Buchtipps: Machtkämpfe

"Der Mensch ist des anderen Wolf" lautet ein Sprichwort. Mit "Krabat" (Otfried Preußler), "Herr der Fliegen" (William Golding) und "Farm der Tiere" (George Orwell) stellen wir euch drei Romane vor, die sich mit Machtkämpfen beschäftigen...
In diesem Artikel
Die schwarze Schule
Vom Himmel gefallen
Rebellion auf dem Bauernhof

Die schwarze Schule

Nacht für Nacht erscheinen Krabat im Traum elf Raben und eine barsche Stimme drängt: "Komm nach Schwarzkollm in die Mühle, es wird nicht zu deinem Schaden sein!" Der kleine Waisenjunge zögert: Sein bisheriges Leben als Bettler verlief nicht gerade leicht und schön. Doch warum sollte sich daran ausgerechnet in der Mühle von Schwarzkollm etwas ändern – einem Ort, um den sich viele düstere Geschichten ranken und der auf keiner Landkarte verzeichnet ist!?

In Otfried Preußlers mehrfach ausgezeichnetem Roman "Krabat" wird ein kleiner Waisenjunge auf eine schwere Probe gestellt: Nämlich der Macht des Bösen und seinen Verlockungen zu widerstehen. Zunächst jedoch siegt Krabats Neugier: Er begibt sich zusammen mit elf anderen Jungen in die Obhut des unheimlichen Müllermeisters von Schwarzkollm. Sie erlernen von ihm das Brotmahlen und – was diese Arbeit sehr erleichtert - die Kunst der schwarzen Magie.

Wie versprochen nimmt das Leben der Lehrlinge wirklich eine angenehme Wendung: Ihr Tisch ist jeden Tag reich gedeckt, sie dürfen ihren Meister in einer fliegenden Kutsche an den Fürstenhof begleiten und dazu erlernen sie noch selbst magische Fähigkeiten, wie zum Beispiel ihren Körper zu verlassen. Doch bald erkennt Krabat, dass die Lehrlinge dafür einen hohen Preis zu bezahlen haben: Denn jedes Jahr verschwindet ein Junge aus ihrer Mitte auf unerklärliche Weise und wird wenig später tot aufgefunden. Krabats Nachforschungen werden von seinem Meister strikt unterbunden: "Wer viel fragt, der viel irrt!" lautet seine oberste Weisung. Als Krabat endlich doch herausfindet, was hinter dem Verschwinden seiner Freunde steckt, ist es höchste Zeit zu handeln: Denn schon bald ist Neujahr - die einzige Gelegenheit für Krabat, sich und die anderen Lehrlinge aus den Verstrickungen der schwarzen Magie in der Mühle zu befreien...

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Fazit

Die Geschichte des Lehrlings Krabat, der sich gegen seinen Meister stellt, basiert auf einer alten wendischen Volkssage aus dem 17. Jahrhundert. Schon damals sollte sie junge Menschen davor warnen, nicht ihrem eigenen Drang nach Macht und Einfluss zu erliegen und ihnen Mut machen, sich gegen alle bösen Mächte zur Wehr zu setzen. Otfried Preußler hat aus dieser Sage einen packenden Roman gemacht - gespickt mit vielen Details aus der Region Lausitz und dem Leben im Mittelalter. Düsterer und um Welten authentischer als Harry Potter!

Otfried Preußler: "Krabat", ab 12 Jahren, Thienemann Verlag, 13,90 €

Vom Himmel gefallen

Ohne Erwachsene wäre alles besser! Oder? William Golding jedenfalls scheint nicht dieser Meinung zu sein: In seinem Roman "Herr der Fliegen" lässt der Autor ein Flugzeug mit einer Gruppe sechs- bis zwölfjähriger Schuljungen über einer einsamen Insel abstürzen. Zwischen den überlebenden Kindern entfacht bald ein brutaler Machtkampf, in dessen Verlauf die Schwachen von den Starken verfolgt und getötet werden.

