Kinotipp: Der kleine Nick

Der kleine Nick ist sehr zufrieden mit seinem Leben. Doch eines Tages hören seine Eltern auf, sich zu streiten. Nick vermutet, einen kleinen Bruder zu bekommen – und dass seine Eltern ihn daraufhin im Wald aussetzen wollen. Mit Trailer!
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"Der kleine Nick"
Fazit

"Der kleine Nick"

Der kleine Nick (Maxime Godart) lebt mit seinen Eltern im Frankreich der Sechzigerjahre. Er ist überaus zufrieden mit seinem Leben, in dem sein Vater (Kad Merad) das Geld verdient während seine Mutter (Valérie Lemercier) sich um den Haushalt sorgt und Nick nach allen Regeln der Kunst verwöhnt. Folglich schreibt er in einem Aufsatz, in dem er beschreiben soll, was er einmal werden will, er wolle nichts werden. Alles solle so bleiben, wie es ist.

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Überhaupt scheint alles seinen geordneten Gang zu gehen – Nick geht in die Schule, findet Mädchen doof, denn die spielen mit Puppen, und ist gerne mit seinen Freunden im Freien. Eines Tages erzählt sein Freund Joachim, dass er zuhause nicht mehr beachtet wird, seit er einen kleinen Bruder bekommen hat. Seine Eltern würden sich nur noch um den Kleinen kümmern und ihn völlig ignorieren, klagt er. Als Joachim irgendwann einfach nicht mehr in die Schule kommt, ist Nick und seinen Freunden klar, dass ihr Freund von den Eltern im Wald ausgesetzt wurde. Noch immer schockiert von diesem Umstand muss Nick bald beobachten wie seine Eltern ihre üblichen Streitereien beilegen – ein klares Indiz, dass auch in Nicks Zuhause Nachwuchs unterwegs ist!

Ihm wird bewußt, dass nun auch er wohl bald im Wald enden wird. Allerdings will er nicht kampflos aufgeben. Die Idee: Nick muss versuchen, ein besseres Kind zu sein, als es sein Bruder je werden könnte. Mit seinen Freunden schrubbt und putzt Nick daraufhin die ganze Wohnung, kaum dass die Eltern diese verlassen. Leider leiden die Möbel und Wände dann doch ziemlich unter den ungestümen Bemühungen der Jungen. Also muss ein neuer Plan her: Ein Gangster soll dafür bezahlt werden, den kleinen Bruder gleich nach der Geburt zu entführen! Doch wo findet man so einen Gangster? Und wie soll Nick an das nötige Honorar kommen? So langsam läuft Nick die Zeit davon. Und seine Eltern drängen auf einen „schönen, langen Waldspaziergang“!

Liebevoll verfilmter Klassiker

„Der kleine Nick“ ist eine Figur des französischen Autoren René Goscinny und ist nach dem beliebten „Asterix“ dessen zweitbekanntester Charakter. Die Zeichnungen zu den über 200 Geschichten lieferte mit Jean-Jacques Sempé einer der berühmtesten Cartoonisten Frankreichs ab. Die Geschichten des kleinen Nicks wurden weltweit vertrieben und gelten heute als Klassiker. Der Regisseur Laurent Tirard hat die Geschichten nun auf die große Leinwand gebracht.

Dabei herausgekommen ist ein liebevoller und streckenweise urkomischer Film, der mit seiner blitzsauberen Optik gleichzeitig unterhält und nachdenklich macht. Tirard hat die Sets so gestalten lassen, dass die Szenen eher wie alte Werbespots aussehen als zum Beispiel eine wohnliche Küche. Damit, und auch mit einigen Szenen mit Nicks Vater und dessen Chef, die die damaligen Klassenunterschiede verdeutlichen, fing Tirard das etwas spleenige Frankreich in den Sechzigern ein. Mitten in diesem auf Perfektion getrimmten Setting lebt nun der kleine Nick seine Angst vor Veränderung aus. Das nämlich ist das Kernthema der nicht immer guten Geschichte. Die Handlung wirkt teilweise zu gestellt. Das mag als Stilmittel verstanden werden, trübt aber dennoch den ansonsten hervorragenden Eindruck. Die Geschichten von Goscinny und Sempé galten als unverfilmbar und im Film erkennt man auch, warum: Die Geschichten ließen immer Spielraum für Interpretationen, der Humor war eher subtil. Beides ist im Film so nicht umsetzbar. Alles musste etwas konkretisiert dargestellt werden, wodurch der Charme der Geschichten etwas leidet.

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Der Film wird vor allem von den toll harmonierenden Kinderdarstellern getragen. Dass „Der kleine Nick“ überhaupt so unterhaltsam ist und in Frankreich schon über fünf Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt hat, ist vor allem deren Verdienst. Auch die Erwachsenen wissen zu überzeugen und es wurde ein Weg gefunden, dass sich Kinder und Erwaachsene nicht allzu sehr in die Quere kommen.

Fazit

„Der kleine Nick“ ist eine fast rundum gelungene Umsetzung der Klassiker von René Goscinny. Sympathische Figuren und die schräge Darstellung der französischen Sechzigerjahre machen den Film zu einem überaus unterhaltsamen Erlebnis. Dabei ist es egal, ob man die Originale kennt – Der Film ist für Neulinge wie Veteranen bestens geeignet.

„Der kleine Nick“ – ab 26. August 2010 im Kino!

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