Strandblüten

Im Urlaub erlebt der zwölfjährige Timo eine böse Überraschung. Jemand hat ihm Falschgeld untergejubelt. Aber wer? Ein kniffliger Krimi zum Mitraten
In diesem Artikel
Im Supermarkt
Mein Taschengeld
Falsche Fünfziger
Lösung:

Also, um das gleich vorweg zu sagen: Meine Mutter ist total in Ordnung. Auf Mom lass’ ich nichts kommen. Und mit dieser Sache hier hat sie hundertpro nichts zu tun. Das würde ich sogar schwören. Die Geschichte ist nämlich die – aber nein, ich fang’ wohl besser ganz am Anfang an...

Das war erst vorgestern, am Mittwoch. An dem Tag begannen bei uns die Ferien, und Mom ist gleich nach der Schule mit mir los. Sie hatte schon sämtliche Sachen in den Wagen gepackt und musste nur noch tanken. Bezahlt hat sie das mit ihrer Plastikkarte, das weiß ich genau. Da stand ich direkt daneben, weil ich mir noch eine Tüte Gummibärchen und zwei leckere Schokoriegel nehmen durfte.

Einer davon war natürlich für Mom, das ist klar. Sie mag das Zeug nämlich total gern, selbst wenn sie immer sagt, es sei schlecht für alles. Für die Zähne und für die Haut.

Mom achtet da sonst sehr drauf. Sie geht auch jede Woche mindestens einmal ins Fitness-Studio. Deshalb sieht sie echt toll aus. Und viele Leute halten sie auf den ersten Blick für meine große Schwester. Tatsache.

Ich bin jetzt zwölf, und meine Mom ist so knapp über dreißig. Sie hat ziemlich früh geheiratet, aber das ist nicht lange gut gegangen. Mom sagt manchmal, mein Vater sei nun überhaupt kein Familienmensch gewesen und eigentlich habe sie das wissen müssen. Aber die Liebe, aber die Liebe, trällert sie dann, und wir fangen beide an loszuprusten.

Doch das nur nebenbei.

Auf die Insel

Nein, nur noch eins: Was ich Mom absolut nicht verzeihe, ist, dass sie mir diesen Namen gegeben hat: Timo! Ich weiß nicht, ich muss selbst dabei immer an Erdnüsse denken, jedenfalls an was zu knabbern. Oder auch an so was wie ein Eichhörnchen – Timo! Na gut, das ist jetzt auch nicht so riesig wichtig.

Wir fuhren also ziemlich zügig rauf auf unsere Insel und waren so gegen fünf Uhr nachmittags in unserem Ferienhaus. Das ist nicht besonders groß. Eigentlich hat es nur einen Wohnraum mit einer Tür zur Terrasse raus, ein Schlafzimmer, Bad und eine kleine Küche. Doch man kann es sich darin richtig gemütlich machen, echt.

Im Supermarkt

Wir haben aber erst einmal nur die Koffer reingeschleppt und sind schnell noch zum Supermarkt gefahren.

Da hat Mom aus fast jedem Regal irgendwas genommen, aus der Kühltruhe auch zwei von den Hawaii-Eisbechern, die es auf der ganzen Insel nur in diesem Laden gibt. Und ich habe den immer mehr voll bepackten Wagen neben ihr durch die Gänge geschoben. An der Kasse muss die Sache angefangen haben. Jedenfalls hat Mom da das erste richtige Geld ausgegeben. Ich weiß noch, dass sie über hundert Euro bezahlen musste und der Frau an der Kasse zwei Hunderteuro-Scheine gegeben hat.

Und ich erinnere mich auch noch, dass die Kassiererin nach hinten gerufen hat, sie brauche neues Wechselgeld. Schließlich kriegte Mom 73 Euro und noch was zurück. Und darunter war auch ein Fünfzigeuro-Schein, hundertpro. Das habe ich voll gespeichert, obwohl ich an dem Tag überhaupt nicht weiter darüber nachgedacht habe

Am Strand

Am nächsten Morgen, also gestern, sind wir dann nach dem Frühstück sofort runter an den Strand. Der alte Strandkorbvermieter, der nie viel mehr als „Tach auch“ gesagt hatte, hockte nicht mehr in seiner Bude. Jetzt machte das so ein blonder und übertrainierter Typ, der Mom dermaßen anstierte, dass sie ihn voll von oben herab anging.

