Bücher: "Laduma heißt Tooor!" von Cathlin Kockel

Anpfiff: In ihrem Roman "Laduma heißt Tooor" lenkt Cathlin Kockel den Blick auf das Gastgeberland der Fußball-WM 2010. Kann das sportliche Großereignis die Grenzen zwischen Arm und Reich in Südafrika überwinden helfen?Mit Leseprobe
In diesem Artikel
"Laduma heißt Tooor!"
Fazit

"Laduma heißt Tooor!"

Fair Play? Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 wird in Südafrika ausgetragen – einem Land, in dem Menschen schwarzer Hautfarbe noch bis vor 20 Jahren systematisch diskriminiert wurden. Schlimmer als vielerorts zur Kolonialzeit besaßen sie kein Stimmrecht, mussten in abgetrennten Wohnvierteln leben und durften keinen Fuß in öffentliche Einrichtungen, wie zum Beispiel Schulen, Parks oder Busse setzen – geschweige denn auf einen Sportplatz.

Das ist heute anders: In Südafrika besitzen seit 1994 alle Bürger dieselben Rechte. Und mit Issa Hayatou als Leiter der FIFA-Organisationskommission für die WM 2010 begrüßt ein Schwarzer "die Welt als Gast in Südafrika". Doch noch immer herrschen in dem verarmten Land sehr starke soziale Gegensätze. Kann sich daran durch eine Fußball-WM etwas ändern? Etwa dann, wenn sich bei einem Tor ihrer "Bafana Bafana" (Grüne Jungen) Arm und Reich um den Hals fallen?

In ihrem Roman "Laduma heißt Toor" erzählt die Autorin Cathlin Kockel die Geschichte zweier junger junger Fußballfans, die die fieberhaften Vorbereitungen zur Weltmeisterschaft in Johannesburg aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beobachten: einer Wellblechhütte im Elendsviertel

Suche nach dem Weltpokal

Abseits der großen Stadien treffen die beiden auf einem Fußballfeld von Soweto aufeinander: Aka, barfüßig und aufgerieben vom Wasserholen und einer Auseinandersetzung mit den Schlägern des Ghettos. Und Jo in nagelneuen Sportschuhen und gelangweilt von dem abgeschotteten Leben in der Vorstadt. Das anfängliche Misstrauen zwischen den beiden Jungen schlägt bald in sportliche Anerkennung um.

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Cover des Romans "Laduma heißt Tooor!" von Cathlin Kockel

Jo wird von Aka und den anderen Mitgliedern der Kaizer Chiefs als neuer Torwart ihres Teams akzeptiert – nicht zuletzt wegen der Fürsprache ihres Trainers Jimmy, einer Fußballlegende, der sich seinerzeit auch als einziger Weißer in das lokale Team von Soweto eingebracht hat.

Die allgemeine Euphorie der Kaizer Chiefs wird jedoch durch eine Nachricht aus dem FIFA-Büro jäh zerstört: Der WM-Pokal wurde gestohlen! – Ein herber Schlag für das Ansehen des Gastgeberlandes: "All die Schwarzseher haben vorausgesagt, die Stadien würden nicht fertig werden – und: Guckt euch um, und ob die Stadien fertig sind! Dann wurde daran gezweifelt, ob die Straßen fertig würden – und: Die Straßen sind fertig! Auch das öffentliche Verkehrssystem funktioniert bestens, das hat ja ebenfalls niemand für möglich gehalten. Aber keiner kam auf die Idee, dass der Weltpokal in den Büros des südafrikanischen Fußballverbandes nicht sicher sein würde!"

Die Spur der erpresserischen Diebesbande des WM-Pokals führt ausgerechnet nach Soweto. Als Aka und Jo durch Zufall auf ihr Versteck stoßen, nehmen sie die Sache in die eigene Hand...

Fazit

In Cathlin Kockels erstem Jugendroman "Laduma heißt Tooor" dreht sich - anders als der Titel vermuten lässt – nicht Alles um eine kleine braune Volkssport Nummer Eins deutlich anzumerken sind. Dennoch: "Laduma heißt Toor!" ist in erster Linie eine Geschichte über zwei sehr unterschiedliche Jungen, deren Freundschaft die sorgfältig gezogenen Grenzen zwischen Arm und Reich in Johannesburg überwindet.

Das Thema ist natürlich Klichee behaftet und nicht besonders neu: Doch mit der Fußball-WM 2010 hat die Autorin einen spannenden Aufhänger gewählt. Die Chancen und Grenzen eines solchen Großevents für die Menschen in einem Dritte Weltland werden an vielen Stellen im Buch deutlich: So zum Beispiel wenn Akas Vater endlich eine Arbeit als Bauarbeiter in einem der Stadien findet und zur Enttäuschung seiner Kinder entscheidet seine Freikarten für die WM-Spiele an Touristen zu verkaufen.

Die Lebenswirklichkeit ihrer beiden Hauptfiguren vermittelt die Autorin anhand vieler Details und flicht dabei geschickt Informationen über Südafrika und die Vorbereitungen zur Fußball-WM mit ein. Ein spannender Roman und ein Anpfiff, sich vorab der WM einmal etwas genauer mit dem Gastgeberland zu beschäftigen!

Cathlin Kockels: "Laduma heißt Toor!", Persimplex Verlag, ab 12 Jahren, 14,90 Euro

Leseprobe

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