Kinotipp: Timetrip – Der Fluch der Wikinger-Hexe

Der Teenager Valdemar soll für den genialen Physiker Benedikt in die Vergangenheit reisen um ein besonderes Schmuckstück zu beschaffen. Doch Benedikt hat ein dunkles Geheimnis... Mit Trailer
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"Timetrip"
Fazit

"Timetrip"

Der Teenager Valdemar (Jonas Wandschneider) und seine kleine Schwester Sille (Clara Maria Bahamondes) sollen während eines Kurzurlaubs der Eltern ein paar Tage alleine auskommen. Kaum sind die Eltern abgereist, schnappt sich Valdemar den protzigen Neuwagen seines Vaters um damit bei seinen Freunden anzugeben – natürlich ohne einen Führerschein zu haben!

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Das offizielle Filmplakat zu "Timetrip"

Prompt baut er bei einer Spritztour einen Unfall. Verzweifelt bringt er das schrottreife Auto in die Werkstatt, doch der Besitzer macht ihm wenig Hoffnung: In der kurzen Zeit ist die Reparatur teuer: 100.000 Kronen müsse er schon aufbringen. Klar, dass der Schüler dieses Geld nicht hat.

Am nächsten Tag, bei einem Schulausflug, lernt Valdemar den Physiker Benedikt (Jakob Cedergren) kennen. Sofort bietet Benedikt dem Teenager an, als besonders gut bezahlte Testperson für seine selbstgebaute Zeitmaschine herzuhalten.

Valdemar soll in die Zeit der Wikinger zurückreisen, um dort nach einem ganz bestimmten Kreuz zu suchen, das Benedikt fast verdächtig viel zu bedeuten scheint. Mit einigen Bedenken schlägt der Junge ein. Und tatsächlich: Die Zeitmaschine funktioniert und Valdemar wird in die Vergangenheit katapultiert.

Dort angekommen beobachtet er, wie ein Wikinger namens Jotan, der verblüffende Ähnlichkeit mit dem Physiker Benedikt hat, von der Hexe Vølven (Stine Stengade) mit einem Fluch belegt wird. Dann stielt sie Jotans Umhängekreuz und verschwindet.

Ehe Valdemar über das Geschehene nachdenken kann ist er schon wieder zurück in der Gegenwart. Nach der Erzählung des Zeitreisenden gesteht ihm Benedikt seine missliche Lage: Jotan und er sind dieselbe Person! Durch den Hexenfluch wurde er zu ewigen Leben verdammt - nur mit Hilfe des Kruzifix kann er sich davon befreien.

Valdemar verspricht zu helfen. Doch trotz aller Geheimhaltung kommt ihm seine Schwester Sille auf die Schliche und mischt fortan kräftig mit.

Nicht Hollywood - aber gut!

"Timetrip – Der Fluch der Wikinger-Hexe" ist der erste Spielfilm des dänischen Regisseurs Mogens Hagedorn Christiansen. Von den üblichen Anfängerfehlern ist sein Film glücklicherweise relativ frei.

In ruhigem Erzähltempo baut der Film Beziehungen zwischen den Figuren auf und führt durch die Geschichte. Dabei fällt die angenehm kleine Zahl von Protagonisten auf, die zum einen zu wenig Verwirrung führt, zum anderen einen gewissen Tiefgang bei der Beschreibung der Figuren zulässt.

Die Geschichte an sich ist natürlich nicht neu. Schon 1895 erschien H.G. Wells‘ Science-Fiction-Roman "Die Zeitmaschine" und spätestens nachdem Albert Einstein seine Relativitätstheorie veröffentlichte, träumten Fantasy- und Science-Fiction-Autoren von Zeitreisen.

"Timetrip" geht das Thema von einer etwas anderen Seite an. Hier stehen eher die Beziehungen in Vordergrund – insbesondere die von Valdemar und Sille. Gerade für junge Zuschauer sind die Themen Geschwisterliebe, Loyalität und Freundschaft von großer Bedeutung.

Auch der Fluch, dem der Physiker Benedikt unterliegt, trägt eine Botschaft – nämlich dass der Tod ein wichtiger Bestandteil des Lebens ist.

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Die Wikingerhexe hat Jotan zu ewigem Leben verbannt

Fast nebenbei führt "Timetrip – Der Fluch der Wikinger-Hexe" die Zuschauer durch knapp 1000 Jahre dänische Geschichte. Dabei werden einzelne Ereignisse und Zusammenhänge natürlich nur gestreift, trotzdem wird ein interessanter Einblick in die nicht immer präsente Geschichte unseres Nachbarlands gegeben.

Und die ist längst nicht immer schön: Düster, kalt und bisweilen martialisch inszenierte Christiansen seinen Film. Dieser Stil ist typisch für skandinavische Filme – ebenso wie das teilweise etwas unterkühlt wirkende Schauspiel der Protagonisten. Fans der beliebten, bunten Hollywood-Produktionen werden sich daran erst einmal gewöhnen müssen, lässt man sich jedoch einmal darauf ein, kann auch ein nordisch-kühler Film sehr gut unterhalten.

Neben aller Botschaft und Unterkühltheit ist Christiansen vor allem ein Abenteuerfilm gelungen, der mit guten Actionszenen und Humor gespickt ist. Geschickt wird Spannung aufgebaut und einige Überraschungen gibt es auch.

Die FSK-Freigabe ab 6 Jahren erscheint für einen düsteren Film wie diesen teilweise etwas grenzwertig. Wer also etwas schreckhaft ist, nimmt lieber eine Begleitung mit ins Kino.

Fazit

"Timetrip – Der Fluch der Wikinger-Hexe" ist ein gelungenes Debüt für Mogens Hagedorn Christiansen. Ein unterhaltsamer Abenteuerfilm, der neben Action und Effekten auch interessante Botschaften bereithält. Einen erfrischender Kontrast zum Popcorn-Kino aus Hollywood bietet die Skandinavien-typische Optik – auch wenn diese vielleicht nicht jedermanns Fall ist.

"Timetrip – Der Fluch der Wikinger-Hexe" – ab 27. Mai im Kino, FSK: ab 6 Jahren

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