schnellen Transport interessiert. Der will an Bord höchsten Komfort genießen und ein paar elegante Tage verleben. 870 Millionen Euro hat die "Queen Mary 2" gekostet. Damit sich die Investition auszahlt, soll das Schiff mindestens 40 Jahre lang "arbeiten".

160 Jahre Tradition

Die Geschichte der Transatlantik-Passagen zwischen Europa und Amerika beginnt im 19. Jahrhundert. 1840 richtet der kanadische Reeder Samuel Cunard mit der "Britannia" einen regelmäßigen Dienst ein. Cunard ist nicht der erste atlantische Dampfschiffreeder, aber der erste erfolgreiche. Immer größer, immer schneller werden die Liner seiner Reederei. Ab 1907 schickt Cunard mit der "Mauretania", "Lusitania" und "Aquitania" gleich drei Schiffe auf See.

Immer schneller, immer komfortabler

Sie durchpflügen die Wellen mit 25 Knoten (46 km/h), kreuzen den Ozean in weniger als fünf Tagen und "fressen" dafür jeweils 6000 Tonnen Kohle. 1936 wird schließlich die "Queen Mary" in Dienst gestellt: 310 Meter lang, 81 237 Bruttoregistertonnen (BRT) groß, 30 Knoten Höchstgeschwindigkeit - der größte und schnellste Oceanliner seiner Zeit. Für die Strecke von Southampton nach New York braucht er vier Tage.

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6. Juli 2002: In einer großen Montagehalle werden Teile des Rumpfs für das Schweißen vorbereitet

Das Flugzeug als Konkurrent

Doch 1959 beginnt über dem Atlantik das Jet-Zeitalter. Binnen weniger Jahre wählen nur noch Romantiker und Passagiere mit Flugangst den Seeweg. Cunard mustert die "Queen Mary" und die etwas jüngere "Queen Elizabeth" aus und stellt dafür die kleinere "Queen Elizabeth 2" in Dienst. Die kreuzt im Winter in der Karibik oder im Mittelmeer und fährt nur im Sommer und zu Weihnachten über den Nordatlantik - als nunmehr einziges Passagierschiff der Welt. Diesen Liniendienst soll in Zukunft auch die "Queen Mary 2" übernehmen.

Ein Schiff für viele Fälle

Als Linienschiff zwischen Southampton und New York muss sie dem wohl gefährlichsten Ozean der Erde standhalten. Ständig brauen sich über dem Atlantik neue Wetter zusammen; wachsen große Wirbelstürme heran, die die Geschwindigkeit eines Rennwagens erreichen. Auf jeder beliebigen Position muss mit Monsterwellen von 20, 30 Meter Höhe gerechnet werden. Noch im April können Eisberge auf rund 40 Grad nördlicher Breite treiben - etwa der geographischen Breite Neapels.

Strom für 3800 Menschen

Das Schiff muss zudem, trotz seiner ungemein schweren Luxuseinrichtung, schnell sein, um fahrplanmäßig in sechs Tagen zwischen Southampton und New York zu pendeln (zwei Tage langsamer als die erste "Queen Mary", aber das ist im Zeitalter der Düsenflugzeuge ohnehin nicht mehr von Belang). Im Innern der "QM2" arbeitet ein Kraftwerk, das die 150 000 Bruttoregistertonnen Schiff mit 56 km/h durch die Wellen treibt und zugleich den Strom für die mehr als 3800 Menschen an Bord liefert.

Gefährliche Monsterwellen

Vier hausgroße Dieselmotoren und zwei Gasturbinen leisten insgesamt 157 000 PS - genügend Energie zur Versorgung einer Stadt mit 200 000 Einwohnern. Um Riesenwellen standzuhalten, sind Bug- und Heckbereich durch Stahlplatten verstärkt. Auch die Kommandobrücke wurde neu konstruiert. Weil Monsterwellen einmal die 30 Meter hoch gelegene Brücke der "Queen Elizabeth 2" verwüstet hatten, ragt die Brücke der "QM2" nun 40 Meter auf - elf Stockwerke über den Wellen.

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In den "Mermaids" stecken autogroße Elektromotoren, die von einem Kraftwerk im Bauch der "QM2" versorgt werden

Am Schluss ein trauriges Unglück

Im Sommer 2003 ist das Schiff so weit fertig, dass man zur Probe in See stechen kann. Diese "See Trials" ("See-Versuche") verlaufen problemlos. Aber sie enden tragisch: Am 15. November 2003, während das Schiff zur Besichtigung angedockt ist, kollabiert eine Gangway zwischen Dock und Bordwand. Knapp 50 Menschen stürzen fast 20 Meter in die Tiefe, rund 30 werden verletzt und 15 sterben.

Die Erinnerung an das Unglück trübt die prunkvolle Schiffstaufe am 8. Januar 2004. Ehrengast ist die englische Königin Elizabeth. Zu diesem Zeitpunkt ist die "Queen Mary 2" bereits auf Monate im Voraus ausgebucht.

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