Ich kenne diesen Ton bei ihr genau. Den kriegt sie immer drauf, wenn ihr irgendwelche Leute dumm kommen. Ich muss dann immer innerlich grinsen, weil Mom ja eigentlich ganz anders ist.

Aber diesem Muskelprotz hat sie es echt gezeigt. Ich denke mal, dass sie ihm absichtlich einen Hunderter gegeben hat, obwohl der Korb für zwei Tage nur 36 Euro Miete kostete und sie ja hundertpro noch den Fünfziger vom Supermarkt hatte.

Jedenfalls musste der Blonde zu den Surfern traben, um den Schein eventuell von ihnen gewechselt zu kriegen.

Die Surfer

Auf die Surfer hatte ich mich schon echt gefreut. Die sind jedes Jahr um diese Zeit auf der Insel, weil hier auch der Worldcup stattfindet. Ich seh‘ das total gern, wie sie so über die Wellen zischen und irre gewagte Kunststücke bringen. Weil Mom also noch auf ihr Wechselgeld wartete, lief ich schon mal zu den Surfern runter, um mir die Bretter und überhaupt alles da genau anzugucken.

Und dabei kriegte ich mit, dass der blonde Muskelprotz mit Moms Hunderter irgendwie dumm herumstand, bis schließlich einer aus der Gruppe auf eine grüne Kühlbox zeigte. Doch das interessierte mich herzlich wenig, denn auf dem Wasser waren schon einige Surfer und auch eine toll aussehende Frau, die aber ziemliche Probleme hatte, sich auf dem Brett zu halten.

Ich hab’ ihr eine ganze Weile zugesehen, wie sie immer wieder voll runterkippte und patschnass wurde. Doch dann stand sie auf einmal und schoss nur so davon. Das musste echt lässig sein. Ich schwor mir jedenfalls, es in diesen Ferien auch endlich einmal anzutesten. Man konnte nämlich ganz in der Nähe Bretter mieten und sich Unterricht geben lassen.

Mein Taschengeld

Irgendwann stapfte ich dann wieder zu Mom, die es sich in ihrem Strandkorb bequem gemacht hatte und in einem dicken Buch las. Sie hatte sich vorgenommen, es in den Ferien ganz zu schaffen.

Aber so etwas in der Art sagt sie immer vorher. Es müssen dann nur die ersten alten Bekannten auftauchen, und schon ist es mit dem Lesen vorbei. Tatsache. Mit denen zu quatschen, tut sie viel lieber. Oder auch dieses Boccia spielen, was ich nun stinklangweilig finde.

Das passierte dann auch.

Aber Mom merkte gleich, dass ich ein Gesicht zog und winkte mich zu sich. Sie führte mich kurz bei ihren Bekannten vor und meinte dann, ich könnte ja allein rumziehen.

Ich bekäme ohnehin noch mein Taschengeld. Und schon hatte sie mir einen Fünfziger in die Hand gedrückt.

Jedenfalls zog ich fix ab und entschied mich, mir oben an dem Stand einen Crêpe mit Schoko zu gönnen. Da war schon eine lange Schlange, und ich hörte, wie der Verkäufer stöhnte, dass heute alle nur mit großem Geld kämen.

Naja, genau das brachte mich in diese wirklich üble Situation. Ich wollte den Mann nämlich nicht völlig zur Verzweiflung bringen und lief deshalb mit meinem Fünfziger schnell mal rüber in die kleine Sparkasse an der nächsten Straßenecke, um ihn da zu wechseln.

In der Bank

Am Schalter aber saß ich dann voll in der Patsche. Der Kassierer nahm meinen Schein, rubbelte daran und zog misstrauisch die Augenbrauen hoch. Sein Blick ging mir durch und durch. Ich kriegte so was von Hemdflattern.

Wo hast du den denn her? musste ich mich fragen lassen. Das ist ja eine nette Blüte – Falschgeld. Ein falscher Fünfziger. Darüber müssen wir uns schon mal etwas länger unterhalten. Komm doch mal mit in mein Büro. Er sagte wahrscheinlich noch mehr, aber ich bekam nichts weiter mit. Ich war wahnsinnig geschockt, und mein Herz wummerte wie verrückt: Falschgeld, Falschgeld. Mom hatte mir einen falschen Fünfziger gegeben. Aber doch nicht mit Absicht. Nein. Nein. Nicht Mom.

