Medientipps: Frühe Nachkriegszeit

Die Bundesrepublik wurde dieses Jahr 60! Seit ihren Anfängen hat sie viel miterlebt - genug Stoff, um damit zahlreiche Bücher, Museen und Filme zu füllen. Hier stellen wir euch einige davon vor...
In diesem Artikel
Abenteuer in der Trümmerlandschaft
60 Jahre im Schnelldurchlauf
Grenzenlos gut
Rundgang durch die Geschichte

Abenteuer in der Trümmerlandschaft

Als der Zweite Weltkrieg endet, gleicht Deutschland einer Trümmerlandschaft. Die Städte sind zerstört, Schutthaufen säumen die Straßen, die Menschen hungern. Sie fahren zum "Hamstern" aufs Land und versuchen, Besteck, Uhren oder andere Habseligkeiten gegen Lebensmittel zu tauschen.

Aber auch in den Menschen selbst hat der Krieg Spuren hinterlassen - Pit, Eule und ihre Freunde merken das jeden Tag. Die Jungen sind die Helden in Klaus Kordons Roman "Ein Trümmersommer". Gemeinsam erleben sie Abenteuer in den Ruinen der zerbombten Stadt Berlin und haben doch jeder sehr eigene Hoffnungen und Sorgen.

Klaus Kordon entwirft ein mitfühlendes Porträt von Berlin im Jahr 1947: Er erzählt von den Trümmerfrauen, die den Schutt in der Stadt beseitigten, von Hunger und Armut, der blühenden Kriminalität auf den Schwarzmärkten und dem Kampf der Menschen, irgendwie weiterzumachen. Kurz: Die Momentaufnahme verschiedener Menschen einer Stadt, die nach der langen Schreckstarre des Krieges vorsichtig wieder ihr Leben aufnehmen!

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Fazit

Das kleine Taschenbuch liefert einen Ausschnitt der deutschen Nachkriegszeit - und lässt einen noch lange nicht los, wenn man es wieder zugeklappt hat.

Klaus Kordon: "Ein Trümmersommer", Beltz & Gelberg, 6,95 €, ab 12 Jahren

60 Jahre im Schnelldurchlauf

In den vergangenen 60 Jahren ist in Deutschland eine Menge passiert. Eigentlich Stoff genug, um zahlreiche Bücher damit zu füllen. Doch für einen guten Überblick reicht auch das Buch "Allgemeinbildung - Das muss man wissen. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute".

Das Buch fasst die wichtigsten Ereignisse der deutschen Geschichte auf nur 252 Seiten zusammen: Dabei schaffen es die beiden Autoren wunderbar, den Leser in vergangene Zeiten zurück zu versetzen. Die rasante Reise beginnt im Jahr 1945. Begonnen mit der "Entnazifizierung" widmen sich die Autoren zum Beispiel den Themen der "Entspannungspolitik", des "Europäischen Einigungsprozesses" und - anlässlich ihres 20-jährigen Jubiläums - natürlich auch der deutschen Wiedervereinigung. Klingt kompliziert: Ist es aber gar nicht. Wer sich von den etwas sperrigen Begriffen nicht gleich abschrecken lässt, den erwarten viele spannende Berichte. Anschaulich und locker geschrieben, lassen die beiden Autoren die deutsche Geschichte für einen kurzweiligen Moment wieder aufleben.

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Fazit

Die einzige Kritik an diesem Werk: Man sollte den Titel ändern. Statt "Das muss man wissen" würde der Titel "Das sollte man wissen" wohl besser passen. Denn wahnsinnig viel ist in den vergangenen 60 Jahren passiert. Und man kann gar nicht alles wissen und behalten. Dennoch ist das Buch als Gedächtnisstütze sehr hilfreich: besonders die kleinen Infoboxen, die kurz und knapp Fachbegriffe erklären - oder Bemerkenswertes noch einmal betonen.

Christoph Klessmann, Jens Gieseke: "Allgemeinbildung - Das muss man wissen. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute", 16,95 €, ab 12 Jahren

Grenzenlos gut

Die Mauer ist weg - fast spurlos verschwunden. Von der steinernen Grenze, die 28 Jahre lang Berlin teilte, sind nur noch einige Dutzend Meter übrig geblieben; vielerorts markieren allein im Boden versenkte Plaketten den Mauerverlauf. Gerade jüngere Generationen können sich darum kaum mehr vorstellen, wie das geteilte Berlin ausgesehen hat. Die DVD "Eingemauert! Wie die deutsche Grenze wirklich" war bietet Bilder - ohne dabei zu schockieren oder zu werten.

Die Dokumentation "Wie die Mauer fiel" erzählt die Geschichte des Sperrwalls vom Bau 1961 bis zur Öffnung 1989 - kompakt, mit bekannten, aber auch überraschenden Bildern. Das wahrlich Besondere an dieser DVD ist allerdings eine Computeranimation der Berliner Mauer. Bis ins kleinste Detail haben Filmemacher und Historiker nachgebildet, mit wie vielen Sperren und Alarmsystemen das Grenzgebiet abgesichert war. Mehr als 100.000 Stunden - wie im Making-of der DVD verraten wird - haben Computer an dieser Animation gerechnet.

Fazit

Es hat sich gelohnt: Denn so eindrücklich haben wohl auch jene, die die Mauer noch betrachten konnten, den Sperrwall selten gesehen.

"Eingemauert! Wie die deutsche Grenze wirklich war", Deutsche Welle TV, 1 DVD, etwa 18 €, ab 12 Jahren

Rundgang durch die Geschichte

Auf 4000 Quadratmetern Fläche können Besucher im Haus der Geschichte in Bonn einmal durch die Jahrzehnte laufen - und dieser Rundgang ist alles andere als verstaubt. Im Gegenteil: Hier wird Geschichte lebendig!

Nicht zuletzt dank der 6000 unterschiedlichen Ausstellungsobjekte - vom US-amerikanischen "Rosinenbomber" bis zum "Adenauer 300", dem Dienstwagen des ersten Bundeskanzlers. Der Eintritt in dieses klasse Museum ist frei.

Besucht das Haus der Geschichte im Internet

Fazit

Es gibt kein besseres Museum zur Geschichte Deutschlands nach 1945 als das Haus der Geschichte in Bonn! Zum Nachschlagen zu Hause empfiehlt sich der Katalog des Museums "Erlebnis Geschichte". Einige wenige Exemplare könnt ihr noch direkt vom Haus der Geschichte beziehen - denn leider wird der Katalog nicht mehr nachgedruckt.

Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): "Erlebnis Geschichte. Deutschland vom Zweiten Weltkrieg bis heute", Lübbe, 29,90 €, ab 13 Jahren

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