Bücher: "Damals das Meer" von Meg Rosoff

Traumvorstellung: In Meg Rosoffs Roman "Damals das Meer" versucht ein Internatsschüler durch die Freundschaft zu einem Fischerjungen der Enge seines Lebens zu entfliehen. Mit Leseprobe!
In diesem Artikel
"Damals das Meer"
Fazit

"Damals das Meer"

"Regel Nummer eins: Traue keinem." - Besonders nicht deinem Vater, wenn er dich vor einem englischen Internatsgebäude absetzt, das mit seinen hohen Backsteinmauern und schmalen Bogenfenstern eine niederschmetternde Ähnlichkeit zu einem Gefängnis aufweist.

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Cover des Romans "Damals das Meer"

St. Oswald’s ist bereits die dritte Schule, von der Hillarys Vater erwartet, dass sie aus seinem "beklagenswerten" Sohn etwas macht. "Einen Anwalt etwa oder jemanden, der im Londoner Finanzviertel arbeitet." In jedem Fall aber ein nützliches Mitglied der Gesellschaft.

Hillary dagegen hat eine ganz andere Meinung über den Wert seiner Ausbildung: "Diese Schulen und ihre Zeitgenossen waren nichts als billige Händler für gesellschaftlichen Status, die an gutbürgerliche Jungen ohne besondere Verdienste ein aufgeblasenes Selbstwertgefühl verkauften".

Alles was der 16-jährige Hillary will, ist seine Ruhe. Doch darum ist es in St. Oswald’s schlecht bestellt. In diesem Auffangbecken für gescheiterte Schüler und unmotivierte Lehrer herrschen die paradoxesten Regeln: "Unterer Blazerknopf auf oder zu, linke Hand in der Tasche oder nicht, den Hof schräg oder gerade überqueren (...). Die Regeln existierten einfach und tauchten an die Oberfläche des Schullebens wie Scheißhaufen."

Doch dann lernt Hillary den etwa gleichaltrigen Finn kennen. "Er kam mir unglaublich vertraut vor, wie eine Traumausgabe von mir selbst". Seit dem Tod seiner Großmutter lebt Finn ganz auf sich allein gestellt auf einer Landzunge, die vom Internat aus nur bei Ebbe zu erreichen ist.

Bei Finn findet Hillary Zuflucht vor seinem trostlosen Schulalltag: Eine kleine, windschiefe Hütte direkt am Meer, "angefüllt vom ewigen Rauschen der Wellen, mit dem prasselnden Kaminfeuer und der wärmenden Suppe". Doch ein schreckliches Ereignis wirft Hillary jäh zurück in sein altes Leben...

Fazit

Mit ihrem Roman "Damals das Meer" ist Meg Rosoff ein sehr einfühlsamer Roman über eine ungleiche Freundschaft gelungen. Schön, selbstständig und stark verkörpert Finn alle Eigenschaften, die Hillary sich ersehnt.

So ist die Freundschaft zu Finn keineswegs geeignet, um Hillarys Verachtung für sein eigenes Dasein zu lindern. Hillarys Wunsch zu leben wie Finn, zuletzt zu sein wie er, bestimmt bald seine ganze Vorstellungswelt. Blind für das eigentliche Wesen seines neuen Freundes, zerstört Hillary, was er bewundert.

Meg Rosoffs Roman "Damals das Meer" ist dazu angelegt durch Tragik und Tiefe gleichermaßen zu begeistern wie durch sprühenden Humor. Ausgezeichnet mit dem Luchs 2009.

Meg Rosoff: Damals das Meer, Carlsen Verlag, 14,90 Euro

Leseprobe

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