Kinotipp: Tsotsi

In den Slums von Johannesburg herrscht bitteres Elend. Der mit einem Oscar gekrönte Film "Tsotsi" bringt dieses Thema auf die Leinwände. GEOlino.de hat ihn sich für euch angesehen. Mit Fotoshow

Ohne mit der Wimper zu zucken bohrt Tsotsi seinem Opfer ein langes Messer in den Bauch. Sein Kumpan zieht dem Mann währenddessen einen Briefumschlag voller Geld aus der Innentasche seines Jacketts. Von Tsotsi und seinen drei Freunden umzingelt, stirbt der Südafrikaner unbemerkt im ohrenbetäubenden Geratter eines Zuges. Für seine Mörder geht der Abend wie gewohnt bei einem Bier und Würfelspielen in Soweto zu Ende.

Tsotsi (Slang für Straßenjunge, Gangster) ist der brutale Anführer einer Gang im Township Soweto, einem Armenviertel von Johannesburg. Er lebt in den Tag hinein: Seine Vergangenheit ist zu schrecklich, um darüber nachzudenken und die Zukunft ungewiss. Skrupellos beklauen und ermorden der 19-jährige Tsotsi und seine Kumpel Butcher (engl.: Fleischer), Aap und Boston andere Menschen. Sie brauchen das Geld um zu überleben. Nur der Ex-Lehrer Boston scheint sich noch nicht ganz mit der brutalen Wirklichkeit in Soweto abgefunden zu haben. Nach dem Mord an dem Mann im Zug muss er sich vor Ekel übergeben. Tsotsi dagegen nippt seelenruhig an seinem Bier.

Das Blatt wendet sich

Doch Tsotsis Schicksal nimmt plötzlich eine Wende. Eines nachts stiehlt er einer reichen Südafrikanerin den BMW, schießt sie nieder als sie ihn aus ihrem Auto jagen will und rast davon. Plötzlich merkt er: Auf der Rückbank des Wagens liegt ein Baby. Vor Schreck fährt er in einen Graben. Nun muss er zu Fuß nachhause laufen. Man könnte meinen, er lässt das Baby im Wagen zurück. Was kümmert ihn das Kind einer reichen Familie? Doch als er gehen will, stellt sich ein ihm bisher unbekanntes Gefühl ein: Mitleid. Verwirrt steckt er den Säugling in eine Papiertüte und nimmt ihn mit in seine Welt.

Bester fremdsprachiger Film 2006

Der Film "Tsotsi" gewann zu Recht den Oscar in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film". In Südafrika waren die Vorstellungen wochenlang ausverkauft. Als einer von wenigen südafrikanischen Streifen hat er es auf die internationalen Leinwände geschafft. Fernab von der perfekten Hollywoodkulisse führt uns die Kamera in die gottverlassenen Gassen und Winkel Sowetos. Mit den Augen Tsotsis zeigt uns der Regisseur Gavin Hood die Welt der Armen.

Kindheit im Abflussrohr

Er wirft die Frage auf: Ist es Tsotsi überhaupt zu verdenken, dass er so ist, wie er ist? Würde nicht jeder Mensch, der wie Tsotsi seine Kindheit in einem Abflussrohr aus Beton verbrachte, früher oder später so handeln? Die Geschichte ist schnörkellos wie das Schicksal der Bewohner Sowetos. Allein über die Bilder und die kraftvolle Kwaito-Musik (südafrikanische Art HipHop) findet der Zuschauer einen emotionalen Zugang zu dem Thema und empfindet am Ende tiefes Mitleid für den Mann, der eigentlich ein Schwerverbrecher ist.

Info

"Tsotsi" ist ab zwölf Jahren freigegeben und läuft seit dem 4. Mai in den deutschen Kinos. Die Geschichte basiert auf dem Roman vom Athol Fugard (wieder aufgelegt im Diogenes-Verlag).

Internet: www.tsotsi.kinowelt.de.org

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