Eigentlich herrschen auf der einsamen Insel paradiesische Zustände: Fern ab von jeglicher Zivilisation haben die Kinder die Möglichkeit, gemeinsam eine neue Welt aufzubauen – das heißt ihr Zusammenleben ohne althergebrachte Regeln neu zu organisieren. Doch schon bald bilden sich zwei rivalisierende Gruppen heraus: Der besonnene Ralph schart die klugen, aber körperlich unterlegenen Kinder um sich, die alles daran setzen, möglichst schnell von den Suchtrupps der Erwachsenen gefunden zu werden. Dafür übernehmen sie die mühevolle Aufgabe, auf der Bergspitze der Insel ein großes Signalfeuer fortwährend in Gang zu halten. Der abenteuerlustige Jack hingegen, verbündet sich mit den Stärkeren unter den Kindern zu einer kriegerischen Bande, die gemeinsam die Insel erkunden und wilde Tiere erlegen wollen.

Als sich die Gruppen mehr und mehr von einander entzweien und es immer öfter zu offenen Streitigkeiten zwischen ihren Anführern kommt, springt bald der Funke zur gewalttätigen Auseinandersetzung über. Die paradiesische Insel wird so zu einem Gefängnis, in dem Brutalität und Chaos herrschen.

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Fazit

William Goldings Anti-Utopie zeigt, wie ein aggressiver Anführer Andere dazu bringen kann, zu Mitläufern zu werden und ihn in der freien Ausübung seiner Macht zu unterstützen. Eine Warnung an junge Menschen, sich nicht zu stark über die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu definieren und gleichzeitig eine schonungslose Offenlegung der menschlichen Bereitschaft zu Gewalt.

William Golding: "Herr der Fliegen", ab 14 Jahren, Fischer Taschenbuch Verlag, 7,95€

Rebellion auf dem Bauernhof

Die Tiere auf dem Bauernhof haben es satt: Sie sollen den ganzen Tag schuften, während der Bauer auf der faulen Haut liegt. Trotzdem hat der Tyrann nur harte Worte und Hiebe für sie übrig. Und während die Tiere nachts in den Ställen vor Hunger und Kälte zittern, sitzt er gemütlich im Gutshaus und futtert die Erzeugnisse ihrer mühevollen Arbeit. Also fassen die Tiere einen gemeinsamen Entschluss: Rebellion! Sie übernehmen die Führung auf dem Bauernhof und wollen fortan in Gleichheit und Gerechtigkeit zusammenleben.

Was nach einem guten Ende klingt, ist leider keins: Denn wo andere Märchen aufhören, fängt George Orwells Fabel "Farm der Tiere" erst an. So haben es die Tiere zwar geschafft, sich von der Tyrannei des Bauern zu befreien, doch in kürzester Zeit geht es ihnen so schlecht wie eh und je. Der Grund: Aus ihren eigenen Reihen heraus formieren sich die Schweine zu einer intellektuellen Elite und versetzen die anderen Tiere in Angst und Schrecken. Besonders ihr selbsternannter Führer Napoleon nimmt es mit dem Gesetz der Gleichheit nicht ganz so genau. Die neue Devise lautet: "Alle Tiere sind gleich - aber manche sind gleicher!" So beanspruchen die Schweine einfach Privilegien für sich, wie zum Beispiel in den weichen Betten im Gutshaus zu schlafen oder auch in Dürrezeiten Milch und Äpfel zu essen. In ihrem Verhalten werden die Schweine dem vertriebenen Bauer also immer ähnlicher: Bald gehen sie sogar aufrecht und tragen Kleidung. Doch wehe ein anderes Tier hat daran etwas auszusetzen: Alle Kritiker werden von den blutrünstigen Wachhunden der Schweine sofort vom Hof gejagt - das ruhmlose Ende einer gerechten Rebellion.

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Fazit

George Orwells grimmige Fabel "Farm der Tiere" beschreibt eigentlich das Scheitern der kommunistischen Ideale von Gleichheit und Gerechtigkeit in den ehemaligen Ostblockstaaten: Unter der Führung der Sowjetunion errichteten Einheitsparteien - wie zum Beispiel die SED in der ehemaligen DDR (1949 bis 1990) - ein wahres Schreckensregime. Wie konnte es überhaupt dazu kommen? George Orwells Fabel gibt einen hintergründigen Einblick in dieses traurige Kapitel unserer Nachkriegszeit. - Ein Buch zum Nachdenken, das es wert ist, auch außerhalb der Schule gelesen zu werden!

George Orwell: "Farm der Tiere", Diogenes, 7,90 €, ab 12 Jahren

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