Bücher: "1984" von George Orwell

Gläserne Menschen: In George Orwells berühmten Zukunftsroman "1984" kontrolliert der "Große Bruder" die Gedanken der Bürger von Ozeanien...
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"1984"
Fazit

"1984"

"Aus dem Zeitalter der Gedankenpolizei sendet ein toter Mensch Grüße". So lautet der erste Tagebucheintrag von Winston Smith, der Hauptfigur in George Orwells Roman "1984".

Smith ist wie alle Menschen in dem totalitären Staat Ozeanien ein "gläserner Bürger" – rund um die Uhr überwacht von den Mikrofonen und Kameras der Gedankenpolizei.

Bücher: "1984" von George Orwell

Cover von "1984"

Der "Große Bruder", wie der Diktator von Ozeanien sich nennen lässt, ist überall präsent. Sein Gesicht droht auf riesigen Plakaten an den Häuserwänden, lächelt auf eingerahmten Bildern in den Wohnungen und flackert über den Televisor – einer Mischung aus Fernsehen und Kamera.

"Nieder mit dem großen Bruder", schreibt Winston voller Wut in sein Tagebuch. "Immer wieder fast über eine halbe Seite weg. Unwillkürlich durchzuckte ihn ein großer Schrecken. Das war im Grunde töricht, denn das Niederschreiben dieser Worte war nicht gefährlicher als der erste Schritt, ein Tagebuch anzulegen".

Die Autorität des Großen Bruders macht vor nichts und niemandem Halt: Er kontrolliert nicht nur das Verhalten der Bürger von Ozeanien, sondern auch ihre Gedanken. So werden auf seine Anordnung hin gefährliche Worte in der sogenannten "Neusprech" einfach ausgemerzt.

"Zum Beispiel »gut«: Wenn du ein Wort wie »gut« hast, wozu brauchst du dann noch ein Wort wie »schlecht«? »Ungut« erfüllt den Zweck genau so, ja noch besser (...). Wenn du wiederum eine stärkere Abart von »gut« willst, worin besteht der Sinn einer ganzen Reihe von undeutlichen, unnötigen Worten, wie »vorzüglich«, »hervorragend« oder wie sie alle heißen mögen? »Plusgut« drückt das Gewünschte aus, oder »doppelplusgut«, wenn du noch etwas Stärkeres haben willst!"

Neusprech besetzt zudem furchtbare Institutionen der Diktatur mit wohlklingenden Namen. So gibt es zum Beispiel "Lustlager", in dem Kritiker des Regimes zu Zwangsarbeit genötigt werden, das "Ministerium für Wahrheit" ist dafür zuständig, Zeitungsberichte zu Gunsten des Großen Bruders zu verfälschen und hinter dem Wort "Friedensmissionen" verbergen sich nichts anderes als Kriegseinsätze.

Wer wollte sich da noch für Winston freuen, dass er vor das "Liebesministerium" geladen wird, als seine wahren Gedanken über den Großen Bruder offenkundig werden...

Fazit

George Orwell, der meistgelesene englische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, heißt eigentlich Eric Blair und kam am 25. Juni 1902 als Sohn Britischer Eltern in Indien zur Welt.

Seinen Roman "1984" schrieb Orwell unter dem Eindruck der Terrorsysteme von Hitler und Stalin. Für den Titel verdrehte Orwell lediglich die Ziffern der Jahreszahl, in dem der Roman entstand. "1984" ist eine Warnung vor der Fremdbestimmung des Einzelnen in einer skrupellosen Diktatur.

Viele Mechanismen, die Orwell in seinem Roman beschreibt lassen sich auch in gegenwärtigen Unrechtsstaaten wiedererkennen. Aber auch in heutigen demokratischen Staaten ist die Angst vor Verlust der Privatssphäre spürbar: Aktuellen Anlass bietet zum Beispiel der genetische Fingerabdruck oder der Datenmissbrauch über das Internet. Somit bleibt der Roman auch 60 Jahre nach seinem Entstehen noch aktuell.

Gleichzeitig hat Orwells Bild des "gläsernen Bürgers" durch die neuaufkommenden Reality Shows im Fernsehen eine merkwürdige Wendung erfahren: Lassen sich doch seit der Jahrtausendwende erstmals junge Menschen freiwillig rund um die Uhr von Kameras in ihrem Privatleben ablichten. Und George Orwells sozialkritische Warnung "Big Brother is watching you" wurde vom Privatfernsehen zu einem spaßigen Slogan verramscht.

George Orwell: "1984", Heyne Verlag, ab 14 Jahren, 9,95 Euro

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