Bücher: "Das Inselexperiment" von Aleksander Melli

Kinderregierung: In Aleksander Mellis neuem Roman nehmen 20 Kinder an einem "Inselexperiment" teil – und verstricken sich bald vor laufenden Kameras in ein psychologisches Machtspiel. Mit Leseprobe
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"Das Inselexperiment"
Fazit

"Das Inselexperiment"

"Kinder an die Macht!" Dagegen hätte der 12-jährige Max natürlich nichts einzuwenden. Aber als ihm eines denkwürdigen Tages die Einladung einer ominösen "Kinderregierung" per Postkarte ins Haus flattert ist Max dennoch misstrauisch.

"Die wahre Wirklichkeit kommt bald", steht auf der Rückseite der Postkarte. "Das hätte auch von irgendeinem fanatischen religiösen Führer stammen können, fand Max. (...)

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Cover des Romans "Das Inselexperiment"

Was immer diese Kinderregierung auch sein mochte, bestimmt hatten sie es auf sein Taschengeld abgesehen. (...) Im Moment wäre es nett gewesen, wenn die wahre Wirklichkeit aus einer neuen Pizzeria in der Nachbarschaft bestanden hätte, wo man Gratisproben mit nach Hause nehmen könnte."

So steuert Max direkt vom Briefkasten in die Küche und vergisst darüber die seltsame Einladung. Aber nicht für lange: Denn wie sich bald herausstellt, zählt Max zu 20 sorgfältig auserwählten Kindern, denen es bestimmt ist den Sommer auf Fernholmen, einer Insel im Oslofjord, zu verbringen.

Dort sollen sie – rund um die Uhr von Kameras gefilmt – Antworten auf die politisch brisanten Fragen unserer Zeit finden.

Weitaus spannender als Pizza findet Max plötzlich. "Eine Versammlung von Nerds" hält seine Schwester Therese dagegen.

Doch genau aus diesem Grund freut sich Max auf die Tagung der Kinderregierung: In seiner Familie und bei seinen Schulfreunden hat er nämlich schon lange den Ruf weg, ein nerviger Besserwisser zu sein: Das mag wohl an Max’ ausgefallenem Hobby liegen, die Nase in Tageszeitungen zu stecken, wann immer sich dazu Gelegenheit bietet.

"Max las Zeitungen, im Netz und auf Papier, viele Stunden jeden Tag. Du konntest ihm das fast ansehen. Weil er stark kurzsichtig geboren war und weil er ein wenig zu jung oder nicht eitel genug für Kontaktlinsen war, trug er eine dicke Brille, die seine blauen Augen vergrößerten und den Eindruck eines in sich gekehrten Weicheis verstärkten."

Doch wenn Max gehofft hat, im Kreis der Kinderregierung auf Gleichgesinnte zu stoßen, so wird er schnell enttäuscht. Unterschiedlicher hätten die 20 "Auserwählten" auf Fernholmen wirklich nicht sein können!

Schon bald eskaliert die Situation auf der Insel: Um die Meinungsführer bilden sich verfeindete Lager und die politischen Diskussionen geraten mehr und mehr zu einem psychologischen Machtspiel. Dabei wird Max die ganze Zeit das Gefühl nicht los, das dahinter ein wohl ersonnener Plan stecken muss...

Fazit

Für den preisgekrönten Autor Aleksander Melli sind weltpolitische Themen keine bloße Theorie: Bevor er als Teenager nach Norwegen zog, verbrachte er große Teile seiner Kindheit in Afrika, England, den USA und Südostasien.

So ist seinem neuen Roman "Das Inselexperiment" auch auf jeder Seite das Anliegen anzumerken, junge Menschen für ein politisches Engagement zu begeistern.

Der Konflikt zwischen Individualismus und gesellschaftlicher Verantwortung durchzieht den Roman dabei wie ein roter Faden. - Ausgefochten in einem Inselszenario, das unweigerlich an William Goldings Klassiker "Herr der Fliegen" denken lässt. Mit einem Unterschied: Mellis Charaktere liefern sich in ihren Wortgefechten einen weitaus amüsanteren, wenn auch ebenso bissigen, Schlagabtausch.

Aleksander Melli: "Das Inselexperiment", Rowohlt, ab 12 Jahren, 14,95 Euro

Leseprobe

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