Kinotipp: "Wo die wilden Kerle wohnen"

Wie verfilmt man ein Buch, dessen Text nur 333 Wörter umfasst? Der experimentierfreudige Regisseur Spike Jonze hat sich daran versucht und das Bilderbuch "Wo die wilden Kerle wohnen" des US-amerikanischen Autors Maurice Sendak auf die große Leinwand gebracht Mit Trailer

Eine besondere Geschichte über einen normalen Jungen

Die Hauptfigur ist Max, ein sensibler und vielleicht auch deshalb schwer kontrollierbarer Junge. Nach einem Streit mit seiner Mutter läuft er davon und flieht übers Meer in ein fremdes Land. Hier trifft er die "wilden Kerle": hünenhafte Monster mit Bärenkräften, scharfen Krallen und Zähnen.

Dass diese Kreaturen ihre ganz eigenen Problemen haben, das erfährt Max, nachdem er durch einige Schwindeleien zu ihrem König erkoren wird. So steckt in jedem wilden Kerl ein verletzliches Wesen, ebenso wie in Max. Gemeinsam erlebt die Gruppe einige Abenteuer - bis Max' Schwindel auffliegt.

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Max unter wilden Kerlen

Kindliches Gefühlschaos

Spike Jonze hat versucht, das komplizierte Thema des Kinderbuchs verständlich in einen Film zu übertragen. Im Buch verfestigen sich Max' Gefühle in seiner Phantasie zu den wilden Kerlen. Auch im Film ist das der Fall. Jonze geht sogar noch einen Schritt weiter und lässt die einzelnen Monster jeweils ein bestimmtes Gefühl verkörpern: Wut, Eifersucht, Isolation – aber auch Liebe und Vertrauen.

Die düsteren Stimmungen gewinnen im Film schnell die Oberhand. Wer einen leichten, unterhaltsamen Film erwartet (immerhin dreht sich ein gutes Drittel der Buchvorlage ums fröhliche Herumtoben) wird enttäuscht. Mit wenigen Ausnahmen ist der Film eine langsam erzählte Geschichte über die Schwierigkeiten, die manche Gefühle mit sich bringen. Etwa ab der Hälfte des Films kehrt Schwermut in die Welt der wilden Kerle ein.

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Wer sich aber auf die düstere Stimmung einlässt und bereit ist, nachzudenken, wird an diesem Film Gefallen finden. Die Figur des Max hätte nicht besser als mit dem sehr authentischen Max Records besetzt werden können. Die wilden Kerle gleichen denen aus der Buchvorlage bis auf den letzten Reißzahn.

Jonze lässt seinen Hauptdarsteller sehr glaubwürdig die überschwappenden Emotionen verkörpern. Die Geschichte ist aus der Sicht eines Kindes – und deshalb nicht immer rational und überlegt erzählt.

Letztlich erfährt Max, dass sein Versprechen auf ein Königreich, in dem alle glücklich sind, nicht zu halten ist. Er erinnert sich, wo man ihn am liebsten hat. Und wo seine Gefühle verstanden, statt beherrscht werden: zu Hause.

"Wo die wilden Kerle wohnen" – ab 17.12.2009 im Kino!

Das Buch

"Und jetzt machen wir Krach!", befahl König Max seinen "wilden Kerlen" schon im Jahr 1963. Da nämlich erschien das ungewöhnliche Bilderbuch des US-amerikanischen Kinderbuchautors Maurice Sendak: "Wo die wilden Kerle wohnen".

Sendaks Buch wird seither unterschiedlich bewertet. Die "wilden Kerle" sind so gar nicht typisch für ein klassisches Kinderbuch, sie verkörpern rohe, schwer zähmbare Gefühle, wie Wut oder Angst. Viele Kritiker halten das Thema für zu düster, um es Kindern zugänglich zu machen.

Auf der anderen Seite aber entwickelte sich eine große Fangemeinde, selbst in einer Folge der "Simpsons" tauchen die doch recht liebevollen Monster auf.

"Wo die wilden Kerle wohnen", Diogenes Verlag, ca. 16,90 Euro.

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