Bücher: "Vertraute Fremde" von Jiro Taniguchi

Zweite Chance: In Jiro Taniguchis Graphic Novel "Vertraute Fremde" findet sich ein Familienvater plötzlich in seinem Körper als 14-jähriger wieder. – Und fängt sein Leben noch einmal ganz von vorne an! Mit Leseprobe!
In diesem Artikel
"Vertraute Fremde"
Fazit

"Vertraute Fremde"

Viele Erwachsene scheinen ganz vergessen zu haben, dass sie selbst einmal ein Kind waren. Ihr Stirnrunzeln ist wie festgewachsen. Genauso der graue Anzug. Und in ihrer Stimme schwingt das sichere Gefühl mit, immer Recht zu besitzen.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Architekten Hiroshi Nakahara, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Tokyo lebt. Doch eines Tages geschieht etwas Ungewöhnliches: Hiroshi befindet sich eigentlich auf dem Rückweg von einer Geschäftsreise, als ihn seine Füße in den falschen Zug lenken. Schlafwandlerisch steigt er an der letzten Haltestelle aus – und findet sich in seinem alten Heimatdorf wieder!

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Cover der Graphic Novel "Vertraute Fremde"

Die vertraute Fremde seiner Jugendzeit versetzt Hiroshi einen tiefen Schrecken. Sogar das Haus seiner Eltern steht nicht mehr an seinem alten Platz. Aus den Straßen fliehend, schlägt Hiroshi den Weg zum Genzen Tempel ein. Von einer merkwürdigen Schwere ergriffen sinkt er dort nieder – und erwacht als 14-jähriger Schuljunge in seiner eigenen Vergangenheit!

Vorsichtig tastet sich Hiroshi durch eine Welt, die einmal die seine war. Er durchlebt seine erste Liebe und seine erste Fahrt auf einem Motorrad zum zweiten Mal. Und er sitzt bei Tisch seinem Vater gegenüber, von dem er weiß dass er die Familie von einem Tag auf den Anderen ohne Ankündigung verlassen wird. – Ob Hiroshis Zeitreise daran etwas ändern kann?

Fazit

Jiro Taniguchi vermittelt in der Graphic Novel "Vertraute Fremde" eine ruhige und sehr poetische Stimmung. Die detailreichen Bilder lassen euch in das Alltagsleben einer japanischen Provinz der 60er Jahre eintauchen.

Eine Nachkriegszeit voller gesellschaftlicher Umbrüche und technologischer Neuerungen. Im Mittelpunkt steht Hiroshi mit seiner Sehnsucht, alle Versäumnisse der Vergangenheit aufzuholen. Doch scheint es so, dass sich die Wirklichkeit trotz guten Willens nur bruchstückhaft verändern lässt.

Am Ende sind es weniger unsere eigenen Entscheidungen, als unsere Wahrnehmung, von der die Zukunft bestimmt wird. So führt euch Hiroshis Zeitreise vor, dass es in jedem Moment möglich ist, noch einmal ganz von vorne anzufangen.

Jiro Taniguchi: "Vertraute Fremde", Carlsen, ab 14 Jahren, 19,90 Euro

Leseprobe

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