Doch dann machte ich was Saudummes, was ich in dem Moment aber für das einzig Richtige hielt.

Ich schoss wie ein Blitz los, rannte einfach weg und dachte nur immer, dass ich ja kein Betrüger war und Mom erst recht nicht. Total blöd, das ist mir mittlerweile auch klar. Aber andererseits hätte ich da in der Bank reden und reden und erklären müssen. Und sie hätten mit Sicherheit Mom vom Strand geholt. Das wäre alles mehr als stressig gewesen und vor Moms Freunden auch echt peinlich.

Nein, das wollte ich nicht. Selbst, wenn ich die ganzen Ferien über in unserem Haus sitzen müsste, um nicht von dem Kassierer erwischt zu werden. Also rannte ich wie verrückt, und erst als ich ganz weit weg war, schon fast an dem Parkplatz vor den Dünen, stoppte ich langsam ab.

Falsche Fünfziger

Es dauerte eine Zeit, bis ich wieder durchatmen und ein paar Gedanken fassen konnte. Zuerst dachte ich natürlich daran, dass mein Taschengeld nun futsch war. Und dann, dass Mom das hundertpro früher oder später merken würde. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto verzwickter wurde alles. Bis ich rein gar nichts mehr denken konnte.

Nein, zwei Sachen hatte ich doch noch überdeutlich vor meinen Augen. Unseren Einkauf im Supermarkt und den großen Blonden, der nicht gleich rausgeben konnte. Hatte er Mom einen falschen Fünfziger zurückgegeben? Den ich dann von ihr gekriegt hatte? Aber woher hatte er ihn und was nützte mir das letztlich? Ich konnte ja nicht einfach zu ihm hin und ihn darauf ansprechen. Der würde mich nur auslachen, wenn nicht sogar Schlimmeres machen mit seinen Muskeln.

Also, ich kam echt nicht weiter. Und ich musste auch langsam wieder zurück zu Mom, obwohl ich mich supermies fühlte. Ich hatte null Ahnung, wie ich aus der Sache rauskommen könnte. Als ich dann aber endlich an unserem Strandkorb war, sah ich gleich, dass auch mit Mom irgendwas nicht stimmte. Sie zog mich neben sich in den Korb und sagte ziemlich aufgeregt, dass sie vorhin im Strandcafé einen Riesenärger mit einem Fünfziger gehabt habe.

Man hatte ihr Geld nicht akzeptiert und gemeint, offenbar habe sie sich auch eine von diesen jetzt immer häufiger auftauchenden Strandblüten andrehen lassen.

Zwei falsche Fünfziger – Wahnsinn! Ich konnte erst mal überhaupt nichts sagen, so geplättet war ich. Ich war echt total verwirrt, weil Mom auch noch sagte, der Schein, den sie mir gegeben habe, und ihr falscher seien wirklich die beiden einzigen Fünfziger gewesen, die sie gehabt hätte. Und ob ich mir von meinem schon was gekauft hätte.

Ich wollte ihr gerade gestehen, in was ich geraten war, als die Surfer an uns vorbei kamen. Die toll aussehende Surferin war natürlich auch dabei. Sie schleckte lässig an einem Hawaii-Becher, trug über der Schulter eine Kühlbox. Und die Männer gurrten total um sie herum.

Da wurde mir blitzartig klar, wer das Falschgeld unter die Leute brachte, hundertpro. Das war überhaupt keine Frage...

Oder doch? Wer war es denn nun – und woran hat Timo das hundertpro erkannt?

Kennst du die Lösung? Auf der nächsten Seite kannst du sehen, ob du richtig liegst!

Lösung:

So unsympathisch der blonde Strandkorbvermieter vielleicht auch war – das Falschgeld hatte er nicht unter die Leute gebracht. Denkt mal nach. Zwei falsche Fünfziger hatten Timo und seine Mutter. Einen mussten sie aus dem Supermarkt bekommen haben, den anderen aus der Kühlbox der Surfer, bei denen der Blonde wechselte. Und wer war sowohl am Strand als auch im Supermarkt? Logisch, die so toll aussehende Surferin. Sie trug die Kühlbox. Und sie leckte einen Hawaii-Becher, den es – wenn Ihr genau gelesen habt – auf der ganzen Insel nur in diesem Laden gab.

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