Bücher: "Jesus von Texas" von D.B.C. Pierre

Amoklauf an der High School: D.B.C. Pierre beschreibt in seinem Roman "Jesus von Texas" wie ein 16-Jähriger als Sündenbock für den Mord an seinen Mitschülern herhalten muss. Ausgezeichnet mit dem Booker Preis!
In diesem Artikel
"Jesus von Texas"
Fazit

"Jesus von Texas"

"Hier ist nichts mehr normal, soviel steht fest – die Normalität ist schreiend aus der Stadt geflohen, wahrscheinlich für immer. Ich hab wirklich versucht, das Leben zu kapieren, manchmal kam es mir sogar großartig vor. Doch damit hat sich’s jetzt erstmal, nach allem was passiert ist. Ich meine, was soll das denn für ein Scheißleben sein?"

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Cover von "Jesus von Texas"

Seit Dienstag Vormittag ist Jesus Navarro tot. Und 16 Mitschüler mit ihm – durch seine Hand gestorben.

Zurück zur Normalität! - Doch wie? Das Massaker an der High School hat den inneren Zusammenhalt der Bürger von Mauritio empfindlich getroffen. Statt der eigentlichen Ursachen für die Katastrophe sucht die Bevölkerung der texanischen Kleinstadt einen Schuldigen. Ihre geballte Wut wendet sich gegen den besten Freund des Amokläufers. Gegen Vernon.

Der hat noch nicht ganz verstanden, was an jenem Dienstag Vormittag in der Schule passiert ist, als er schon im Gefängnis sitzt. Beihilfe zum Mord lautet die Anklage. Bei der erstbesten Gelegenheit setzt sich Vernon in das Auto seiner Mutter und haut ab.

Doch die Flucht führt Vernon über einen Umweg nach Acapulco in die Todeszelle. Mit Händen und Füßen bereits an die Liege gefesselt, die Giftspritze direkt vor Augen, bäumt sich Vernon noch einmal gegen seine ungerechte Verurteilung auf - und schlägt die Kläger mit ihren eigenen Mitteln. Die Welt sie will betrogen sein!

Fazit

Als D.B.C. Pierre im Jahr 2003 für seinen Roman "Jesus von Texas" mit dem renommierten Booker Preis geehrt wurde, brach in den Medien eine Welle der Empörung aus. Die New York Times erklärte den Roman sogar zu einer "trampeligen, einfallslosen Darbietung, ein (...) Kompendium aller Klischees, die je über Amerika im Allgemeinen und Texas im Besonderen verbreitet wurden".

Die Überspitzung der Wirklichkeit ist dem australischen Autor jedoch kaum vorzuwerfen – sie ist wesentliches Stilmittel jeder Gesellschaftssatire von Mark Twains "Huckleberry Finn" bis hin zu Matt Groenings "Die Simpsons". Auch ist das Thema des Romans "Jesus von Texas" alles Andere als einfallslos!

So kommt die 16-jährige Hauptfigur am Ende zu folgender Erkenntnis: Der kleine Bürger hat seine Alltagslügen, Augenwischereien und Intrigen dringend nötig. Sie helfen ihm nämlich, sich damit abzufinden, tagtäglich um eine höhere gesellschaftliche Gerechtigkeit betrogen zu werden. - D.B.C. Pierre muss es wissen. Schließlich steht sein Synonym für "Dirty But Clean Pierre" und glaubt man seinem Verlag liegt eine erfolglose Karriere als Schatzsucher, Glücksspieler und Schmuggler weit hinter dem schmutzigen und doch sauberen Peter zurück!

D.B.C. Pierre: "Jesus von Texas", ab 14 Jahren, Aufbau Verlag, 19,90 €

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