Finnland: Forschungsstation Tvärminne

Katharina Schulz studiert Biologie und hat im Rahmen ihres Studiums einen Monat an einer Forschungsstation in Finnland verbracht. Dort beobachtete sie Strandgundeln, eine Knochenfischart

Wer oder was hat dich inspiriert nach Finnland zu gehen?

Im Grunde bin ich meinem Bauchgefühl gefolgt. Auf einer Interrail Reise durch Skandinavien hatte ich ein paar Jahre zuvor bereits neben einigen Städten die weite Natur des Nordens kennen gelernt, die mich faszinierte:

Finnland: Forschungsstation Tvärminne

Katharina Schulz nach einem erfolgreichen Angelausflug

Dunkle Kiefernwälder mit Felsen hier und da, überall Beerensträucher und versteckte Pilze, schmale Pfade - mit deutschem Auge betrachtet wild und gleichzeitig sehr friedlich.

Finnland fand ich aufgrund der Sprache außerdem sehr exotisch. Anders als Schwedisch und Norwegisch ist sie dem Deutschen und auch allen anderen in Europa gesprochenen Sprachen überhaupt nicht ähnlich. Sie zu erlernen habe ich als eine Herausforderung gesehen, als ein Abenteuer.

Letztendlich spielten aber auch die verlockenden Studienbedingungen eine Rolle: die Universität Helsinki bietet ein breites Angebot an englischsprachigen Masterprogrammen an.

Welche Aufgaben hattest du?

Im Rahmen des Masterstudiums, das ich in Finnland begonnen habe, konnte ich vier Wochen lang an einem Verhaltensexperiment auf der Forschungsstation Tvärminne der biologischen Fakultät der Uni Helsinki mitarbeiten. Tvärminne liegt 20 Autominuten vom nächsten Städtchen entfernt direkt am Meer, in einem wunderschönen Schärengebiet (Archipelago) an der Südküste Finnlands.

Dementsprechend werden in vielen Experimenten, die dort durchgeführt werden, Fische als Modellarten verwendet. Mit Beobachtungen des Verhaltens von Strandgrundeln, (Pomatoschistus microps), gingen wir der Frage nach, wie Partnerwahl und Brutpflege der Männchen die Überlebensfähigkeit des Nachwuchses beeinflusst.

Ganz konkret hieß das zunächst mal Aquarien aufbauen, Schläuche legen, Fische fangen, messen und wiegen. Täglich führten wir Beobachtungen durch, zum Teil direkt vor Ort, auf Leitern stehend und mit Stoppuhren bewaffnet, zum Teil mithilfe von Videoaufzeichnungen. Für Verhaltensstudien muss man viel Geduld mitbringen. Denn man muss so beobachten, dass man seine Ergebnisse hinterher auch statistisch auswerten kann.

Man vergleicht zum Beispiel Raten - Wie oft innerhalb von 20 Minuten zeigt Weibchen C Männchen A ihren prall mit Eiern gefüllten Bauch? Wie oft innerhalb von 5 Minuten wedelt Männchen D den Eiern in seinem Nest Sauerstoff zu? So kann man auch mal 18 von 20 Minuten auf der Leiter stehen, ohne, dass sich ein Fisch bewegt, und muss in den letzten 5 Minuten, in denen sie aktiv werden, tierisch aufpassen, dass man auch ja alles notiert, was sie tun.

Da die Fische nicht warten, muss auch das Wochenende durchgearbeitet werden.

Um aber auch mal abzuschalten, wechselten wir uns mit Schichten ab und hatten jede mal einen Tag frei. Dann hieß es ausschlafen, durch die Binnendünen wandern, zum Strand im 20 km entfernt gelegenen Städtchen Hanko fahren oder auf einem Felsen am Wasser lesen - kurz, die finnische Natur zu genießen.

Was hat dich an Finnland besonders beeindruckt?

Besonders beeindruckt hat mich die Art und Weise, wie die Finnen den Alltag gestalten. Das öffentliche Leben ist sehr strukturiert, alles läuft geordnet und effektiv ab; Pünktlichkeit und Aufrichtigkeit sind daher selbstverständlich.

Trotzdem bleibt es ruhig und locker und es wird Wert darauf gelegt, zwischendurch mal eine wohlverdiente Pause zu machen oder so richtig zu feiern.

So ist zum Beispiel die Sauna, für die Finnland so bekannt ist, nicht aus dem Leben wegzudenken. Ob im Schwimmbad, Studentenwohnheim oder Sommerhaus direkt am See, kaum einen Ort gibt es ohne Sauna. In der Forschungsstation steht sie zwei mal pro Woche auf dem Programm, immer nach Geschlechtern getrennt. Nach einem anstrengenden Arbeitstag entspannen sich dort Professoren, Studenten und Personal gemeinsam in der wohligen Wärme und springen zwischendurch zum Abkühlen mit einem Jauchzer ins Meer.

Finnland: Forschungsstation Tvärminne

Blick von der Forschungsstation auf den See und das Bootshaus

Wie sollte man sich auf Finnland vorbereiten?

Das Buch "KulturSchock Finnland" (von Ildiko Hamos und Ilari Sohlo, Reise Know-How Verlag) kann ich sehr empfehlen. Es beschreibt die finnische Mentalität sehr, wie sich herausstellte, wirklichkeitsnah, und hilft so, sich auf die eher zurückhaltenden Leute einzustellen und kulturellen Missverständnissen vorzubeugen.

Kontaktdaten der Universität in Helsinki und der Forschungsstation

Universität Helsinki

Universität Helsinki, biologische Fakultät

Forschungsstation in Tvärminne

Falls ihr genauere Fragen zur Arbeit an der Forschungsstation habt, könnt ihr euch auch an Katharina wenden: katharina.schulz@helsinki.fi

Außerdem berichtet sie auf ihrem Blog über ihren Aufenthalt

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