Bücher: "Gift" von Peer Meter und Barbara Yelin

Mord in 15 Fällen: Der Fall der Bremer Giftmischerin Gesche Gottfried machte im 19. Jahrhundert in ganz Europa Schlagzeilen. In der Graphik Novel "Gift" von Peer Meter und Barbara Yelin erfahrt ihr warum ... Mit Leseprobe
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"Gift"
Fazit

"Gift"

Geköpft und angespuckt: An der Giftmörderin Gesche Gottfried hat im Jahr 1831 die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen stattgefunden.

Ein dunkler Fleck in der Geschichte der Hansestadt an der Weser. Schließlich zeugen Schauprozesse über vierzig Jahre nach der Französischen Revolution nicht gerade von einer aufgeklärten Gesellschaft.

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Cover des Mangas "Gift"

Den Platz des Schafotts markiert seitdem ein schwarzer Pflasterstein. – Gesetzt nicht etwa zum Gedenken sondern zum Hohn der Hingerichteten: So ist es in Bremen Tradition, auf den Stein zu spucken, um Abscheu vor der "kaltblütigen Mörderin" Gesche Gottfried und Ihresgleichen zum Ausdruck zu bringen.

Dabei war Gesche Gottfried bei ihren Zeitgenossen gleichermaßen verhasst wie beliebt. "Ein Weib, das Kranke pflegt, Arme speist (...) und doch seine Freundinnen vergiftet; das über einem Wort von Goethe weint und ihre Kinder ermordet; (...) das heute stiehlt was es morgen verschenkt und tausend andere rätselhafte Erscheinungen mehr an sich trägt.

Wer kann es wagen, ihren Charakter zu schildern?" Dieser Satz stammt von Richter Franz Friedrich Droste, der die Giftmörderin dennoch dem Henker übergab.

Fazit

Gesche Gottfried eine kaltblütig berechnende Mörderin? Die Prozessakten zeichnen ein anderes Bild. Anhand dieser Originaldokumente beschreibt Autor Peer Meter in seiner Graphik Novel "Gift" die wahre Geschichte einer Mörderin, deren Fall im 19. Jahrhundert in ganz Europa Aufsehen erregte.

Gesche Gottfried hat über viele Jahre hinweg zwei Ehemänner, drei Kinder und zehn Angehörige ihres Familien- und Bekanntenkreises vergiftet. Natürlich nicht ohne dabei Aufsehen zu erregen: "Es wurde ganz allgemein gesagt, dass sie einen pestartigen Atem habe, an dem alle sterben, die unter ihrem Dach wohnen", hieß es im Stadtgespräch. Doch warum ließen ihre Mitbürger die Mörderin so lange frei gewähren? Und warum wurde ihr geistiger und seelischer Gesundheitszustand bei der Verurteilung nie untersucht?

Autor Peer Meter gelingt es in der Graphik Novel "Gift" die Scheinheiligkeit des Bremer Bürgertums im 19. Jahrhundert dicht vors Auge zu rücken. So erweckt das Buch am Ende stärkere Greuel vor den Richtern als der Mörderin. – Die durchweg eindringliche Atmosphäre der Graphik Novel "Gift" wird getragen von den künstlerisch anmutenden Bildern der Zeichnerin Barbara Yelin.

Peer Meter und Barbara Yelin: "Gift", ab 14 Jahren, Reprodukt, 20 Euro

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